Alzheimer, Bluttest

Alzheimer: Neuer Bluttest erkennt Krankheit mit 94,5% Genauigkeit

02.07.2026 - 13:33:43 | boerse-global.de

Forscher identifizieren 34 circRNAs im Blut, die Alzheimer mit 94,5% Genauigkeit erkennen. Kombiniert mit pTau217 steigt die Rate auf 97,7%.

Alzheimer-Früherkennung: Neue Blutmarker mit hoher Treffsicherheit
Alzheimer - Nahaufnahme eines Blutröhrchens in einem Labor, das die Frühdiagnose von Alzheimer durch Bluttests symbolisiert. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt aufwendiger Hirnscans oder Nervenwasser-Untersuchungen reicht künftig eine einfache Blutprobe. Forscher identifizierten 34 spezifische zirkuläre RNAs (circRNAs) im Blut, die Alzheimer mit einer Genauigkeit von 94,5 Prozent erkennen.

Damit schlägt der neue Ansatz den bisherigen Spitzenreiter pTau217 (87,7 Prozent). Kombiniert man beide Marker, steigt die Treffsicherheit auf 97,7 Prozent. Die Daten stammen aus Untersuchungen an über 1.200 Personen und wurden an weiteren 2.300 Teilnehmern bestätigt.

pTau217 sagt Symptome Jahre voraus

Parallel dazu zeigt der etablierte pTau217-Bluttest enormes Potenzial. Er erkennt die Alzheimer-typische Amyloid-Pathologie mit über 90 Prozent Genauigkeit. Noch beeindruckender: Die Werte sagen Symptome drei bis vier Jahre im Voraus vorher.

Eine Studie mit 603 älteren Erwachsenen zeigte deutliche Altersunterschiede. Bei 60-Jährigen traten Symptome erst nach rund 20 Jahren auf, bei 80-Jährigen bereits nach etwa elf Jahren. Der Test ist bereits CE-zertifiziert und klinisch einsetzbar.

Biologisches Alter als Risikofaktor

Forscher der Stanford University gingen einen Schritt weiter. Sie analysierten über 7.000 Proteine im Blutplasma und bestimmten das biologische Alter von mehr als 40 Zelltypen. Das Ergebnis: Eine beschleunigte Alterung von Astrozyten – bestimmten Gehirnzellen – erhöht das Alzheimer-Risiko um das 12,59-Fache.

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Zum Vergleich: Bei Skelettmuskelzellen steigt das ALS-Risiko um das 12,74-Fache. Aus diesen Daten entwickelten die Forscher einen „Polycellular Aging Risk Score“. Menschen mit extrem beschleunigter Zellalterung haben eine Überlebensrate von nur 34 Prozent – gegenüber 90 Prozent bei normaler Alterung.

Die Unternehmen Teal Omics und Vero Bioscience arbeiten an der Marktreife solcher Tests. Sie sollen in zwei bis drei Jahren verfügbar sein.

Warnung vor falsch-positiven Ergebnissen

In Deutschland sind die Bluttests bereits im Einsatz. Sie ermöglichen eine frühzeitige Behandlung, die den Krankheitsverlauf verlangsamen kann. Doch Experten wie Prof. Christoph Kleinschnitz warnen vor den Risiken.

„Bei gesunden Menschen ohne Symptome besteht die Gefahr falsch-positiver Ergebnisse“, so der Neurologe Anfang Juli 2026. Das könne zu erheblichen psychischen Belastungen führen. Besonders kritisch: Ein positiver Test allein ist noch keine Diagnose.

Neue Erkenntnisse für Hochbetagte

Eine spanische Studie in der Fachzeitschrift Neurology untersuchte über 80-Jährige mit leichten kognitiven Einschränkungen. Bei rund 70 Prozent der Teilnehmer wiesen die Forscher eine Alzheimer-Biologie nach. Blut- und Nervenwasser-Tests halfen, Fehldiagnosen aufgrund des hohen Alters zu vermeiden.

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KI und Netzhautscans als Zukunftsvision

Über Bluttests hinaus entwickeln Forscher weitere Diagnosemethoden. KI-gestützte Analysen der Netzhaut können ein Demenzrisiko bis zu 8,5 Jahre vor dem Ausbruch prognostizieren. Dabei spielen Entzündungsmarker und bildgebende Verfahren eine zentrale Rolle.

Wissenschaftler aus Jena entdeckten zudem einen Zusammenhang zwischen sinkenden Phosphatidylcholin-Spiegeln und mitochondrialer Dysfunktion. In Zellkulturen ließ sich die Mitochondrien-Struktur durch Cholin-Gabe innerhalb von zwei Tagen wiederherstellen.

Globale Diversität bleibt eine Herausforderung. Daten aus Nigeria und Tansania zeigen, dass Komorbiditäten und Geschlecht die Biomarker-Ausprägung beeinflussen. Diagnosemodelle müssen daher an verschiedene Bevölkerungsgruppen angepasst werden.

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