Alzheimer, Niedriger

Alzheimer: Niedriger Blutdruck ist stärkerer Risikofaktor als Hypertonie

24.06.2026 - 08:40:52 | boerse-global.de

Studie mit 700.000 Daten zeigt: Hypotonie erhöht Alzheimer-Risiko stärker als Bluthochdruck. Neue Erkenntnisse zu PCSK9 und Omega-3.

Niedriger Blutdruck als überraschender Alzheimer-Risikofaktor entlarvt
Alzheimer - Ein stilisiertes menschliches Gehirn mit leuchtenden neuronalen Pfaden, verbunden mit feinen vaskulären Netzwerken. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

000 Patientendaten stellt bisherige Annahmen auf den Kopf. Nicht Bluthochdruck, sondern Hypotonie zeigt den stärksten Zusammenhang mit Alzheimer – und übertrifft damit klassische Risikofaktoren deutlich.

Hypotonie als stärkerer Risikofaktor als Bluthochdruck

Forscher der Michigan Technological University werteten Datensätze aus der UK Biobank und dem All of Us Research Program aus. Das Ergebnis: Menschen mit niedrigem Blutdruck haben ein 2,74-fach erhöhtes Alzheimer-Risiko. Zum Vergleich: Bei Bluthochdruck liegt der Faktor bei 1,57. Auch Herzrhythmusstörungen (1,52) und Schlaganfälle (1,49) erhöhen das Risiko.

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Die im Journal of the American Heart Association veröffentlichte Studie identifizierte zudem gemeinsame Genloci nahe APOE und MAPT. Diese könnten sowohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch Alzheimer beeinflussen. Die genaue Kausalrichtung bleibt unklar – künftige KI-gestützte Analysen sollen hier Klarheit schaffen.

Instabile Plaques: PCSK9-Protein im Fokus

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) München liefert ergänzende Erkenntnisse. Eine in Nature Cardiovascular Research veröffentlichte Studie analysierte 112 Karotis-Plaque-Proben räumlich. Instabile Ablagerungen zeigen verstärkte Entzündungsprozesse, Veränderungen im Fettstoffwechsel und Gewebeumbau.

Besonders auffällig: Die lokale Erhöhung des Proteins PCSK9 in instabilen Plaques. Gefäßmuskelzellen setzen unter Stress vermehrt dieses Protein frei – das beeinträchtigt die Stabilität der Gefäßwände. Die Erkenntnisse könnten helfen, das Risiko für Schlaganfälle und damit verbundene Demenzen besser einzuschätzen.

Omega-3: Kein Wundermittel gegen Alzheimer

Die Hoffnung auf einfache Prävention durch Nahrungsergänzung erhält einen Dämpfer. Eine Doppelblindstudie der Keck Medicine of USC mit 365 Probanden zeigte: Tägliche 2.000 mg DHA über zwei Jahre brachten keine signifikanten Vorteile für Gedächtnis oder kognitive Leistung. Auch der Zellverlust im Hippocampus ließ sich nicht verhindern.

Andere Daten deuten auf eine leichte Verlangsamung der epigenetischen Alterung bei geringerer Dosierung hin. Experten betonen jedoch: Die wirksamsten Hebel bleiben klassische Maßnahmen. Die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes sowie Rauchverzicht bringen die größten Gewinne an gesunden Lebensjahren.

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Demografischer Druck und KI als Hoffnungsträger

Die Zahlen sind alarmierend: In Deutschland steigt die Zahl der Demenzkranken von 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen bis 2060. Kamen 2020 noch 2,6 Betroffene auf 100 Erwerbstätige, könnten es 2060 bereits 4,7 sein.

Ein Lichtblick ist die Früherkennung per KI. Die Auswertung von Netzhautbildern ermöglicht eine Risikoprognose durchschnittlich 8,55 Jahre vor dem kognitiven Abbau. Der Markt für solche Analysen soll von 2,65 Milliarden Dollar (2023) auf 9,4 Milliarden Dollar (2033) wachsen. Durch gezielte Prävention ließe sich die Zahl der Demenzkranken langfristig stabilisieren.

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