Angsttherapie: Kognitive Verhaltenstherapie gilt als Mittel der ersten Wahl
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Auseinandersetzung mit menschlichen Ängsten – von existenziellen Sorgen vor dem Tod über soziale Phobien bis hin zur Anfälligkeit für manipulative Gruppierungen in Krisenzeiten – steht im Zentrum zahlreicher fachlicher Analysen. Aktuelle Auswertungen zeigen verschiedene Ansätze auf, wie psychische Belastungen verarbeitet und Resilienzen gestärkt werden können.
Konfrontation mit der Endlichkeit und Entlastung im Sterbeprozess
Ein zentraler Aspekt der Angstbewältigung betrifft die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit. In einem Gastbeitrag für „Christ & Welt“ in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ legte der 81-jährige Benediktinermönch Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzach dar, dass eine tägliche Erinnerung an die Sterblichkeit Ängste mindern und Maßstäbe neu ordnen könne.
Grün kritisierte Bestrebungen, den Tod durch Longevity-Konzepte überwinden zu wollen, und deutete das Lebensende als radikales Loslassen sowie Vollendung. Dabei bezog er sich auf philosophische Gedanken wie das Konzept des Seins zum Tode von Martin Heidegger sowie Überlegungen Senecas.
Parallel zu philosophisch-theologischen Perspektiven setzen praktische Initiativen auf Enttabuisierung. Die Organisation „Letzte Hilfe Deutschland“, deren erstes Kursangebot 2015 in Schleswig startete und auf eine Idee des Palliativ- und Notfallmediziners Georg Bollig zurückgeht, zählt mittlerweile 6.000 Kursleitende bundesweit und bietet Angebote in fast 20 Ländern an.
In vierstündigen Kursen vermitteln Fachkräfte Wissen zur Sterbebegleitung. Kursleiterinnen aus Trier verwiesen in diesem Kontext darauf, dass durch Angebote wie die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) ein Verbleiben im häuslichen Umfeld rund um die Uhr medizinisch und pflegerisch begleitet werden könne.
Ursachen und Therapien sozialer Ängste
Neben existenziellen Befürchtungen belasten Leistungs- und Interaktionsängste zahlreiche Menschen. Andreas Ströhle, leitender Oberarzt an der Spezialambulanz für Angsterkrankungen der Charité Berlin, beschreibt die soziale Phobie als Angstreaktion in Leistungs- und Sozialkontakten, die mit Symptomen wie beschleunigtem Puls, Schwitzen oder Atemnot einhergeht. Als eigentliches Kernproblem gelte dabei das Vermeidungsverhalten der Betroffenen.
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Nach Angaben der Deutschen Angst-Hilfe ist die Kognitive Verhaltenstherapie das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung. Antidepressiva könnten schneller wirken, während Beruhigungsmittel aufgrund ihres Abhängigkeitspotenzials vermieden werden sollten. Zudem zeigten sich die Metakognitive Therapie bei generalisierten Angststörungen sowie körperliche Betätigung als wirksam.
Auf schulischer Ebene reagieren Institutionen auf zunehmenden Rückzug. So erarbeitete die Italienische Bildungsdirektion gemeinsam mit dem Dienst für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie einen Leitfaden für Lehrkräfte.
Primarin Donatella Archangeli erklärte dazu, Ziel sei die Förderung eines angstfreien Klimas im Unterricht sowie das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen, um Schulabbrüchen durch individuelle Vereinbarungen und Bildungspläne vorzubeugen.
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Krisensituationen und die Anfälligkeit für Gemeinschaften
Ein weiterer Bereich betrifft die psychologische Dynamik in Umbruchphasen wie Studienbeginn, Trennungen, Jobverlust oder Trauer. Diese Lebensphasen erhöhen die sogenannte strukturelle Verfügbarkeit für problematische Gemeinschaften.
Bereits ein Bericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu sogenannten Sekten und Psychogruppen aus dem Jahr 1998 hielt fest, dass beitretende Personen keine rein passiven Opfer seien, sondern das Konzept einer subjektiven Passung greife.
Untersuchungen der Religionssoziologin Eileen Barker zur Mun-Bewegung aus den späten 1970er Jahren belegen zugleich eine hohe Fluktuation: Von den Teilnehmern zweitägiger Einführungsworkshops blieben weniger als ein Viertel länger als eine Woche; nach einem Jahr waren noch rund fünf Prozent aktiv.
Zur Rekrutierung setzen bestimmte Gruppen weiterhin auf gezielte Instrumente, wie den 200 Fragen umfassenden Test „Oxford Capacity Analysis“ von Scientology, der entgegen der Namensgebung in keiner Verbindung zur Universität Oxford steht.
