Alzheimer-Impfung: Gürtelrose-Schutz senkt Risiko um 20%
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 22:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Demenzerkrankungen stellen Gesundheitssysteme und Gesellschaften in ganz Europa vor wachsende Herausforderungen. Statistische Erhebungen mehrerer Länder verdeutlichen dabei ein wiederkehrendes Muster: Bei der Mehrheit der Erkrankten handelt es sich um Frauen, die zugleich den überwiegenden Teil der unbezahlten Betreuungsarbeit schultern. Gleichzeitig verweisen Fachleute auf erhebliche Präventionspotenziale zur Risikoreduktion.
Deutliches Geschlechterungleichgewicht bei den Erkrankten
In der Schweiz leben nach statistischen Erhebungen zwischen 166'000 und 166'300 Menschen mit Demenz. Rund zwei Drittel davon sind Frauen. Jährlich kommen knapp 36'000 beziehungsweise mehr als 35'800 Neuerkrankungen hinzu, von denen im Schnitt jeweils ein bis drei Angehörige mitbetroffen sind.
Der Neurologe Ansgar Felbecker von der Memory Clinic St. Gallen führt die höhere Betroffenheit von Frauen unter anderem auf deren höhere Lebenserwartung, die hormonelle Umstellung nach der Menopause sowie auf einen früher oft geringeren Bildungszugang zurück. Zudem seien Frauen durch informelle Pflegearbeit häufig doppelt belastet.
Ein vergleichbares Bild zeigt sich in Österreich. Laut dem Österreichischen Demenzbericht 2025 leben dort rund 170'000 Menschen mit Demenz, wovon ebenfalls zwei Drittel Frauen sind. Bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl auf mehr als 290'000 ansteigen. In Luxemburg sind 9.205 Demenzfälle statistisch erfasst, was 1,35 Prozent der Bevölkerung entspricht.
Darunter befinden sich 5.855 Frauen und 3.350 Männer sowie 2.099 Betroffene über 90 Jahre; im Jahr 2019 hatte die Gesamtzahl bei 7.539 gelegen. Für Deutschland beziffern Fachorganisationen wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft die Zahl der Betroffenen auf rund 1,8 Millionen, ebenfalls mit steigender Tendenz.
Weltweit wird die Zahl der Erkrankten auf etwa 55 Millionen geschätzt, wovon zwei Drittel in Entwicklungsländern leben; Prognosen gehen von einem Anstieg auf 139 Millionen bis 2050 aus.
Hohe wirtschaftliche Last durch informelle Betreuung
Die Versorgung Demenzerkrankter verursacht erhebliche Kosten. In ganz Europa belaufen sich die jährlichen gesellschaftlichen Aufwendungen auf 221,4 Milliarden Euro. Davon entfallen 58 Prozent auf informelle Pflegeleistungen.
Wer sich mit der Prävention geistigen Abbaus befasst, sollte die Rolle des Gehörs nicht unterschätzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie mit einfachen Hör-Übungen ohne Technik Ihr Gehirn aktiv halten und das Gedächtnis schützen. Kostenlosen PDF-Report mit 7 Hör-Übungen anfordern
In der Schweiz zählt Demenz mit geschätzten 11,8 Milliarden Franken pro Jahr zu den teuersten Krankheiten. Rund 5,5 Milliarden Franken dieser Summe entsprechen unbezahlten Betreuungs- und Pflegeleistungen von Angehörigen, die überdurchschnittlich oft von Frauen erbracht werden. Auch in Deutschland wird der überwiegende Teil der Erkrankten von Angehörigen im häuslichen Umfeld versorgt.
Präventionsmöglichkeiten und neue Therapiemittel
Fachleute weisen darauf hin, dass rund 45 Prozent der bekannten Demenzrisikofaktoren als beeinflussbar gelten. Zu den wesentlichen Stellschrauben gehören regelmäßige Bewegung, Bildung, soziale Kontakte, Schlaf sowie die Behandlung von Hörverlust.
Zudem senkt laut wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Gürtelrose-Impfung das Alzheimer-Risiko um 20 Prozent. Ágnes Eszter Melcherné Kázár von der ungarischen Stiftung „Feledhetetlen“ betont, dass sich rund 45 Prozent der Demenzfälle potenziell verhindern oder deutlich verzögern ließen.
Vergesslichkeit ab 50 muss kein Schicksal sein, denn gezieltes Training kann die geistige Leistung spürbar verbessern. Entdecken Sie 11 praktische Alltagsübungen zur Demenzvorbeugung in diesem kostenlosen Leitfaden für Ihre mentale Fitness. Hier kostenlosen Ratgeber für Gehirntraining sichern
Auf pharmazeutischer Ebene verzeichnete die Behandlung der Alzheimer-Krankheit, die nach Angaben von Zoltán Hidasi von der Semmelweis-Universität rund 70 bis 80 Prozent der Demenzfälle ausmacht, Neuzulassungen: In der Europäischen Union erhielten Leqembi (Lecanemab) am 15. April 2025 und Donanemab am 25. September 2025 die Zulassung für ausgewählte Betroffene im Frühstadium.
In Luxemburg wird mit einer möglichen Verfügbarkeit ab 2027 gerechnet. Parallel fordern Organisationen wie Alzheimer Schweiz und der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) den Ausbau flächendeckender Versorgungsstrukturen sowie eine stärkere Entlastung pflegender Angehöriger.
