Alzheimer: Neuer Zelltod-Prozess eröffnet Wege zu Therapien
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 09:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forscher haben einen bislang unbekannten Zelltod-Prozess im Gehirn identifiziert. Die sogenannte Karyoptose könnte der Schlüssel zu neuen Therapien gegen Alzheimer und Frontotemporale Demenz (FTD) sein.
Was passiert beim Zelltod?
Ein Team des King’s College London und des UK Dementia Research Institute beschreibt den Mechanismus in der Fachzeitschrift Nature Communications. Auslöser ist die Ansammlung toxischer Proteine im Gehirn. Das Enzym p38 MAP-Kinase interagiert daraufhin mit dem Protein LaminB1 – der Zellkern kollabiert.
Die Zahlen sind eindeutig: Im frontalen Kortex von Alzheimer-Patienten zeigten 35 Prozent der Zellen Karyoptose. Bei gesunden Probanden waren es nur 15 Prozent. Im Labor gelang es bereits, den Prozess zu stoppen: Durch Blockierung der p38-LaminB1-Interaktion sanken die Marker für den Zelltod.
Früherkennung wird besser
Parallel arbeiten Forscher an der Früherkennung. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum in EMBO Molecular Medicine untersuchte Blut-Biomarker bei 779 Probanden über 17 Jahre. Ergebnis: Die Fehlfaltung des Amyloid-?-Proteins ist im symptomfreien Stadium der stärkste Prädiktor für eine spätere Erkrankung (AUC-Wert: 0,79).
Der oft gepriesene Biomarker P-tau217 schnitt mit 0,67 schwächer ab. Erst ein Marker-Panel erreichte eine Vorhersagegenauigkeit von 0,87. Zusätzlich zeigt eine Science-Studie vom 24. Juli: Die 3D-Struktur des Genoms verändert sich bei Alzheimer-Patienten – und zwar parallel zum Rückgang synaptischer Programme.
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Bewegung als Medizin
Auch Lebensstilfaktoren rücken in den Fokus. Eine Pilotstudie der University of Texas, vorgestellt am 21. Juli in London, zeigte: Die kontrollierte Inhalation von 5 Prozent CO2 aktiviert das glymphatische System. Probanden schieden kurzzeitig mehr Beta-Amyloid aus.
In der medikamentösen Forschung gibt es Fortschritte bei PTP1B und LM11A-31. Letzteres stabilisierte in einer Phase-2a-Studie mit 159 Teilnehmern die neuronale Konnektivität.
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Besonders spannend: Bereits 3.000 Schritte täglich verlangsamen die Ausbreitung des Tau-Proteins bei frühen Alzheimer-Patienten, so eine Studie in Nature Medicine. Die WHO hat reagiert und empfiehlt nun 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Experten schätzen: Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos ließen sich durch solche Faktoren kontrollieren.
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