Alzheimer-Prävention: SGLT2-Inhibitoren senken Risiko um 43%
21.06.2026 - 07:26:44 | boerse-global.de
Während bestimmte Diabetes-Wirkstoffe das Risiko massiv senken, rückt ein beliebtes Gelenkmittel in ein problematisches Licht.
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Diabetes-Medikamente mit überraschender Nebenwirkung
Eine im Juni im Fachjournal JAMA veröffentlichte Langzeitstudie der National Institutes of Health (NIH) belegt den präventiven Nutzen moderner Diabetes-Medikamente. Die Analyse von Daten aus den Jahren 2014 bis 2023 zeigt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 43 Prozent. Für GLP-1-Rezeptoragonisten wurde eine Risikoreduktion von immerhin 33 Prozent ermittelt.
Die Schutzwirkung geht offenbar über die reine Blutzuckersenkung hinaus. Fachleute vermuten, dass die Wirkstoffe Entzündungsprozesse im Gehirn dämpfen und den zellulären Energiestoffwechsel positiv beeinflussen.
Parallel dazu gab es Mitte Juni in der Schweiz eine Zulassung für eine Fixkombination aus Empagliflozin und Metformin für Kinder ab zehn Jahren. Die US-Gesundheitsbehörde FDA genehmigte zudem eine Dreifachkombination.
Vorsicht bei Glucosamin: Risiko für Vorerkrankte
Ganz anders sieht die Lage bei einem frei verkäuflichen Präparat aus. Eine Studie der University of Florida warnt vor der regelmäßigen Einnahme von Glucosamin. Die im Juni in Nature Metabolism veröffentlichte Untersuchung basiert auf Gesundheitsdaten von über 50.000 Personen aus den Jahren 2012 bis 2024.
Bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) erhöhte die regelmäßige Einnahme des Gelenkmittels das Risiko, eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln, um 25 Prozent. Bei bereits diagnostizierten Alzheimer-Patienten stieg das Sterberisiko innerhalb von fünf Jahren ebenfalls um 25 Prozent.
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Als möglichen Mechanismus identifizierten die Forscher eine Hyperglykosylierung – ein überaktiver Stoffwechselweg zwischen Proteinen und Zucker. In Tierversuchen beeinträchtigte dieser Prozess die Gedächtnisleistung. Die Autoren betonen jedoch: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen direkten Kausalnachweis erbringt.
Bluttest als Gamechanger: Früherkennung in 17 Minuten
Die Diagnostik macht ebenfalls Fortschritte. Eine automatisierte Plattform von Sysmex ermöglicht die Analyse von Biomarkern wie p-Tau217 innerhalb von 17 Minuten – mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent. Bereits im Mai erhielt ein p-Tau217-Bluttest von Roche die CE-Kennzeichnung. Ein an der Washington University entwickelter KI-Bluttest erreichte im Mai eine Genauigkeit von 92,3 Prozent.
Was sonst noch schützt – und was nicht
Neben Medikamenten rücken weitere Faktoren in den Fokus:
- Omega-3-Fettsäuren: Eine Doppelblindstudie mit 365 Teilnehmern zeigte keinen kognitiven Nutzen durch die tägliche Einnahme von 2.000 mg DHA – obwohl die Werte im Blut und in der Gehirnflüssigkeit signifikant stiegen.
- Impfungen: Analysen von über 500.000 Personen belegen: Eine Impfung gegen Gürtelrose senkt das Demenzrisiko um 24 Prozent.
- Lebensstil: Japanische Forscher beobachteten bei Senioren, die regelmäßig kochen, ein um bis zu 27 Prozent geringeres Risiko.
- Risikofaktoren: Niedriger Blutdruck und Dehydration (weniger als 1,2 Liter Flüssigkeit pro Tag) korrelieren hingegen mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko.
Die aktuelle Forschung unterstreicht: Rund 36 Prozent der Demenzfälle ließen sich durch beeinflussbare Faktoren vermeiden. Während neue Medikamente und präzise Diagnostik die klinische Versorgung verbessern, bleibt die kritische Prüfung von Nahrungsergänzungsmitteln ein wesentlicher Bestandteil jeder Präventionsstrategie.
