Alzheimer: Mannheimer Ehepaar plant assistierten Suizid
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEntscheidungen des Ehepaars in Mannheim
- Barbara Edel erhielt im September 2023 die Diagnose Alzheimer.
- Die 75-Jährige hat Pflegegrad 2 und fährt nicht mehr selbst Auto.
- Im kommenden Jahr wollen Edel und Liebert in betreutes Wohnen ziehen.
- Das Paar plant für das gemeinsame Lebensende einen assistierten Suizid.
Alzheimer verändert das gemeinsame Leben in Mannheim
Barbara Edel und Hans-Jürg Liebert leben in Mannheim mit der Alzheimer-Erkrankung der 75-Jährigen. Das Ehepaar will im kommenden Jahr in eine Einrichtung für betreutes Wohnen ziehen und plant nach eigenen Angaben zudem einen gemeinsamen assistierten Suizid.
Erste Veränderungen blieben lange unbemerkt
Edel kümmerte sich früher um Konzertbesuche, Tickets und Treffen mit Freunden. Vor etwa zehn Jahren fiel Liebert jedoch auf, dass sie diese Aufgaben zunehmend nicht mehr übernahm; rückblickend erkennen beide darin frühe Anzeichen der Krankheit.
Die Diagnose erhielt Edel im September 2023. Zuvor hatten sich Vergesslichkeit und Schwierigkeiten im Alltag verstärkt: Sie vergaß etwa, beim Gang in den Keller eine zusätzlich erbetene Flasche Wein mitzubringen.
Diagnose belastet beide Partner
Der 78-jährige Liebert organisiert inzwischen das soziale Leben des Paares. Er beschreibt die Belastung durch die wachsende Verantwortung und die Angst, dass seine Frau ihn eines Tages nicht mehr erkennen könnte.
Edel fährt nach einem Erlebnis, bei dem sie beim Autofahren den Weg nicht mehr fand, nicht mehr selbst. Sie besucht weiterhin ein wöchentliches Treffen für Menschen mit Demenz, fährt mit dem Fahrrad zur Tagespflege und spielt mit ihrem Mann Scrabble.
Betreutes Wohnen soll Sicherheit schaffen
Das Paar möchte sich im kommenden Jahr in einer neuen Wohnform einrichten und sich dort in der Gemeinschaft engagieren. Liebert ist zudem erneut an Krebs erkrankt; beide hoffen, dass Edel in der Einrichtung auch für den Fall Unterstützung findet, dass ihm etwas geschieht.
In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die Alzheimer-Krankheit ist nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft die häufigste Ursache; Angehörige müssen dabei zunehmend Aufgaben übernehmen und erleben die fortschreitende Veränderung eines geliebten Menschen.
Gemeinsame Entscheidung für das Lebensende
Für ihr gemeinsames Ende haben Edel und Liebert nach eigener Darstellung vorgesorgt. Als persönliche Grenze nennt Edel den Zeitpunkt, an dem sie ihren Mann sowie ihre Kinder und Enkelkinder nicht mehr erkennen würde.
Alzheimer ist die häufigste Ursache von Demenzerkrankungen. In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz; mit dem Alter steigt das Erkrankungsrisiko deutlich. Die Krankheit beeinträchtigt zunächst oft komplexe Alltagsaufgaben und Orientierung, später können Selbstständigkeit und Kommunikationsfähigkeit abnehmen.
Für Angehörige verändert sich dadurch die Rollenverteilung. Sie übernehmen Organisation, Arztkontakte, Behördenangelegenheiten und häufig auch Pflege. Beratungsstellen, Tagespflege und betreute Wohnformen sollen diese Belastung auffangen und zugleich soziale Kontakte der Erkrankten erhalten. Der von dem Ehepaar geplante Umzug steht damit für eine praktische Vorsorge: Beide wollen eine Wohn- und Unterstützungsstruktur schaffen, bevor die häusliche Versorgung an Grenzen stößt.
Assistierter Suizid bleibt rechtlich und ethisch sensibel
Der assistierte Suizid berührt in diesem Fall zusätzlich Fragen nach Entscheidungsfähigkeit, Freiverantwortlichkeit und dem Einfluss einer fortschreitenden Erkrankung. In Deutschland ist die Hilfe zur Selbsttötung unter bestimmten Voraussetzungen nicht generell strafbar; konkrete Handlungen müssen jedoch frei verantwortlich und ohne Druck erfolgen. Bei Demenz gewinnt deshalb die zeitliche Vorsorge besondere Bedeutung, weil sich die Fähigkeit zur selbstbestimmten Entscheidung im Krankheitsverlauf verändern kann.
Für Betroffene und Angehörige sind neben medizinischer Begleitung auch Pflegeberatung, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und palliative Angebote relevant. Der Fall zeigt, dass Alzheimer nicht nur eine Diagnose ist, sondern langfristige Entscheidungen über Wohnen, Betreuung, Partnerschaft und das Lebensende auslösen kann.
