Angststörungen, Forscher

Angststörungen: Forscher identifizieren 74 Gene, 39 davon neu

11.06.2026 - 02:31:35 | boerse-global.de

74 Genorte für Angst entdeckt, gezielte Hirnstimulation und neue Medikamente zeigen Erfolge. Smartphone-Apps erkennen Gedächtnisverlust früher.

Psychische Erkrankungen: Neue Genfunde und Therapien revolutionieren Behandlung
Angststörungen - Abstrakte Darstellung von Gehirnaktivität und genetischem Code, die sich überlappen. Leuchtende neuronale Pfade verbinden sich mit DNA-Strängen. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Große Genstudien, gezielte Hirnstimulation und neue Wirkstoffkombinationen verändern die Behandlung psychischer Erkrankungen. Gleichzeitig helfen Smartphone-Apps, Gedächtnisveränderungen früher zu erkennen.

Die genetische Basis von Angst und Neurotizismus

Ein internationales Forscherteam hat 74 Genorte identifiziert, die mit Angstsymptomen zusammenhängen. 39 davon waren bisher unbekannt. Die Studie, veröffentlicht in „Nature Human Behaviour“, analysierte Daten von knapp 700.000 Menschen europäischer Abstammung.

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Die Genetik erklärt etwa sechs Prozent der Unterschiede in der Symptomatik. Besonders die Gene PCLO und SORCS3 spielen eine Rolle. Die Forscher fanden zudem starke genetische Überschneidungen zwischen Angst und anderen Erkrankungen – darunter Depressionen, Reizdarmsyndrom, chronische Schmerzen und Migräne.

Eine zweite Analyse identifizierte Neurotizismus als zentrale Komponente einer allgemeinen genetischen Anfälligkeit für psychische Störungen. Das legt nahe: Viele Erkrankungen teilen sich eine gemeinsame genetische Basis.

Gezielte Hirnstimulation gegen Angst

Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) wirkt offenbar besser, wenn sie präzise platziert wird. Eine Studie des Harvard-Brigham and Women’s Hospital mit 36 Patienten zeigte: Die Stimulation des dorsomedialen präfrontalen Kortex verbessert Angstsymptome signifikant. Die klassische Stimulation des dorsolateralen Bereichs half dagegen nur gegen depressive Symptome.

Parallel dazu testen Forscher der Stanford University eine neue Medikamentenkombination gegen akute Suizidalität. Eine einmalige Ketamin-Infusion plus niedrig dosiertes Buprenorphin über vier Wochen reduzierte suizidale Gedanken deutlich länger als Ketamin allein. Die Studie umfasste 50 Patienten mit schwerer Depression. Entzugssymptome traten nicht auf.

Neue Hoffnung bei therapieresistenter Depression

Die Charité Berlin startet eine großangelegte Studie zum Hormon DHEA. Das mit 2,3 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt prüft, ob DHEA zusätzlich zur Standardmedikation die Symptome verbessert. Neun deutsche Zentren sind beteiligt.

Weitere Ansätze in der Pipeline: Antikörper wie Tocilizumab und psilocybinbasierte Therapien. Erste Pilotstudien zeigten vielversprechende Ergebnisse.

Früherkennung von Psychosen

Bei Jugendlichen mit erhöhtem Psychoserisiko fällt ein bestimmtes Verhaltensmuster auf: Sie zeigen ein reduziertes „Win-Stay-Verhalten“ – sie wiederholen also seltener erfolgreiche Handlungen. Das korreliert mit niedrigerer Intelligenz und einem höheren Risiko, tatsächlich eine Psychose zu entwickeln. Die Studie untersuchte 292 Jugendliche und erschien in „Translational Psychiatry“.

Smartphone-Tests erkennen Gedächtnisverlust früher

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) hat die Effektivität von App-basierten Gedächtnistests belegt. Bei 202 Teilnehmern erfassten regelmäßige Smartphone-Tests über sieben bis zwölf Monate subtile kognitive Veränderungen schneller als klassische klinische Verfahren.

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Infrastruktur für die Forschung der Zukunft

In München wurde ein neues Zentrum für Diagnostik und translationale Forschung eröffnet. Der 36 Millionen Euro teure Neubau am Max von Pettenkofer-Institut soll wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis überführen.

An der Medizinischen Hochschule Hannover forscht ein EU-Projekt ab September an der effizienteren Herstellung patienteneigener Herzzellen. Das könnte langfristig auch die Behandlung systemischer Folgen psychischer Erkrankungen unterstützen.

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