AMD-Therapie: 84 Prozent der Patienten lesen nach Chip-Implantat wieder
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein neuartiges Netzhaut-Implantat erhält die CE-Kennzeichnung und soll bei fortgeschrittener trockener AMD die Sehkraft teilweise wiederherstellen. Die Technologie ersetzt zerstörte Photorezeptoren durch einen Mikrochip.
Photovoltaischer Chip ersetzt zerstörte Sinneszellen
Das System der Science Corporation basiert auf einem subretinalen Mikrochip mit einer Kantenlänge von zwei Millimetern. Er wird unter der Netzhaut platziert und enthält 378 Mikro-Solarzellen, die die Funktion der abgestorbenen Photorezeptoren übernehmen. Eine Brille mit integrierter Kamera erfasst das Sichtfeld und projiziert die Bilddaten per Infrarotstrahl auf den Chip. Dieser wandelt das Licht in elektrische Impulse um, die die verbliebenen Nervenzellen stimulieren. Das natürliche periphere Sehen bleibt dabei erhalten, nur das zentrale Sehvermögen wird technologisch unterstützt.
Grundlage der Zulassung in 33 europäischen Ländern sind klinische Daten aus der PRIMAvera-Studie. Daran nahmen 38 Patienten in 17 spezialisierten Zentren teil – mit vielversprechenden Ergebnissen.
Deutliche Verbesserung der Sehschärfe
84 Prozent der Teilnehmer konnten nach dem Eingriff und einer Rehabilitationsphase wieder Buchstaben, Zahlen oder Wörter erkennen. Die Sehschärfe verbesserte sich im Schnitt um 25,5 Buchstaben auf der ETDRS-Skala. Rund 80 Prozent der Probanden zeigten eine substantielle Steigerung ihrer visuellen Fähigkeiten.
Für Menschen mit fortgeschrittener trockener AMD gibt es erstmals eine zugelassene Therapie, die Teile der Sehkraft zurückholen kann. Der neue Netzhaut-Chip half in der Studie 84 Prozent der Teilnehmer, wieder Buchstaben zu erkennen. Erfahren Sie in unserem Leitfaden, wie die Behandlung funktioniert und ob sie für Sie in Frage kommt. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Ganz ohne Risiken ist die Therapie allerdings nicht: Bei 19 von 39 Teilnehmern trat ein erhöhter Augeninnendruck auf, meist in den ersten zwei Monaten nach der Implantation. In Einzelfällen dokumentierten die Ärzte Netzhautablösungen oder Makulalöcher. Professor Frank Holz vom Universitätsklinikum Bonn spricht von einem Paradigmenwechsel in der Augenheilkunde, mahnt aber zugleich zu sorgfältiger Risikoabwägung.
Große Zielgruppe, hohe Kosten
Der Bedarf ist enorm: In Deutschland leiden rund 480.000 Menschen am Spätstadium der trockenen AMD, europaweit sind es mehrere Millionen. Die Behandlung kostet etwa 100.000 Euro – inklusive Implantat, chirurgischem Eingriff und Rehabilitation. Erste kommerzielle Angebote werden in Deutschland erwartet, wobei die Krankenkassen Erstattungsanträge im Einzelfall prüfen. Die Zulassung durch die US-amerikanische FDA steht noch aus.
Weitere Fortschritte in der Augenheilkunde
Die neue Chip-Therapie gegen trockene AMD kostet rund 100.000 Euro – doch Krankenkassen prüfen Erstattungsanträge im Einzelfall. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Schritte für eine Kostenübernahme nötig sind und wie Sie Ihre Chancen verbessern. Leitfaden zu Kosten & Erstattung jetzt sichern
Parallel zur Chip-Technologie gibt es andere Neuigkeiten: Lytenava erhielt im Juli die US-Zulassung als erste ophthalmische Bevacizumab-Formulierung gegen feuchte AMD. In China wurde Ende Juli eine Fertigspritzen-Variante des Antikörpers Vabysmo genehmigt, um die Behandlung für rund 50 Millionen Betroffene zu vereinfachen.
Auch die Gentherapie macht Fortschritte: Im Juni wurde der erste Patient mit einer Methode zur partiellen zellulären Reprogrammierung gegen Glaukom behandelt. Der Ansatz zielt darauf ab, beschädigte Ganglienzellen des Sehnervs genetisch zu verjüngen – allerdings befindet sich diese Forschung noch im frühen experimentellen Stadium.
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