Anthropic-Fonds: Fünf Prozent der Aktien sollen Arbeitsmarktfolgen abfedern
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 03:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic plant die Gründung eines eigenen Stiftungsfonds zur Abfederung von Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt. Vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre sollen fünf Prozent der Unternehmensaktien in den neu geschaffenen Anthropic Public Benefit Fund eingebracht werden. Ziel des Schritts ist es, gesellschaftliche Folgen der fortschreitenden Automatisierung und KI-Entwicklung gezielt zu adressieren.
Bei einer Unternehmensbewertung von zuletzt rund 960 Milliarden US-Dollar mit Stand aus dem Mai entspricht das avisierte Aktienpaket einem rechnerischen Gegenwert von rund 48 Milliarden US-Dollar. Nach Ermessen des Boards können künftig je 50 Prozent Wertzuwachs über eine festgelegte Basislinie zusätzlich zwei Prozent der Aktien an den Fonds übertragen werden.
Struktur und geplante Mittelverwendung
Rechtlich wird der Fonds als eine zu 100 Prozent von Anthropic gehaltene LLC aufgesetzt und nicht als steuerbefreite gemeinnützige Organisation nach 501(c)(3). Festgelegt ist zudem, dass keine Mittel des Vehikels für Lobbyarbeit oder politische Spenden in den Vereinigten Staaten oder im Ausland verwendet werden dürfen.
Vorgesehen sind unter anderem Großspenden an Non-Profit-Organisationen sowie Direktzahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen. Für Initiativen im Bereich des Arbeitsmarkts hat Anthropic bereits 200 Millionen US-Dollar zugesagt.
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Zusammen mit einer 80-prozentigen Spendenzusage der Mitgründer bezüglich ihrer persönlichen Anteile sowie Programmen zum Mitarbeiter-Matching sollen insgesamt rund 20 Prozent der Anthropic-Aktien für Gemeinwohlzwecke gebündelt werden. Weitere Details zur Governance-Struktur und den genauen Bewertungsschwellen sollen in den kommenden Monaten folgen.
Gleichzeitig verringert die feste Aktienbindung an den Fonds den Anteil der Mittel, die künftig für traditionelle Aktionärsrenditen zur Verfügung stehen. Die genaue finanzielle Tragweite gilt Marktbeobachtern zufolge noch als unklar, da sie maßgeblich von der künftigen Unternehmensbewertung und den tatsächlichen Fondsausgaben abhängen wird.
Weichenstellung vor anstehendem Rekord-Börsengang
Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund eines geplanten Börsengangs. Das als Public Benefit Corporation aufgestellte Unternehmen bereitet das potenziell größte IPO der Wirtschaftsgeschichte vor, bei dem eine Bewertung von über 2 Billionen US-Dollar angestrebt wird. Das formale Marketing könnte Berichten zufolge ab der Woche des 9. November anlaufen, ein Handelsstart wird noch vor Thanksgiving angestrebt.
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In einem Pre-IPO-Treffen mit Investoren legte Anthropic jüngst Geschäftszahlen vor: Im dritten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen demnach einen Umsatz von 16,8 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht und das gesamte Vorjahr 2025 übertrifft. Nach 4,7 Milliarden US-Dollar im ersten und 11,6 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2026 wuchs das Geschäft damit kontinuierlich an.
Auf bereinigter Basis wies Anthropic im dritten Quartal 2026 Profitabilität aus, bei einer bereinigten Bruttomarge von rund 85 Prozent. Laut CNBC erlöste das Unternehmen zuletzt 1,70 US-Dollar je investiertem US-Dollar an Compute-Ausgaben.
An den Kapitalmärkten stoßen die Kennzahlen allerdings auch auf Skepsis, da sie bislang auf Angaben aus einem privaten Investorentreffen basieren, noch kein offizieller Wertpapierprospekt vorliegt und bereinigte Kennziffern substanzielle Großkosten ausklammern.
