Alzheimer: Smartphone-Tests erkennen Demenz schneller als Ärzte
12.06.2026 - 05:10:15 | boerse-global.de
Die Forschung zur Erhaltung der geistigen Fitness im Alter setzt auf eine Kombination aus Lichttherapie, Smartphone-Tests und neuen Medikamenten. Erste Ergebnisse aus dem Juni 2026 zeigen vielversprechende Ansätze.
Licht im Kopf: Photobiomodulation soll Zellen ankurbeln
Ein zentraler Hebel ist die Energieversorgung der Nervenzellen. Die Photobiomodulation (PBM) nutzt Nahinfrarotlicht mit Wellenlängen zwischen 810 und 850 Nanometern. Das Licht soll das Enzym Cytochrom-C-Oxidase in den Mitochondrien stimulieren und so die Produktion von ATP ankurbeln – dem primären Energieträger der Zellen.
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Fachleute untersuchen derzeit, ob sich PBM mit Neurofeedback kombinieren lässt. Die Idee: Während das Licht die zelluläre Grundlage verbessert, trainiert Neurofeedback gezielt die neuronale Plastizität. Erste Fortbildungen für Ärzte bereiten bereits auf den Einsatz dieser Technologien vor.
Smartphone statt Arztpraxis: Digitale Tests erkennen Demenz früher
Parallel dazu gewinnen digitale Diagnosewerkzeuge an Fahrt. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) veröffentlichte Mitte Juni eine Studie in der Fachzeitschrift npj digital medicine. 202 Probanden zwischen 52 und 85 Jahren testeten regelmäßig ihr Gedächtnis per App – 50 von ihnen hatten bereits eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI).
Das Ergebnis: Die Smartphone-Tests erfassten kognitive Veränderungen schneller und präziser als herkömmliche klinische Verfahren. Die über sieben bis zwölf Monate gesammelten Daten korrelierten signifikant mit Beobachtungen aus acht Jahren. Solche digitalen Biomarker könnten künftige Therapiestudien erheblich verkürzen, weil sie subtile Verschlechterungen frühzeitig im häuslichen Umfeld erkennen.
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Antikörper zeigen Langzeitwirkung – auch nach dem Absetzen
Auch die Pharmaforschung liefert neue Daten. Langzeitergebnisse zu Donanemab belegen: Der Wirkstoff verzögert den geistigen Abbau bei Alzheimer-Patienten im Frühstadium über drei Jahre. Bemerkenswert: Der Effekt hält selbst nach dem Absetzen des Medikaments an.
Ähnlich wirkt der bereits zugelassene Antikörper Lecanemab. Laut klinischen Studien verlangsamt er den kognitiven Verfall um 27 Prozent. Allerdings birgt er Risiken: Hirnschwellungen oder Mikroblutungen (ARIA) können als Nebenwirkung auftreten.
Einen völlig neuen Ansatz verfolgen Forscher der ETH Zürich. Sie stellten im Juni die Substanz „Compound 10“ vor. In Mausversuchen verhinderte die Chemikalie die Verklumpung des Enzyms GRK2. Die Folge: weniger Beta-Amyloid-Ablagerungen und geschützte Mitochondrien der Nervenzellen. Für die Weiterentwicklung zum Medikament suchen die Wissenschaftler nun Industriepartner.
Blutdruck und Vitamin C: Zwei unterschätzte Faktoren
Neben High-Tech und Medikamenten rücken einfache Risikofaktoren in den Fokus. Eine Auswertung von Daten der UK Biobank und der „All of Us“-Kohorte mit rund 800.000 Teilnehmern zeigt: Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist stark mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden. Betroffene hatten ein zwei- bis dreifach höheres Risiko als Menschen mit normalen Werten – bei bestimmten Bevölkerungsgruppen war der Zusammenhang besonders ausgeprägt.
Auch Vitamin C spielt eine Rolle. Eine Querschnittsstudie mit über 2.000 Teilnehmern belegt: Höhere Vitamin-C-Spiegel im Blutplasma hängen mit mehr grauer Substanz und einer besseren Vernetzung im sogenannten Default Mode Network zusammen.
Einen Dämpfer gab es dagegen für Kreatin. Die EU-Kommission lehnte Ende Mai einen gesundheitsbezogenen Werbeantrag ab. Die wissenschaftliche Beweislage für eine Verbesserung der kognitiven Funktion durch die beantragte Dosierung sei nicht ausreichend, so die Begründung.
