Alzheimer-Prävention, SGLT2-Hemmer

Alzheimer-Prävention: SGLT2-Hemmer senken Risiko um 43 Prozent

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 07:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: SGLT2-Hemmer und GLP-1-Agonisten verringern Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent. Neue Forschung und Zulassungen geben Hoffnung.

Alzheimer-Prävention: Diabetes-Medikamente senken Risiko drastisch
Ein verschwommenes Modell eines menschlichen Gehirns mit beleuchteten neuronalen Pfaden und digitalen Datenflüssen, umgeben von Medikamenten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Alte Wirkstoffe, neue Hoffnung: SGLT2-Hemmer und GLP-1-Agonisten könnten das Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent senken.

Eine Analyse in JAMA Network Open zeigt: SGLT2-Inhibitoren reduzieren das Risiko für eine Alzheimer-Diagnose um 43 Prozent. Bei GLP-1-Rezeptoragonisten liegt die Senkung bei immerhin 33 Prozent. Die Medikamente sind bereits etabliert – in der Diabetes- und Adipositastherapie.

Metabolische Revolution in der Prävention

Die Erkenntnisse passen zu den aktualisierten Leitlinien der AHA und des ACC zum kardiorenalen metabolischen Syndrom. Der Grund: Ein Typ-2-Diabetes erhöht das Alzheimer-Risiko um etwa 50 Prozent. Wer die Stoffwechselerkrankung behandelt, senkt offenbar auch das Demenzrisiko.

Parallel dazu erteilte die EU im Juli die Zulassung für eine Semaglutid-Tablette mit 25 mg zur Adipositas-Behandlung. In Studien verloren Patienten damit 17 Prozent ihres Gewichts – die Kontrollgruppe nur drei Prozent.

Roche setzt auf smarte Antikörper

Das Pharmaunternehmen Roche startete die Phase-III-Studie PrevenTRON. Getestet wird der Antikörper Trontinemab, der die Brain-Shuttle-Technologie nutzt. Damit passiert er die Blut-Hirn-Schranke deutlich effizienter als herkömmliche Wirkstoffe.

1600 Teilnehmende ab 55 Jahren sind eingeschlossen. Sie haben keine kognitiven Einschränkungen, zeigen aber durch den Blutmarker p-tau217 ein erhöhtes Risiko. Ziel: Amyloid-Plaques schneller und nebenwirkungsärmer entfernen. Zum Vergleich: Ältere Medikamente wie Lecanemab verlangsamten den kognitiven Verfall nur um 27 bis 35 Prozent.

Gürtelrose-Impfstoff als Demenz-Bremse?

Seit März läuft in Finnland eine großangelegte Studie mit über 33.000 Teilnehmenden. Getestet wird der Gürtelrose-Impfstoff Shingrix auf seinen Einfluss auf das Demenzrisiko. Beobachtungsstudien hatten zuvor eine Risikosenkung zwischen 20 und 51 Prozent gezeigt.

Könnte eine simple Impfung Alzheimer verhindern? Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.

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Rückschläge in der Forschung

Nicht alle Ansätze waren erfolgreich. Auf dem Fachkongress AAIC im Juli wurde bekannt: Der Tau-Antisense-Wirkstoff Diranersen verfehlte seinen primären Endpunkt in einer Phase-II-Studie. Auch der OGA-Hemmer Ceperognastat zeigte keine Wirkung – bei höherer Dosierung verschlechterte sich der Zustand der Probanden sogar.

Bereits Ende 2025 hatte orales Semaglutid bei bestehender Alzheimer-Erkrankung den primären Endpunkt verfehlt. Prävention scheint der vielversprechendere Weg zu sein.

Kostendebatte belastet neue Therapien

In Großbritannien verschob das Institut NICE die Veröffentlichung von Leitlinien für Lecanemab und Donanemab. Grund: Zweifel an der Kosteneffektivität. Während US-Hersteller bereits Zulassungen für wöchentliche Eigeninjektionen erhielten, verhandeln europäische Systeme noch über Preise und Nutzen im Pflegealltag.

WHO setzt auf Lebensstil

Die Weltgesundheitsorganisation aktualisierte im Juli ihre Leitlinien: Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos sind durch modifizierbare Faktoren beeinflussbar. Die Experten empfehlen körperliche Aktivität, Nikotinverzicht und die Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes.

Erstmals wird auch kognitive Stimulation durch Lesen oder Spiele explizit empfohlen, ebenso die Reduktion von Luftverschmutzung. Von Vitaminpräparaten oder Omega-3-Fettsäuren rät die WHO mangels Evidenz ab.

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Deutschland reagiert: Ab 2028 wird ein verpflichtendes Screening auf Typ-2-Diabetes eingeführt. Früh erkennen, früh behandeln – das könnte der Schlüssel sein.

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