Angehörigenpflege: 33 Prozent der Pflegenden erkranken im Verlauf selbst
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychische Belastungen stellen das Gesundheitswesen und die Arbeitswelt vor wachsende Herausforderungen. Wie wichtig eine frühzeitige Sensibilisierung und der Abbau von Gesprächsbarrieren sind, verdeutlichte die regionale Netzwerkveranstaltung „Minds ON #Health“ im Wuppertaler Soulspace.
Im Zentrum des fachlichen Austauschs stand die Notwendigkeit, Prävention deutlich zu stärken und eine offenere Kommunikation über seelische Belastungen zu etablieren.
Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Schutzräume für Jugendliche
Seelische Leiden entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Problem im Arbeitsleben. Nach Angaben aus dem Umfeld der Wuppertaler Fachtagung stellen psychische Erkrankungen mittlerweile die häufigste Ursache für längere Phasen von Arbeitsunfähigkeit dar. Um Betroffene nicht erst im akuten Krisenfall zu erreichen, gewinnen niedrigschwellige Beratungs- und Hilfsstrukturen an Bedeutung.
Ein konkreter Ansatzpunkt liegt in der frühen Unterstützung junger Menschen beim Übergang in das Berufsleben. Der Veranstaltungsort Soulspace wurde 2024 von der Schulsozialarbeiterin Jana Kortwig gegründet und fungiert als geschützter Raum für Jugendliche. Um auch den Belastungen im Berufsalltag frühzeitig entgegenzuwirken, kündigte die Einrichtung an, ihr Spektrum bis Ende 2026 um ein spezifisches Angebot für Auszubildende zu erweitern.
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Belastungsfaktor Angehörigenpflege im Unternehmensalltag
Neben berufsbedingtem Stress belasten oft auch private Verpflichtungen die psychische Stabilität von Beschäftigten. Welche konkreten Auswirkungen insbesondere die Pflege Angehöriger auf Arbeitnehmer und Betriebe hat, erläuterte Iris Bovenkamp von der HUEHOCO Group im Rahmen des Netzwerktreffens. Demnach liegt die durchschnittliche Pflegedauer von Angehörigen bei 7 bis 10 Jahren.
Die langanhaltende Doppelbelastung zieht erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Konsequenzen nach sich:
- Rund 33 Prozent der pflegenden Angehörigen erkranken im Verlauf selbst.
- Etwa 25 Prozent der Betroffenen geben ihre reguläre Erwerbstätigkeit auf.
- Den Unternehmen gehen hierdurch jährlich rund 2 Millionen Mitarbeitende durch Angehörigenpflege verloren.
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Betriebliche Ersthilfe und externe Unterstützung
Um den Ausfällen entgegenzuwirken und Betroffene rechtzeitig aufzufangen, setzen Arbeitgeber zunehmend auf interne Lotsenprogramme. Bei der HUEHOCO Group wurden bereits betriebsinterne Pflege-Coaches sowie mentale Ersthelfer ausgebildet, die als erste Ansprechpersonen innerhalb der Belegschaft dienen. Zudem arbeitet das Unternehmen mit dem externen Dienstleister Viva Familienservice zusammen, um strukturierte Hilfen bereitzustellen.
Die Erfahrungen zeigen, dass betriebliche Maßnahmen und ein offener Umgang mit psychischen Belastungen wesentliche Hebel sind, um langfristigen Erkrankungen vorzubeugen. Der Ausbau von internen Netzwerken, kombiniert mit zielgruppenspezifischen Anlaufstellen für junge Berufseinsteiger, gilt dabei als entscheidender Schritt für eine nachhaltige Gesundheitsvorsorge.
