Alzheimer-Risiko: Zehn Ernährungsstile verlangsamen biologisches Altern
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September rücken mehrere aktuelle Studien den Zusammenhang zwischen Ernährung, biologischem Altern und Demenzrisiko in den Fokus.
Die Ergebnisse fallen differenziert aus: Während eine Studie aus Perth einen spezifischen Risikofaktor bei genetisch vorbelasteten Menschen beschreibt, zeigt eine große deutsche Untersuchung, dass verschiedene gesunde Ernährungsstile den biologischen Alterungsprozess offenbar gleichermaßen verlangsamen können.
Westliche Ernährung und das APOE-?4-Gen
Eine Studie der Murdoch University, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nutrients, untersuchte 185 Erwachsene aus Perth mit einem Durchschnittsalter von 70,6 Jahren, die zu Studienbeginn keine Demenz aufwiesen.
Über einen Zeitraum von bis zu 7,5 Jahren – die Studie spricht von 90 Monaten beziehungsweise bis zu 7,5 Jahren Beobachtungsdauer – zeigte sich bei den 57 Teilnehmern mit der Genvariante APOE-?4 ein Zusammenhang zwischen westlicher Ernährung, also viel rotem und verarbeitetem Fleisch, Pommes, Süßigkeiten und Weißmehl, und einem schnelleren Verlust der Aufmerksamkeitsleistung.
Bei Teilnehmern ohne diese Genvariante ließ sich kein belastbarer Zusammenhang feststellen, ebenso wenig bei einer als "Prudent" bezeichneten, umsichtigeren Ernährungsweise.
Allerdings relativieren die Studienautoren ihre eigenen Befunde: Nach Ausschluss von 19 Teilnehmern mit auffälligem Ergebnis im Demenz-Screening-Test MoCA verlor der Zusammenhang seine statistische Signifikanz. Zudem lagen am Ende der Beobachtungszeit nur noch für 36 Teilnehmer vollständige Daten vor. Die Autoren betonen laut Berichterstattung, dass die Ergebnisse keine Grundlage für Gentests oder individuelle Ernährungsempfehlungen liefern.
Zehn Ernährungsstile, ein gemeinsamer Effekt
Einen anderen Ansatz verfolgt eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), die in Nature Communications erschien und auf Daten der Rheinland Studie mit 6.470 Teilnehmern basiert. Die Ergebnisse wurden zusätzlich an 1.034 Teilnehmern der EPIC-Potsdam-Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) bestätigt, sodass insgesamt rund 7.500 Personen einbezogen wurden.
Die Forscher untersuchten zehn als gesund geltende Ernährungsstile, darunter die mediterrane, die nordische, die pflanzliche, die DASH- sowie die MIND-Diät. Alle zehn Muster waren mit einem langsameren biologischen Altern verbunden, gemessen anhand der DNA-Methylierung an rund 850.000 DNA-Stellen sowie anhand von drei epigenetischen Uhren.
Die Effekte seien messbar, aber nicht riesig, so die Studie. Bemerkenswert: Mehr als 70 Prozent der beteiligten biologischen Signalwege waren bei allen zehn Ernährungsstilen identisch – es gibt demnach keine einzige "richtige" Diät, sondern verschiedene Wege zum gleichen Ziel. Am stärksten zeigte sich der Zusammenhang bei Rauchern.
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Modifizierbare Risikofaktoren und gesellschaftliche Dimension
Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) verweist anlässlich des Welt-Alzheimertages auf die Lancet Commission von 2024, die 14 modifizierbare Risikofaktoren für Demenz identifiziert hat, darunter neben Ernährungsfaktoren auch Depressionen, soziale Isolation, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum und Typ-2-Diabetes.
Theoretisch ließen sich demnach rund 45 Prozent aller Demenzfälle weltweit verzögern oder verhindern. Einsamkeit und Depression führten zwar nicht automatisch zu Demenz, belasteten aber die Gehirngesundheit, weshalb die AFI zu einer medizinischen Abklärung depressiver Symptome rät.
Als weitere Schutzfaktoren gelten soziale Kontakte sowie regelmäßige Hör- und Sehtests – ab dem 50. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre ein Hörtest, ab dem 60. Lebensjahr jährlich ein Sehtest – sowie ausreichend Bewegung.
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In Deutschland leben laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, jährlich kommen bis zu 40.000 Neuerkrankungen hinzu, davon über 100.000 bei Menschen unter 65 Jahren. Während bei 60-Jährigen etwa jede hundertste Person betroffen ist, steigt die Quote bei 80-Jährigen auf jede achte und bei über 90-Jährigen auf mehr als jede dritte Person.
In Österreich leben nach Angaben der Häuser zum Leben rund 170.000 Menschen mit Demenz; anlässlich des Welt-Alzheimertages werden dort TagFamilien mit strukturierter Betreuung und sozialen Kontakten angeboten.
Demenz auch jenseits des hohen Alters
Die Woche der Demenz vom 21. bis 27. September trägt das Motto "Demenz – (k)eine Frage des Alters" und lenkt den Blick auf seltenere Formen, die auch jüngere Menschen betreffen können. Die frontotemporale Demenz wird häufig zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr diagnostiziert, während die Gefäßerkrankung CADASIL bereits ab dem 30. bis 40. Lebensjahr beginnen kann.
Nur bei etwa einem Prozent der Alzheimer-Fälle liegt eine autosomal-dominant vererbte Mutation vor, bei frontotemporaler Demenz zeigt sich dagegen bei 30 bis 40 Prozent eine familiäre Häufung, wobei bei 20 bis 30 Prozent eine genetische Ursache nachweisbar ist. Die Genvariante APOE-?4 gilt dabei ausdrücklich als Risikofaktor, nicht als eigentliches "Alzheimer-Gen".
Ergänzend dazu wird auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie ein neuer Biomarker-Score namens "Personal-MetaboHealth" vorgestellt.
Entwickelt von Prof. Eline Slagboom von der Universität Leiden, soll der Score Risiken für Gebrechlichkeit, kognitiven Verfall sowie kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs und Ateminsuffizienz vorhersagen. Grundlage sind Genom-Varianten in entzündungs- und immunbezogenen Signalwegen; der Score soll skalierbar und kostengünstig sein und richtet sich an Menschen ab 50 Jahren.
Insgesamt zeichnen die aktuellen Studien ein Bild, das sowohl individuelle genetische Faktoren als auch allgemeine Lebensstilentscheidungen als relevant für das Demenzrisiko ausweist – wobei die Datenlage zu einzelnen Zusammenhängen, wie die Perth-Studie zeigt, teils noch mit methodischen Einschränkungen behaftet ist.
