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Anthropic 965 Mrd. Dollar: KI-Entwickler überholt OpenAI

30.05.2026 - 05:16:16 | boerse-global.de

Anthropic erreicht mit 965 Mrd. Dollar Bewertung die Spitze, während die EU mit dem Chips Act 2.0 gegensteuert.

Anthropic 965 Mrd. Dollar: KI-Entwickler überholt OpenAI - Foto: über boerse-global.de
Anthropic 965 Mrd. Dollar: KI-Entwickler überholt OpenAI - Foto: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission verschärft ihre Gespräche mit US-Behörden über den Zugang zu modernsten KI-Modellen – während der Wettlauf um die künstliche Intelligenz eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Auslöser ist eine Rekordbewertung des KI-Entwicklers Anthropic, der seinen Rivalen OpenAI überholt hat. Für Europa geht es um nichts weniger als die technologische Souveränität.

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Anthropic jagt die Billionen-Marke

Am 29. Mai 2026 gab Anthropic eine Finanzierungsrunde der Serie H über 65 Milliarden US-Dollar (rund 60 Milliarden Euro) bekannt. Damit steigt die Bewertung des Unternehmens auf 965 Milliarden US-Dollar – fast das Dreifache der 380 Milliarden Dollar vom Februar dieses Jahres. Angeführt wurde die Runde von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital. Allein die Hyperscaler-Cloud-Anbieter steuerten 15 Milliarden Dollar bei, darunter fünf Milliarden von Amazon.

Der jährliche Umsatz von Anthropic liegt mittlerweile bei 47 Milliarden Dollar. Haupttreiber ist die Unternehmensplattform Claude, die von tausenden Firmen genutzt wird. Mehr als 1.000 Kunden geben jeweils über eine Million Dollar pro Jahr aus. Damit hat Anthropic OpenAI überholt, das im März 2026 noch mit 852 Milliarden Dollar bewertet wurde – trotz einer 122-Milliarden-Finanzierungsrunde im April. OpenAI kann zwar auf über 900 Millionen wöchentliche Nutzer verweisen, doch Anthropic wächst gezielt im profitablen Unternehmenssektor.

Am 28. Mai brachte Anthropic zudem sein neues Modell Claude Opus 4.8 auf den Markt. Der technische Wettstreit zwischen den führenden KI-Laboren im Silicon Valley wird damit noch intensiver.

Streit um das Mythos-Sicherheitsmodell

Die Europäische Kommission hat noch im Mai Unterhändler nach San Francisco geschickt. Ihr Ziel: Zugang zu Anthropics Sicherheitsmodell "Mythos" aushandeln. Das System ist zum Zankapfel zwischen Brüssel und Washington geworden. Während die EU den Zugang braucht, um die Anforderungen des EU AI Act zu erfüllen – der im August 2026 neue Durchsetzungsbefugnisse erhält –, hat die US-Regierung die Verbreitung des Modells aus nationalen Sicherheitserwägungen eingeschränkt.

Das Weiße Haus lehnte Berichten zufolge einen Vorschlag ab, den Mythos-Zugang auf rund 70 weitere Organisationen auszuweiten. Anthropic selbst untersucht derzeit Berichte über unbefugte Zugriffe Dritter auf das Modell. CEO Dario Amodei warnte kürzlich, westliche Entwickler hätten nur ein Zeitfenster von sechs bis zwölf Monaten, um kritische Sicherheitslücken zu schließen – bevor chinesische KI-Fähigkeiten gleichziehen.

Als Reaktion auf die Blockade hat OpenAI den europäischen Behörden ChatGPT 5.5 als Alternative für regulatorische Tests angeboten. Ob das Angebot ausreicht, ist fraglich.

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Chips Act 2.0: Europas Antwort auf die US-Dominanz

Amerikanische Unternehmen kontrollieren derzeit rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Die Abhängigkeit ist enorm. Die EU-Kommission will gegensteuern: Am 29. Mai wurde der Chips Act 2.0 angekündigt. Das Gesetzespaket soll bis 2035 insgesamt 120 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen mobilisieren.

Schwerpunkt ist der Aufbau eigener Kapazitäten für Halbleiter unter zehn Nanometern – die Grundlage für KI, Verteidigung und Hochleistungsrechnen. Geplant ist unter anderem eine 30-Milliarden-Euro-Fabrik für 3-Nanometer-Chips. Die Kommission will strategische Projekte künftig als "EU-only" kennzeichnen können, um Abhängigkeiten von den USA und China zu reduzieren.

Europäische KI-Player im Aufwind

Trotz der Dominanz amerikanischer Konzerne wächst auch die europäische KI-Industrie. Das französische Unternehmen Mistral AI kündigte die Plattform "Vibe" an – ein agentenbasiertes System – sowie "Mistral for Industrial Engineering". Nach der Übernahme von Emmi integriert Mistral nun physikbasierte KI in seine Angebote. Partnerschaften mit BMW, Airbus und ASML zeigen die industrielle Schlagkraft.

Mistral investiert zudem vier Milliarden Euro in Rechenzentren in Frankreich und Schweden. Ziel ist eine Kapazität von einem Gigawatt bis 2030.

Sicherheitsrisiko Abhängigkeit

Eine Studie des European Council on Foreign Relations vom Mai 2026 schlägt Alarm: Europa bleibe gefährlich abhängig von externer Infrastruktur. 58 Prozent der europäischen Waffenimporte zwischen 2021 und 2025 kamen aus den USA. Die Autoren fordern, Navigation, Konnektivität und Verteidigungs-Clouds als öffentliche Güter zu behandeln.

Ein Vorfall vom März 2026 unterstreicht die Dringlichkeit: Iranische Drohnen attackierten damals Rechenzentren im Nahen Osten. Die Verwundbarkeit kritischer digitaler Infrastruktur ist kein theoretisches Szenario mehr.

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