Ambient Assisted Living: Sensoren und KI fördern Selbstständigkeit im Alter
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Nutzung technologischer Hilfsmittel zur Unterstützung eines autonomen Alltags im Alter gewinnt zunehmend an Bedeutung. Unter dem Fachbegriff Ambient Assisted Living (AAL) werden Systeme zusammengefasst, die mithilfe von Sensorik und künstlicher Intelligenz (KI) Wohnumgebungen sicherer gestalten.
Ein Beispiel für die praktische Anwendung dieser Technologie findet sich in Hamburg-Poppenbüttel, wo die 86-jährige Maria Stehn seit zwei Jahren im Rahmen des Projekts „GAiST“ verschiedene Sensoren in ihrer Seniorenwohnung nutzt.
Sensorik und präventive Überwachung im Wohnraum
Das Projekt „GAiST“ demonstriert, wie die Erfassung von Bewegungsprofilen und Türöffnungen zur Sicherheit beitragen kann. Ergänzt wird die Ausstattung durch spezialisierte Hitzesensoren am Herd sowie Sturzsensoren. Die NDR-Sendung „DAS!
Rote Sofa“ thematisierte diesen Einsatz smarter Wohnkonzepte bereits in einer Berichterstattung vom 18. Juli 2026. Ziel solcher Installationen ist es, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf frühzeitig zu erkennen und Notfälle zu vermeiden.
Experten wie der Zukunftsforscher Lars Thomsen weisen darauf hin, dass Gebäude der Zukunft zunehmend in der Lage sein werden, Bedürfnisse zu erkennen und aus dem Nutzerverhalten zu lernen. Neben der Unterstützung der Bewohner könne so auch der Energieverbrauch optimiert werden.
Ein wesentlicher ökonomischer Faktor ist zudem die Kostenstruktur: Fachberichten zufolge liegen die Investitionen für technische Assistenzsysteme deutlich unter den Kosten für einen stationären Heimplatz.
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Internationale Implementierung und kommunale Großprojekte
Großstädte wie Madrid und Rom setzen bereits auf umfangreiche technologische Programme. In Madrid nutzen 108.085 Personen eine intelligente Teleassistenz, die auf über 400.000 Geräten wie Bewegungsmeldern, Sturzsensoren und Geolokalisierungsuhren basiert. Die Stadt investierte hierfür 36,7 Millionen Euro und beschäftigt rund 450 Mitarbeiter für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung.
In Rom wird ein Programm mit einem Volumen von 400 Millionen Euro umgesetzt, bei dem Senioren wie die 85-jährige Dina Gazzella elektronische Armbänder tragen. Diese überwachen Vitalparameter wie die Herzfrequenz, das Schlafverhalten sowie Stürze. Trotz der technologischen Vorteile werden in diesem Kontext auch Datenschutzbedenken artikuliert, die unter anderem dazu führten, dass von ursprünglich 70 Teilnehmern einer Testgruppe 45 verblieben.
KI-gestützte Pflege und spezialisierte Assistenzsysteme
Im Bereich der stationären Pflege kündigte das Unternehmen LG Uplus die lösung „AI BuildingNet by ixi“ an. Diese vernetzt Sensoren, Kameras und Roboter, um IoT-Daten mittels KI zu analysieren. Ein Bestandteil ist die „Wellness Note“, die Gesundheitsdaten von Bewohnern auswertet, Warnsignale erkennt und Berichte automatisiert. Ein Pilotprojekt hierzu startete im „Sollache Home Misa“ von Shinhan Lifecare.
Auch die akademische Forschung liefert neue Ansätze. Studierende der Helwan Technological University entwickelten mit „WiSafe“ ein System, das Stürze allein über WLAN-Signale erkennt. Das System nutzt den ESP32-S3-Chip und erreicht laut Entwicklern eine hohe Präzision bei der Aktivitätsklassifikation.
Parallel dazu stellte Dr. Dietmar Jakob von der TH Deggendorf das Projekt „SOVIA“ vor, eine sprachbasierte KI, die durch tägliche Fragen die Erinnerungsfähigkeit älterer Menschen fördern soll.
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Sprachsteuerung und Robotik als Alltagshelfer
In der Praxis bewähren sich bereits einfache Sprachassistenten. Im Josefsheim Sundern nutzen Bewohner mit Behinderung, wie der 42-jährige Christian Kiko oder Simon Rose, entsprechende Systeme, um eigenständig zu backen oder Licht und Rollladen zu steuern. Die Sozialstiftung NRW erprobt diese assistiven Techniken derzeit in zehn Wohnheimen.
Die Entwicklung hochspezialisierter Pflege-Assistenzroboter steht hingegen noch vor Herausforderungen. Der Roboter „Garmi“ von der TU München kann zwar bereits Getränke bringen und pflegerische Aufgaben planen, ein marktreifer Durchbruch wird laut Alexander König von der TU München jedoch nicht vor 2036 erwartet.
Einen Einblick in bereits verfügbare Lösungen wie Exoskelette oder Kochroboter bietet unterdessen ein neu eröffnetes KI-Heimroboter-Erlebniszentrum in Qingdao, China.
Für Interessierte bieten Kommunen wie Wiesbaden Informationsveranstaltungen an. Am 11. September findet dort im Luisenforum ein Programm zu KI und digitaler Teilhabe statt, das interaktive Stationen für Senioren bereitstellt.
