Alzheimer, Immunreaktion

Alzheimer: Immunreaktion außerhalb des Gehirns löst Hirnschäden aus

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 16:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mäusestudien der Washington University zeigen: Periphere Immunzellen fördern Hirnschäden, obwohl Tau-Ablagerungen weitgehend bestehen bleiben.

Alzheimer-Forschung: Immunreaktion beginnt offenbar außerhalb des Gehirns
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Gewebe und zellulären Strukturen in einem medizinischen Forschungskontext. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Forschung zu neurodegenerativen Erkrankungen zeichnet sich ein grundlegender Perspektivwechsel ab. Während sich therapeutische Ansätze bei Alzheimer bislang primär auf Prozesse innerhalb des Gehirns konzentrierten, weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass Immunreaktionen außerhalb des zentralen Nervensystems eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Hirnschäden spielen könnten.

Forscher der Washington University in St. Louis unter der Leitung von David Holtzman und Hao Hu legten hierzu im September 2026 detaillierte Erkenntnisse vor.

Der Mechanismus der peripheren Immunaktivierung

Die im Fachjournal Nature Neuroscience veröffentlichten Ergebnisse legen dar, dass bestimmte Immunzellen, sogenannte CD8+-T-Zellen, für die Zerstörung von Nervengewebe mitverantwortlich sind. Den Untersuchungen zufolge erhalten diese T-Zellen ihre Instruktionen jedoch nicht im Gehirn selbst, sondern in den tiefen zervikalen Lymphknoten im Halsbereich.

In diesem Prozess fungieren spezielle dendritische Zellen, die als cDC1-Zellen identifiziert wurden, als Vermittler. Durch ein Verfahren, das als Cross-Presentation bezeichnet wird, bereiten diese cDC1-Zellen die CD8+-T-Zellen auf ihre spätere Aktivität vor.

Erst nach dieser Prägung wandern die T-Zellen in das Gehirn ein, wo sie schließlich Entzündungsprozesse und Gewebeschäden auslösen. Dieser Befund legt nahe, dass die Fehlsteuerung des Immunsystems bereits in der Peripherie beginnt, bevor die pathologischen Auswirkungen im Gehirn manifest werden.

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Erkenntnisse aus Modellversuchen zur Neurodegeneration

Das Forschungsteam der Washington University führte Versuchsreihen an Mäusen durch, die eine sogenannte Tau-Pathologie aufwiesen. Diese zeichnet sich durch die Bildung von Tau-Fibrillen aus, die als ein wesentliches Merkmal von Alzheimer gelten. Durch die gezielte Blockade oder Ausschaltung der cDC1-Zellen in den Versuchstieren konnten die Wissenschaftler die Anzahl der CD8-T-Zellen im Gehirn signifikant verringern.

Ein zentrales Ergebnis dieser Versuche war die deutliche Reduktion von Neuroinflammation und Neurodegeneration. Bemerkenswert ist dabei die Beobachtung, dass die Menge der Tau-Ablagerungen im Gehirn der Tiere weitgehend unverändert blieb.

Trotz der fortbestehenden Eiweißablagerungen blieben die kognitiven Fähigkeiten der Mäuse erhalten, da die durch das Immunsystem vermittelten Folgeschäden minimiert wurden. Die Eliminierung der cDC1-Zellen oder die gezielte Störung der Cross-Presentation erwiesen sich somit als wirksame Hebel, um den krankhaften Abbau von Nervenzellen zu begrenzen.

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Neue Strategien für die therapeutische Entwicklung

Die Entdeckung dieses peripheren Immunwegs eröffnet neue Möglichkeiten für die pharmazeutische Forschung. David Holtzman wies darauf hin, dass die Identifizierung peripherer Immunzellen als Zielstruktur die Entwicklung künftiger Medikamente vereinfachen könnte. Ein wesentlicher Vorteil bestünde darin, dass ein entsprechender Therapieansatz unter Umständen nicht darauf angewiesen wäre, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.

Diese Barriere stellt für viele herkömmliche Wirkstoffe ein Hindernis dar, da sie den Übergang von Substanzen aus dem Blutkreislauf in das Gehirngewebe stark reglementiert. Sollte es gelingen, die Aktivierung der T-Zellen bereits in den Lymphknoten zu unterbinden, könnten Behandlungen direkt im peripheren Immunsystem ansetzen.

Die künftige Forschung wird nun prüfen müssen, inwieweit sich diese bei Mäusen beobachteten Mechanismen auf den Menschen übertragen lassen und welche Wirkstoffklassen für eine gezielte Beeinflussung der cDC1-Zellen infrage kommen.

Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „Immunreaktion bei Alzheimer startet außerhalb des Gehirns“

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