AMD, Weltweit

AMD: Weltweit 200 Millionen betroffen – bis 2040 steigt die Zahl auf 300

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund 200 Millionen Menschen sind weltweit betroffen; Fachleute betonen Vorsorge, frühzeitige Diagnose und zusätzliche Screening-Angebote.
Nahaufnahme einer menschlichen Netzhaut mit detaillierten Blutgefäßen und Makula in warmen Goldtönen. Illustration mit AI erstellt.

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) gilt als eine der Hauptursachen für schweren Sehverlust im fortgeschrittenen Alter. Fachleute und internationale Berichte heben hervor, dass eine frühzeitige Diagnose und systematische Vorsorgeuntersuchungen die entscheidenden Faktoren darstellen, um ein Fortschreiten der Erkrankung rechtzeitig zu bremsen und die Sehkraft Betroffener zu stabilisieren.

Weltweit leben nach Angaben von Prof. Trifon Rotsos von der Demokrit-Universität Thrakien derzeit rund 200 Millionen Menschen mit einer Makuladegeneration. Bis zum Jahr 2040 werde dieser Wert voraussichtlich auf 300 Millionen ansteigen.

In den Industrieländern sei die Erkrankung die häufigste Ursache für gesetzliche Blindheit: Betroffen seien demnach 10 bis 13 Prozent der über 60-Jährigen und fast 50 Prozent der Altersgruppe zwischen 80 und 85 Jahren. Ein Bericht unterstrich zudem, dass die AMD für rund 50 Prozent der Erblindungen bei Personen über 80 Jahren verantwortlich ist.

Symptome, Verlaufsformen und Risikofaktoren

Die Erkrankung der Netzhautmitte tritt in zwei primären Formen auf. Wie Prof. Dr. Hande Çeliker von der Biruni Üniversitesi erläutert, ist die trockene Form der AMD weitaus häufiger und verläuft langsam.

Die feuchte Form hingegen schreitet schneller voran und führt rascher zu Sehverlust. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen neben dem Lebensalter vor allem genetische Faktoren beziehungsweise eine familiäre Vorbelastung, das Rauchen sowie Umwelteinflüsse.

Frühe Warnsignale machen sich häufig im zentralen Gesichtsfeld bemerkbar. Prof. Dr. Çeliker verweist darauf, dass verzerrte oder wellige Linien, zentrale Unschärfen sowie das scheinbare Verschwinden einzelner Buchstaben typische Symptome darstellen.

Da das Gehirn Ausfälle oft lange kompensiert, empfehlen medizinische Berichte eine regelmäßige, einseitige Selbstkontrolle – etwa durch die getrennte Überprüfung jedes einzelnen Auges mittels des sogenannten Amsler-Gitters. Bei plötzlichen Veränderungen im zentralen Sehbereich sei eine umgehende augenärztliche Abklärung erforderlich.

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Diagnostische Verfahren und Behandlungsansätze

In der fachärztlichen Diagnostik bildet die optische Kohärenztomographie (OCT) ein zentrales Instrument zur Früherkennung. Für spezifische Fragestellungen, insbesondere zur Erkennung choroidaler Neovaskularisationen (CNV) bei der feuchten AMD sowie bei zentraler seröser Chorioretinopathie, kommt zudem die Indocyaningrün-Angiographie (ICG) zum Einsatz.

Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird über eine intravenöse Injektion ein jodhaltiger Farbstoff verabreicht, der über Nahinfrarot-Fluoreszenz die Aderhaut sichtbar macht und über die Leber ausgeschieden wird, wobei eine zeitweise Urinverfärbung harmlos bleibt.

Bei der feuchten Form zielt die Behandlung vor allem auf intravitreale Anti-VEGF-Injektionen ab. Laut Prof. Rotsos können die Behandlungsintervalle bei modernen Therapien bis zu vier Monate, in bestimmten Fällen bis zu 20 Wochen betragen.

Für die trockene AMD existiert bislang keine vergleichbare pharmakologische Standardtherapie; hier raten Mediziner zu präventiven Anpassungen wie einem konsequenten Rauchstopp, gesunder Ernährung, UV-Schutz, der Kontrolle von Blutdruck und Blutfettwerten sowie bei Bedarf gezielten Nahrungsergänzungen. Forschungsprojekte widmen sich gegenwärtig Gentherapien sowie KI-gestützten Heimtests.

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Versorgungskapazitäten und neue Screening-Modelle

Gleichzeitig stehen die Gesundheitssysteme vor logistischen Herausforderungen. Fachärzte betonten anlässlich des Weltsehtags in Madrid im Rahmen eines Servimedia-Dialogs, dass Fachabteilungen überlastet seien und Wartezeiten für Spezialbehandlungen eine erhebliche Hürde darstellten.

Juan Donate vom Hospital La Luz und Rosario Cobo Soriano vom Hospital Universitario del Henares bezeichneten die Prävention als ungelöste Aufgabe und forderten eine stärkere Verzahnung der Primärversorgung mit der Augenheilkunde.

Ana Belén Morejón von der spanischen Blindenorganisation ONCE verwies in diesem Zusammenhang auf genetische Studienprogramme in Kooperation mit spezialisierten Instituten wie der Fundación Jiménez Díaz und dem IMO.

Parallel dazu gewinnen dezentrale Screening-Modelle an Bedeutung. In der italienischen Stadt Bari organisierten APAM Onlus unter Dott. Vincenzo Lorusso, Consigliere Giuseppe Cascella und CUS-Präsident Antonio Prezioso gemeinsam mit der Augenklinik der Universitätsklinik Bari unter Prof. Giovanni Alessio sowie UICI Puglia am 17. Oktober 2026 kostenlose Vorsorgeuntersuchungen.

In der Slowakei erproben Optikerbetriebe ein kamera- und softwaregestütztes Screening: Funduskameras erfassen den Augenhintergrund, woraufhin eine künstliche Intelligenz Auffälligkeiten bezüglich AMD, diabetischer Retinopathie oder Glaukomen markiert und bei Bedarf an Fachärzte weiterleitet.

Begleitende Forschungen, darunter eine Arbeit koreanischer Wissenschaftler im Journal GeroScience, untersuchen zudem Zusammenhänge zwischen Netzhautveränderungen und biologischem Altern, wenngleich Mediziner wie Dr. Álvaro Fernández-Vega betonen, dass es sich dabei noch um statistische Assoziationen und nicht um klinisch einsetzbare Kausalitäten handelt.

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