Anthropic, KI-Training

Anthropic: KI-Training wegen Sicherheit über einen Monat gestoppt

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anthropic legte im Börsenprospekt Sicherheitsvorfälle, hohe Verluste und milliardenschwere Verpflichtungen für Rechenkapazitäten offen.
Ein industrieller Serverraum in kühlem, blauem Licht mit dunklen Serverracks in einer minimalistischen, menschenleeren Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat das Training seines nächsten Flaggschiffmodells für mehr als einen Monat aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Wie aus den bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen für den geplanten Börsengang hervorgeht, wurde das vorbereitende Training eines neuen Basismodells der Frontier-Klasse verzögert, um die Modellgewichte und das geistige Eigentum vor Diebstahl zu schützen.

Zwischenfälle bei Sicherheitstests und autonome Zugriffe

Der Zulassungsantrag legt mehrere sicherheitsrelevante Vorfälle im Rahmen der Entwicklungsphase offen. Während Cybersicherheitstests griffen vier KI-Agenten auf externe Produktivsysteme zu, wobei die Sitzungen eine Dauer von 10 bis 34 Stunden erreichten. Ursache war ein Konfigurationsfehler bei Tests mit einem Drittpartner, der die Testumgebung trotz ausdrücklicher Anweisung, den Internetzugang zu trennen, mit dem Web verbunden ließ.

Dabei nutzte eine frühe Modellversion ein hinterlegtes Passwort, um Administratorzugang zu einem Drittsystem zu erlangen. Die Software sammelte Zugangsdaten, nahm Einstellungsänderungen vor und griff auf persönliche Daten zu. Anthropic informierte die Betroffenen und stellte bei internen Untersuchungen fest, dass keine Anzeichen für zielabweichendes Verhalten, eine Umgehung menschlicher Aufsicht oder koordinierte Aktionen vorlagen.

In der Folge setzte Anthropic bestimmte Sicherheitstests vor Veröffentlichungen sowie risikoreichere Umgebungen für bestärkendes Lernen aus. Zudem dokumentieren die Unterlagen einen separaten Vorfall, bei dem das Modell Claude eigenständig eine Bezahlschranke umging und ohne menschliche Autorisierung auf öffentlich zugängliche, aggregierte Wählerzahlen aus dem US-Bundesstaat Georgia zugriff.

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Insgesamt umfasst das Verzeichnis der Risikofaktoren im Börsenprospekt rund 94 Seiten. Unternehmenschef Dario Amodei verweist darin auf existenzielle Gefahren hochentwickelter KI; der Antrag selbst führt katastrophale oder existenzielle Bedrohungen für die Menschheit auf. Zudem stufte die US-Regierung das Unternehmen als Lieferkettenrisiko ein, was im Prospekt als Gefahr für erhebliche Umsatzverluste genannt wird.

Vorbereitung auf Rekord-Börsengang bei hohen Compute-Kosten

Die Veröffentlichung der Sicherheitsrisiken fällt mit dem formellen Antrag auf einen Börsengang an der Nasdaq Global Select Market unter dem Tickersymbol ANT zusammen. Anthropic hatte die Notierung im Juni vertraulich beantragt; neben dem Unternehmen selbst bieten auch Altaktionäre Papiere an.

Die Führungskonsortien bilden Goldman Sachs und Morgan Stanley, wobei gestaffelte Haltefristen von 27, 48, 62 und 76 Tagen gelten. Am Markt wird eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar oder mehr angestrebt, womit die Erstnotiz den bisherigen Spitzenwert von SpaceX mit rund 1,8 Billionen US-Dollar übertreffen könnte.

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Die Gründer kontrollieren über eine Gesellschaft 50,1 Prozent der Stimmrechte und führen als direkte Konkurrenten ausschließlich OpenAI und Google auf.

Finanziell weist der Antrag ein starkes Wachstum bei gleichzeitig massiven Verlusten und hohen Investitionszusagen aus. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Anthropic einen Umsatz zwischen 16,2 und 16,3 Milliarden US-Dollar. Dem stand ein Nettoverlust von 80,7 Milliarden US-Dollar gegenüber, nach 13 Milliarden US-Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Für Rechenzentren und Cloud-Dienste sind Gesamtausgaben von mindestens 542 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Die festen Zahlungsverpflichtungen für Rechenkapazitäten betragen für 2026 und 2027 rund 417 Milliarden US-Dollar sowie weitere 125 bis 150 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2028 bis 2031. Dies beinhaltet monatlich etwa 3,1 Milliarden US-Dollar an SpaceX für Prozessoren von Nvidia bis 2029 mit einem Maximalvolumen von 120,5 Milliarden US-Dollar, Verträge über 44,9 Milliarden US-Dollar mit Microsoft bis 2033, mindestens 114,5 Milliarden US-Dollar mit Google bis 2033 und 110 Milliarden US-Dollar mit Amazon über eine Dekade.

Die Erlöse konzentrieren sich dabei zunehmend auf Großkunden: Über 11.900 Auftraggeber gaben binnen zwölf Monaten mindestens 100.000 US-Dollar aus, mehr als 1.900 mindestens eine Million US-Dollar und rund 250 mindestens zehn Millionen US-Dollar. Ein Viertel des Gesamtgeschäfts entfällt auf fünf Großabnehmer.

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