Android-Spiele im Check: Bis zu 36 Tracker greifen Nutzerdaten ab
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 01:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schweizer Datenschutz- und Sicherheitsdienstleister Proton schlägt Alarm wegen weit verbreiteter Überwachungsmechanismen in mobilen Videospielen. Wie das Unternehmen in einem Bericht vom 30. September 2026 mitteilt, enthalten zahlreiche kostenlose mobile Spiele Tracker, die sensible Daten der Nutzerschaft an spezialisierte Werbetechnologie-Unternehmen übermitteln.
Die Erkenntnisse basieren auf einer gemeinsamen Untersuchung von Proton und der Analyseplattform Exodus Privacy. Dabei wurden die jeweils 100 meistgeladenen kostenlosen Android-Spiele in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich analysiert. Zusammengenommen wurden diese Titel weltweit fast 20 Milliarden Mal heruntergeladen.
Dutzende Tracker erfassen persönliche Informationen
Die Untersuchung offenbart eine hohe Tracker-Dichte in den analysierten Anwendungen. Laut Proton enthalten die Spiele durchschnittlich 29 Tracker, einzelne Titel weisen sogar bis zu 36 integrierte Spionagewerkzeuge auf. Als Negativbeispiel mit 36 Trackern führt Proton das Spiel Vita Mahjong an. Die Module sind dazu in der Lage, verschiedenste Nutzerinformationen abzugreifen.
Dazu zählen unter anderem die individuelle Geräte-ID, das Nutzungsverhalten, Zahlungsdaten sowie Alters- und Geschlechtsangaben. Zudem sind einige Mechanismen darauf ausgelegt, genaue Standortdaten zu erfassen. Weltweit enthielten sieben der 100 populärsten Spiele entsprechende Standort-Tracker.
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Weltweite Datenströme nach China, Russland und in Five-Eyes-Staaten
Besondere Bedenken äußert Proton hinsichtlich der geografischen Verteilung der Firmen, an welche die erfassten Informationen übermittelt werden. Die Tracker weisen Verbindungen zu unterschiedlichen geopolitischen Regionen auf, darunter China, Russland, Israel sowie die Staaten der sogenannten Five-Eyes-Geheimdienstallianz.
In den USA entfielen im Mai 2026 von insgesamt rund 20 Millionen Downloads der Top-100-Spiele 15,8 Millionen auf Anwendungen mit China-Trackern und 13,7 Millionen auf Titel mit Russland-Trackern. 1,7 Millionen Downloads betrafen Spiele mit Standort-Trackern.
Bei den 100 US-Spielen wiesen 95 Tracker mit Bezug zu Israel, 81 zu China, 71 zu Russland und 98 zu Five-Eyes-Ländern auf. Insgesamt 70 Prozent der dort untersuchten Spiele standen mit Trackern aus allen vier Ländergruppen gleichzeitig in Verbindung.
In Deutschland verzeichneten die Top-Spiele im Mai 2026 insgesamt 3,9 Millionen Downloads. Davon entfielen 3,2 Millionen Downloads auf Spiele mit Tracker-Verbindungen nach China, 2,9 Millionen auf Spiele mit Russland-Trackern und 371.000 auf Anwendungen mit Standort-Trackern.
Prozentual waren in Deutschland bei 82 Prozent der Spiele China-Tracker, bei 69 Prozent Russland-Tracker, bei 91 Prozent Israel-Tracker und bei 97 Prozent Five-Eyes-Tracker integriert.
Ähnliche Muster zeigten sich in Großbritannien und Frankreich. In Frankreich wurden im Mai 2026 über 4 Millionen Downloads gezählt. Dabei waren 78 Prozent mit China-Trackern, 70 Prozent mit Russland-, 93 Prozent mit Israel- und 98 Prozent mit Five-Eyes-Trackern ausgestattet; 68 Prozent enthielten Tracker aus allen vier Gruppen.
In Großbritannien wurden im Mai 2026 bei 3,6 Millionen Downloads 3 Millionen Installationen von Spielen mit China- und 2,7 Millionen mit Russland-Trackern registriert. Zudem betrafen laut Proton 99 Prozent der britischen Downloads Spiele mit Five-Eyes-Trackern.
Über Großbritannien, Deutschland und Frankreich hinweg entfielen laut Proton 68 Prozent aller Downloads auf Spiele, die Tracker aus allen vier Gruppen bündelten. Im Mai 2026 wurden Spiele mit Standort-Trackern über 300.000 Mal in Großbritannien, über 370.000 Mal in Deutschland und über 330.000 Mal in Frankreich heruntergeladen.
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Handlungsempfehlungen für Verbraucher
Das Problem des Datenabflusses beschränkt sich laut Proton nicht allein auf den Gaming-Sektor. So wies das Unternehmen darauf hin, dass auch 85 Prozent der in den USA heruntergeladenen VPN-Apps Tracker enthielten.
Angesichts der Ergebnisse empfiehlt Proton Nutzerinnen und Nutzern den Einsatz von Tracker-Blockern oder den Wechsel zu kostenpflichtigen Spielen, die häufig auf werbefinanzierte Trackingmodule verzichten. Zudem sollten Anwender die vergebenen App-Berechtigungen auf ihren Mobilgeräten sorgfältig überprüfen und unnötige Zugriffsrechte konsequent verweigern.
