Alzheimer, Antikörper

Alzheimer: Neue Antikörper verlangsamen Abbau um 35 Prozent

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 07:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Donanemab-Infusionen starten in der Schweiz und international. Neue Bluttests und subkutane Therapien erweitern die Behandlungsmöglichkeiten.

Alzheimer-Paradigmenwechsel: Neue Antikörper und Bluttests verändern die Therapie
Ältere Hände berühren ein leuchtendes Gehirnmodell mit verschwommenem medizinischem Hintergrund, das Hoffnung bei Alzheimer symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Neue Medikamente und bessere Diagnostik verändern die Versorgung von Patienten im Frühstadium.

Im Fokus stehen monoklonale Antikörper. Sie greifen gezielt Proteinablagerungen im Gehirn an und können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

Erste Donanemab-Infusion in der Schweiz

Das Kantonsspital Aarau behandelte Mitte Juli 2026 den ersten Patienten mit dem neuen Wirkstoff Donanemab. Die Schweiz hatte das Medikament speziell für Alzheimer-Frühstadien zugelassen. Es bremst den kognitiven Abbau – heilen kann es die Krankheit nicht.

Rund 161.100 Menschen in der Schweiz leben mit einer Demenzerkrankung.

Auch international kommt Donanemab auf den Markt. Brasiliens Behörde Anvisa gab am 14. Juli 2026 grünes Licht für das Präparat (Handelsname: Kisunla). In Italien lief am selben Tag die erste Infusion am Policlinico di Catania.

Die Patientin ist 73 Jahre alt. Weil die italienische Arzneimittelagentur AIFA die Zulassung noch verweigert, läuft die Behandlung über ein Compassionate-Use-Programm. Die Therapie sieht Infusionen alle vier Wochen vor – maximal 18 Monate lang.

Antikörper-Therapie: Wirksamkeit und Risiken

Die Phase-III-Studie TRAILBLAZER-ALZ 2 liefert die Datenbasis. Nach 76 Wochen verlangsamte Donanemab den kognitiven Abbau bei Frühpatienten um bis zu 35 Prozent.

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Der iADRS-Score zeigt den Unterschied: In der Donanemab-Gruppe verschlechterten sich die Patienten um -6,02 Punkte, in der Placebo-Gruppe um -9,27 Punkte.

Doch die Therapie hat Nebenwirkungen. Amyloid-assoziierte Bildgebungsanomalien (ARIA) treten häufig auf – Ödeme oder Mikroblutungen im Gehirn. In Studien lag die ARIA-E-Rate bei 24 Prozent unter Donanemab, in der Kontrollgruppe bei 2,1 Prozent. Regelmäßige MRT-Kontrollen sind daher Pflicht.

Neue Wege bei Behandlung und Diagnostik

Die Entwicklung geht weiter. Am 13. Juli 2026 genehmigte die US-Behörde FDA eine subkutane Initialdosis von Lecanemab (Leqembi). Patienten oder Angehörige können den Wirkstoff per Autoinjektor verabreichen – einmal wöchentlich, ab Ende August 2026.

94 Prozent der Anwender bewerteten die Handhabung als einfach. Das könnte die Behandlung ins häusliche Umfeld verlagern.

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Auch die Früherkennung macht Fortschritte. Seit Mai 2026 haben zwei Bluttests auf das Protein pTau217 die CE-Zertifizierung. Sie erkennen Alzheimer-Pathologie, bevor schwere Symptome auftreten. Kostenpunkt: rund 50 Franken.

Ein wichtiger Hinweis der Experten: Die Tests sind nur bei ersten klinischen Symptomen indiziert.

Hürden bei Diagnose und Kosten

Trotz aller Fortschritte gibt es strukturelle Probleme. In der Schweiz haben schätzungsweise nur die Hälfte der rund 100.000 Alzheimer-Patienten eine formale Diagnose. Dabei ist die Früherkennung Voraussetzung für die neuen Antikörper-Therapien.

Und die Finanzierung? Die obligatorische Grundversicherung übernimmt die neuen Bluttests noch nicht. Auch die medikamentösen Therapien sind teuer und aufwendig – spezialisierte Zentren müssen Patienten sorgfältig auswählen.

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