Anlagebetrüger: 69 Festnahmen in Hongkong, 23 Mio. Euro Schaden
23.06.2026 - 19:48:11 | boerse-global.de
Betrugsmaschen werden immer raffinierter – von falschen Börsengängen bis zur QR-Code-Falle.
Die Finanzaufsichtsbehörden aus Südkorea, Großbritannien und Südafrika haben am heutigen Dienstag gleichzeitig vor einer neuen Welle professionell inszenierter Anlagebetrügereien gewarnt. Auch die Polizei in Deutschland und Hongkong meldet massive Ermittlungserfolge und Festnahmen. Die Bandbreite der betrügerischen Methoden reicht von gefälschten Aktienangeboten über den Identitätsdiebstahl von Amtspersonen bis hin zu sogenannten „Quishing"-Angriffen per QR-Code.
Asiatische und europäische Behörden warnen vor Zeichnungsbetrug
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Südkoreas Finanzaufsicht (FSS) warnte Anleger eindringlich vor Angeboten, die das Drei- bis Fünffache der Investition bei nicht börsennotierten Aktien oder IPO-Zeichnungen versprechen. Die Behörde identifizierte Fälle, in denen Beratungsfirmen illegal Gelder einsammelten oder mit gefälschten Dokumenten fingierte Zuteilungen bei Börsengängen behaupteten. Ein Bewohner der Provinz Gyeonggi-do überwies umgerechnet rund 7.000 Euro, nachdem ihn ein angeblicher Wertpapierberater kontaktiert hatte. Die FSS kündigte für die zweite Jahreshälfte 2026 gezielte Prüfungen an.
In Großbritannien stufte die Finanzaufsicht FCA die Plattform „Pocket Trading EXP" als nicht autorisiertes Unternehmen ein. Kunden dieser Plattform haben keinen Zugang zum Finanz-Ombudsmann und genießen keinen Schutz durch das britische Entschädigungssystem.
Die Bonner Polizei warnte ebenfalls am Dienstag vor Cybertrading-Betrug. Die Ermittler stellten fest, dass Täter häufig über soziale Medien mit Ersteinlagen zwischen 250 und 500 Euro ködern. Anschließend täuschen sie hohe Gewinne vor, verweigern aber sämtliche Auszahlungsversuche. Die Polizei rät, behördliche Datenbanken zu konsultieren, keine sensiblen Daten preiszugeben und Fremden keinen Fernzugriff auf Endgeräte zu gewähren.
Großrazzia in Hongkong: 69 Festnahmen
Eine gemeinsame Aktion der Polizei von Hongkong und dem chinesischen Festland führte am Dienstag zur Festnahme von 69 Personen, die einem Anlagebetrugsring mit einem Schaden von umgerechnet über 23 Millionen Euro zugeordnet werden. Die Behörden identifizierten 173 Geschädigte – darunter ein Opfer, das über eine betrügerische Kryptowährungs-App umgerechnet rund 1,15 Millionen Euro verlor. Die Polizei kategorisierte die kriminellen Methoden in drei Kategorien: gefälschte Plattformen, „Pump-and-Dump"-Manipulationen in sozialen Medien sowie Romance Scams.
Die US-Börsenaufsicht SEC erhob am Montag Anklage gegen zwei Firmen aus Georgia, Reign Financial International und Berone Capital. Die Behörde wirft den Unternehmen vor, 26 Millionen Euro von 31 Investoren für angebliche Hochzinsprogramme eingesammelt, die Gelder aber für private Ausgaben und Ponzi-ähnliche Zahlungen verwendet zu haben.
In weiteren Fällen meldeten Strafverfolgungsbehörden beträchtliche Verluste:
- In Indien verlor ein Einwohner von Ahmedabad umgerechnet rund 21.000 Euro über die Plattform WinProFX, die angeblich über 193.000 Nutzer in mehr als 100 Ländern hatte.
- Die Polizei im indischen Arunachal Pradesh nahm am Samstag einen Mann fest, der einen Geschäftsmann mit gefälschten Dokumenten und der Identität eines Regierungsbeamten auf WhatsApp um umgerechnet rund 3,8 Millionen Euro betrogen haben soll.
- In North Carolina verlor ein Einwohner von Fuquay-Varina über 680.000 Euro durch einen Krypto-„Pig-Butchering"-Scam.
Identitätsdiebstahl und Quishing: Die neuen Gefahren
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Südafrikas Finanzaufsicht FSCA gab eine dringende Warnung vor einem sogenannten Cloning-Betrug heraus. Kriminelle geben sich als die Behörde selbst und ihren Kommissar Unathi Kamlana aus. Mit gefälschten E-Mails fordern sie Vorauszahlungen für die Freigabe von Geldern. Die FSCA betonte, dass sie niemals Zahlungen von Bürgern verlange.
Die deutsche Polizei meldete in den vergangenen Tagen ebenfalls hohe Einzelschäden. Ein 59-Jähriger aus Altenburg erstattete am Montag Anzeige wegen eines Verlusts von rund 250.000 Euro. Er hatte seit Februar 2025 in eine Plattform namens „YUM" investiert. In Zwickau verlor ein Opfer im Juni 2026 insgesamt 219.000 Euro an einen falschen Berater, den es erstmals im März 2026 kontaktiert hatte.
Besonders tückisch: die Masche des „Quishing", also des Betrugs über QR-Codes. Ein Bewohner von Sankt Augustin verlor am Montag rund 1.500 Euro, nachdem er einen QR-Code von einem gefälschten Online-Portal gescannt und seine Bankdaten per Fingerabdruck bestätigt hatte. In Bielefeld wurde ein Senior am Samstag von einem angeblichen Bankmitarbeiter und einem falschen Polizisten hereingelegt. Die Täter behaupteten, das Opfer habe Falschgeld abgehoben, und sammelten anschließend Bargeld und Bankkarte ein.
