Alzheimer-Risiko, Niedriger

Alzheimer-Risiko: Niedriger Blutdruck gefährlicher als Bluthochdruck

22.06.2026 - 05:22:27 | boerse-global.de

Neue Forschung zeigt: Hypotonie erhöht Alzheimer-Risiko stärker als Bluthochdruck. Diabetes-Medikamente und Lebensstiländerungen bieten Schutz.

Alzheimer-Studie: Niedriger Blutdruck als stärkerer Risikofaktor
Alzheimer-Risiko - Ein stilisiertes Gehirn, das mit einer Blutdruckmanschette und einer Diabetes-Spritze verbunden ist, in einem Forschungslabor. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das ist das überraschende Ergebnis einer aktuellen Studie der Michigan Technological University.

Das Blutdruck-Paradoxon

Forscher werteten Daten von über 700.000 Teilnehmern aus der UK Biobank und dem NIH-Programm „All of Us“ aus. Ihre Analyse, veröffentlicht im Juni 2026 im Journal of the American Heart Association, zeigt: Hypotonie steigert das Alzheimer-Risiko um den Faktor 2,74. Bluthochdruck kommt auf einen Faktor von 1,57.

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Auch Herzrhythmusstörungen (Faktor 1,52) und Schlaganfälle (Faktor 1,49) erhöhen die Gefahr. Genetische Untersuchungen fanden Überschneidungen bei Genloci für Fettstoffwechsel, Herzwanddicke und Entzündungsprozesse. Die genaue Ursache dieser Zusammenhänge bleibt unklar.

Diabetes-Medikamente als Schutz?

Parallel dazu rücken Wirkstoffe aus der Diabetes-Therapie in den Fokus der Demenz-Prävention. Eine NIH-Langzeitstudie im JAMA (Juni 2026) untersuchte Daten von 2014 bis 2023. Das Ergebnis: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent.

Experten sehen in der Stoffwechselkontrolle einen Schlüsselfaktor für kognitiven Schutz. Zeitgleich gab es regulatorische Neuerungen: In der Schweiz ist seit Mitte Juni eine Fixkombination aus Empagliflozin und Metformin für Patienten ab zehn Jahren zugelassen. Die FDA genehmigte eine Dreifachkombination aus Empagliflozin, Linagliptin und Metformin.

Schnellere Diagnose durch Bluttests

Die Früherkennung von Alzheimer macht Fortschritte. Ein Bluttest auf das Protein p-Tau217 erhielt im Mai 2026 die CE-Kennzeichnung. Automatisierte Plattformen wie die von Sysmex analysieren die Biomarker innerhalb von 17 Minuten mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent.

KI-gestützte Analysen der Washington University erreichen sogar 92,3 Prozent. Das ist wichtig: Die Diagnose erfolgt im Durchschnitt erst 3,5 Jahre nach Krankheitsausbruch. Forscher der University of New Mexico identifizierten zudem das Enzym OTULIN als möglichen Master-Regulator für die Produktion von Tau-Proteinen.

Lebensstil: 36 Prozent der Fälle vermeidbar

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) schätzt, dass rund 36 Prozent der Demenzfälle durch beeinflussbare Faktoren vermeidbar wären. Dazu zählen Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen. Eine japanische Studie mit 11.000 Senioren zeigt: Regelmäßiges Kochen senkt das Risiko bei Männern um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent.

Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln

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Bei Supplementen ist Vorsicht geboten. Eine Doppelblindstudie in eBioMedicine (Juni 2026) mit 365 Teilnehmern fand keinen messbaren kognitiven Nutzen durch DHA-Fischöl (2.000 mg/Tag). Forscher der University of Florida warnen in Nature Metabolism (Juni 2026) vor Glucosamin bei bestehenden Beeinträchtigungen: Bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) steige das Alzheimer-Risiko um 25 Prozent. Bei bereits Erkrankten erhöhe sich das Sterberisiko innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent.

Impfung und Flüssigkeit als Schutzfaktoren

Eine Untersuchung in den Annals of Internal Medicine an über 500.000 Personen deutet darauf hin, dass eine Gürtelrose-Impfung das Demenzrisiko um 24 Prozent senken kann. Als zusätzliche Risikofaktoren gelten Dehydration (weniger als 1,2 Liter Flüssigkeit pro Tag) und Krankenhausinfektionen.

de | wissenschaft | 69600202 |