Anthropic, Nova

Anthropic in Nova Scotia: 20-Jahres-Pacht für 95-Megawatt-Rechenzentrum

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 19:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der 20-jährige Pachtvertrag umfasst zunächst 95 Megawatt; Proteste begleiten EverWinds geplanten Campus in Point Tupper.
Weite Küstenlandschaft in Nova Scotia mit großen Windkraftanlagen auf einer felsigen Anhöhe bei nebligem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Kurz nach der Ankündigung des neuen Rechenzentrumsprojekts in Nova Scotia haben sich am 17. Oktober über 100 Gegner vor dem Province House in Halifax versammelt, um gegen den geplanten Campus zu demonstrieren. Für den 7. November sind bereits weitere Proteste unter anderem in Kentville, Sydney und Port Hawkesbury angekündigt. Ungeachtet des Unmuts vor Ort sind die Rodungsarbeiten für das Großprojekt bereits angelaufen.

Hintergrund der Proteste ist die erste Vereinbarung von Anthropic über Rechenzentrumskapazitäten in Kanada. Das KI-Unternehmen unterzeichnete am 16. Oktober eine Pacht für eine 95-Megawatt-Phase des von EverWind Fuels geplanten Data-Center-Campus in Point Tupper. Der Vertrag läuft über mindestens 20 Jahre und soll künftig der Stromversorgung der hauseigenen Claude-KI-Modelle dienen.

Der genaue Wert der Pacht wurde nicht veröffentlicht. EverWind Fuels hatte das Vorhaben an diesem Freitag zunächst ohne Namensnennung des Ankermieters vorgestellt, Anthropic bestätigte den Abschluss jedoch noch am selben Tag.

Milliardeninvestition in Windkraft und Campusinfrastruktur

EverWind Fuels plant an dem Standort Point Tupper und im Rahmen begleitender Onshore-Windprojekte Gesamtinvestitionen von über 10 Milliarden kanadischen Dollar. Laut Angaben des Entwicklers handelt es sich um die größte privat finanzierte Investition in der Geschichte der Provinz Nova Scotia.

Davon entfallen über 8 Milliarden kanadische Dollar direkt auf den Campus sowie 2 Milliarden kanadische Dollar auf ein Windportfolio aus vier Projekten: Bear Lake, Windy Ridge, Kmtnuk und Upper Afton.

Die Inbetriebnahme der ersten 95-Megawatt-Anlage peilt EverWind Fuels für Ende 2027 an. Für 2028 ist eine Erweiterung um 325 Megawatt auf eine Gesamtkapazität von 420 Megawatt vorgesehen. Dieser Ausbau steht allerdings unter dem Vorbehalt kommerzieller, technischer und regulatorischer Bedingungen sowie anstehender Systemstudien und behördlicher Genehmigungen.

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Da die Windparks bei der Eröffnung noch nicht fertiggestellt sein werden, soll der Campus zunächst über die bestehende Strominfrastruktur versorgt werden. Nova Scotias unabhängiger Energiesystembetreiber prüft derzeit den Netzanschluss; die benötigte Kapazität für das Rechenzentrum ist noch nicht offiziell bestätigt.

Wirtschaftliche Projektionen und offene Fragen

EverWind Fuels rechnet mit der Schaffung von rund 2.000 Bauarbeitsplätzen sowie 215 dauerhaften Stellen im laufenden Betrieb. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Davis Pier bringt die Bauphase einen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von rund 2 Milliarden kanadischen Dollar, gefolgt von jährlich etwa 137 Millionen kanadischen Dollar im Vollbetrieb.

Zudem werden über 20 Jahre hinweg rund 1,5 Milliarden kanadische Dollar an Körperschaftssteuern und über 400 Millionen kanadische Dollar an kommunalen Steuern prognostiziert. Parallel dazu verhandelt die Membertou Development Corporation gemeinsam mit einem Mi'kmaw-Konsortium über eine neunprozentige Eigenkapitalbeteiligung an dem Vorhaben.

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Premier Tim Houston bezeichnete die Pläne als eine starke Vertrauensbekundung in die Provinz. Auf Seiten von Anthropic sicherte Jacob Glick, Leiter der öffentlichen Politik in Kanada, zu, Stromzahler und Wasserressourcen zu schützen.

Laut einem Bericht liegt die geplante Wasserentnahme aus dem Landry Lake bei rund 500.000 Litern pro Tag, was rund 1,5 Prozent des täglichen Entnahmelimits entspricht. EverWind beziffert den Bedarf auf schätzungsweise 100.000 Liter täglich in der ersten Phase und 500.000 Liter bei Vollausbau, bei einer sicheren Entnahmemenge von rund 34 Millionen Litern pro Tag.

Anthropic investierte im Vorjahr 7,33 Milliarden US-Dollar in Computing und Infrastruktur, was etwa einer Verdreifachung gegenüber 2024 entspricht. Während das Unternehmen einen US-Börsengang mit einer potenziellen Bewertung von über 2 Billionen US-Dollar vorbereitet, forderte der New Yorker Stadtrechnungsprüfer Mark Levine am 17. Oktober einen Aufschub des Börsengangs aufgrund von Sicherheits- und Führungsbedenken.

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