Android-Malware WindRelay: NFC-Diebstahl in 13 Minuten möglich
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 18:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten des Unternehmens Group-IB haben eine neue Malware-Kampagne für Android-Endgeräte identifiziert, die eine Kombination aus dem Trojaner SpyNote und einer neuen Komponente namens WindRelay nutzt. Diese Schadsoftware ermöglicht es Angreifern, NFC-Daten für kontaktlose Kartenzahlungen und Bargeldabhebungen in Echtzeit abzugreifen. Den Analysen zufolge könne ein kompletter Diebstahlvorgang während eines nur 13-minütigen Telefonats abgeschlossen werden.
Manipulation durch soziale Interaktion und Fernzugriff
Der Angriff basiert laut Group-IB primär auf sozialer Manipulation und nicht auf einer rein technischen Schwachstelle im Betriebssystem. Die Täter geben sich demnach als Bankmitarbeiter aus, um potenzielle Opfer zur Installation einer vermeintlich offiziellen, tatsächlich aber manipulierten SpyNote-App zu bewegen. Sobald die Anwendung installiert ist, erlangen die Angreifer Fernzugriff auf das Gerät und können Banking-Apps manipulieren.
Die integrierte WindRelay-Komponente dient dazu, die NFC-Daten des Smartphones in Echtzeit an die Angreifer weiterzuleiten. Dies erlaubt es den Tätern, mit den Identitätsdaten des Opfers Zahlungen an Verkaufsstellen vorzunehmen oder Bargeld an Geldautomaten abzuheben, während die Verbindung besteht. Zusätzlich beobachteten die Experten Fälle, in denen über die legitimen Banking-Apps der Betroffenen unbefugt Kredite aufgenommen wurden.
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Ausbreitung und statistische Relevanz
Zwischen November 2025 und Juli 2026 identifizierte Group-IB insgesamt 23 Samples der WindRelay-Malware auf der Analyseplattform VirusTotal. Die aktuellen Angriffsziele liegen schwerpunktmäßig in Europa, insbesondere in Tschechien, der Slowakei und Slowenien. Insgesamt wurden 54 Varianten von Installationsdateien (APK) innerhalb eines umfassenderen NFC-Betrugs-Ökosystems ausgemacht, das auch Regionen außerhalb Europas, wie etwa Brasilien, betrifft.
Die Bedrohungslage durch NFC-basierte Angriffe auf Android-Systeme hat sich in den letzten Monaten deutlich verschärft. Laut Daten von Group-IB stiegen entsprechende Vorfälle im Zeitraum von Januar bis April 2026 um 188 %. Die aktuelle Kampagne weise zudem starke Ähnlichkeiten zu früheren Betrugsmustern wie NGate oder Ghost Tap auf. Dokumentierte Verluste durch derartige NFC-Betrugsfälle beliefen sich in einem Zeitraum von Ende 2024 bis August 2025 auf insgesamt über 355.000 US-Dollar.
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Empfehlungen zur Schadensbegrenzung
Da der Angriff auf der Täuschung der Nutzer beruht, ist derzeit kein technischer Software-Patch verfügbar, der die Kampagne unterbinden könnte. Experten raten dringend dazu, die Installation von Apps aus inoffiziellen Quellen (Sideloading) zu vermeiden. Nutzer sollten zudem regelmäßig die vergebenen Berechtigungen auf ihren Geräten prüfen, insbesondere im Hinblick auf die Bedienungshilfen (Accessibility Services) und die NFC-Schnittstelle.
Für Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen hat Group-IB spezifische Indikatoren einer Kompromittierung (IoCs) veröffentlicht. Dazu gehören die IP-Adressen 88.86.124.114, 185.100.87.116, 185.100.87.223 sowie 213.218.160.48, die im Zusammenhang mit der Infrastruktur der Angreifer stehen. Die Überwachung des Netzwerkverkehrs auf diese Adressen könne dabei helfen, Infektionen im geschäftlichen Umfeld frühzeitig zu erkennen.
