Alzheimer-Prävention: ARPA-H fördert Studie mit bis zu 41,2 Millionen Dollar
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 07:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin im September 2026 gestartetes US-Forschungsprojekt markiert einen strategischen Schritt in der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Die US-Behörde ARPA-H vergibt bis zu 41,2 Millionen US-Dollar über eine Laufzeit von vier Jahren an das Kliniknetzwerk Mass General Brigham, um eine nationale Präventionsstudie gegen Alzheimer durchzuführen. Die wissenschaftliche Leitung des Vorhabens liegt bei Rudolph Tanzi vom McCance Center for Brain Health sowie Co-Leiter Gene Bowman.
Neuartige Wirkstoffkombinationen und Plattform-Design
Im Zentrum der Untersuchung steht ein flexibles Plattform-Design mit einer gemeinsamen Kontrollgruppe. Getestet werden fünf bis zehn Kombinationen gleichzeitig bei Erwachsenen, die frühe Biomarker-Anzeigen aufweisen, jedoch keine oder nur starke Gedächtnisverluste zeigen.
Das Forschungsteam greift dabei auf Substanzen zurück, die von der US-Zulassungsbehörde FDA bereits für andere Indikationen genehmigt sind, und kombiniert diese mit Naturprodukten.
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Für die getesteten Kombinationen liegt bisher kein Wirksamkeitsnachweis vor; belastbare Resultate werden erst in einigen Jahren erwartet. Um biologische Veränderungen im Krankheitsverlauf präzise nachzuverfolgen, stützt sich die Studie auf etablierte Blutbiomarker. Gemessen werden unter anderem p-tau217, das Verhältnis von Abeta42 zu Abeta40 sowie die Proteine GFAP und NfL.
Internationale Parallelen bei bestehenden Wirkstoffen
Der Ansatz, bereits für andere Krankheiten erprobte Medikamente parallel gegen Demenz zu testen, wird auch international forciert. Im Oktober 2026 startete unter der Federführung von Alzheimer's Research UK und dem UK Dementia Research Institute am Imperial College London die AD-SMART-Studie. Unter der Leitung von Paresh Malhotra untersucht das Projekt rund 1.200 Teilnehmende an mehr als 30 Standorten des britischen Gesundheitsdienstes NHS.
Dabei werden das Diabetes-Medikament Metformin sowie das ADHS-Medikament Atomoxetin gleichzeitig gegen eine gemeinsame Placebogruppe geprüft; beide Wirkstoffe besitzen bisher keine Zulassung für Alzheimer. Durch das gewählte Studiendesign könnte sich die Untersuchungsdauer mehr als halbieren. Erste Ergebnisse aus beiden Behandlungsarmen werden für das Jahr 2030 erwartet.
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Herausforderungen in Therapie und Früherkennung
Die Suche nach neuen medikamentösen Kombinationen geschieht vor dem Hintergrund anhaltender Hürden bei bisherigen Therapieformen. Neuere Antikörper wie Lecanemab und Donanemab sind im britischen NHS nach einer Kosten-Risiko-Abwägung nicht für den Routineeinsatz freigegeben.
In Deutschland, wo jährlich fast 450.000 Demenzdiagnosen gestellt werden und rund 1,8 Millionen Betroffene leben, stellte der Gemeinsame Bundesausschuss im Februar 2026 keinen Zusatznutzen für die Therapien fest.
Gleichzeitig verlangt der Einsatz von Biomarkern klare diagnostische Leitplanken. Eine im Oktober 2026 veröffentlichte britische Leitlinie der Association of British Neurologists und des Royal College of Psychiatrists hebt hervor, dass Tests wie Plasma-p-tau217 zwar die Methode der Wahl seien, jedoch ausschließlich im Rahmen einer vollständigen fachärztlichen Abklärung bei messbaren kognitiven Einschränkungen eingesetzt werden sollten. Außerhalb von Forschungsprojekten wird der Test für asymptomatische Personen sowie für die allgemeine Primärversorgung gegenwärtig nicht empfohlen.
