Alzheimer, Hörgeräte

Alzheimer: Hörgeräte und Grippeimpfung senken Risiko um bis zu 55%

01.07.2026 - 09:40:15 | boerse-global.de

Omega-3-Präparate zeigen in Studie keinen Schutz vor Alzheimer. Bewegung, Impfungen und neue Antikörper-Therapien bieten wirksame Alternativen.

Demenzrisiko senken: Neue Studien zu Ernährung, Bewegung & Medikamenten
Alzheimer - Nahaufnahme einer Hand, die eine Fischölkapsel hält, mit einem unscharfen Hintergrund aus gesunden Lebensmitteln. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigen aktuelle Studien und Expertenanalysen aus dem Juni 2026.

Omega-3-Präparate enttäuschen in Studie

Fisch gilt als Gehirnnahrung – doch Nahrungsergänzungsmittel liefern nicht, was sie versprechen. Eine Studie der Keck Medicine (USC) in der Fachzeitschrift eBioMedicine stellt den Nutzen hochdosierter Omega-3-Präparate infrage.

365 Probanden zwischen 55 und 80 Jahren mit erhöhtem Alzheimer-Risiko nahmen über zwei Jahre täglich 2.000 mg DHA. Obwohl die Fettsäure im Liquor um 17 Prozent anstieg, zeigten sich keine Verbesserungen bei Gedächtnis- oder Denktests. Auch die Schrumpfung des Hippocampus wurde nicht verlangsamt.

Studienleiter Dr. Hussein Naji Yassine betont: Die Ergebnisse stützen die Verwendung von Supplementen zur Alzheimer-Prävention nicht. Vorteile seien eher durch eine mediterrane Ernährung zu erwarten.

Gleichzeitig warnten Forscher im Juni 2026 in Nature Metabolism vor anderen Präparaten. Eine Analyse mit 66.000 Probanden zeigte: Glucosamin erhöht das Demenzrisiko um 25 Prozent.

Bewegung und geistige Fitness als Schutzschild

Körperliche Aktivität bleibt eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Studien belegen: Ein sechsmonatiges Training mit drei Einheiten pro Woche kann den Hippocampus messbar vergrößern.

Weitere Faktoren senken das Risiko zusätzlich:

  • Guter Schlaf: Non-REM-Schlaf festigt Erinnerungen
  • Hörgeräte: Sie senken das Demenzrisiko um 23 Prozent
  • Computer-Nutzung: Regelmäßige Internetnutzung verlangsamt den geistigen Verfall um etwa ein Viertel
  • Soziale Kontakte: Professor David Pedrosa aus Marburg hebt ihre Bedeutung hervor
Anzeige

Während Bewegung und soziale Kontakte das Demenzrisiko senken, können auch gezielte Alltagsübungen die geistige Fitness bis ins hohe Alter erhalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische Methoden, mit denen Sie Ihr Gedächtnis und Ihre Konzentration nachhaltig stärken. Diese 11 Alltagsübungen halten Ihr Gehirn fit

Neue Antikörper-Therapien verfügbar

Seit Juni 2026 stehen mit Lecanemab und Donanemab zwei neue Antikörper-Therapien zur Verfügung. Sie zielen auf die Reduktion von Amyloid-Plaques im Gehirn. In Deutschland kommen schätzungsweise 120.000 der rund 1,2 Millionen Alzheimer-Patienten für diese Behandlungen infrage.

Auch Impfungen zeigen protektive Nebeneffekte. Eine Untersuchung aus Wales belegt: Die Gürtelrose-Impfung Shingrix senkt das Demenzrisiko über sieben Jahre um 20 bis 24 Prozent. Grippeimpfungen werden sogar mit einer Risikoreduktion von 40 bis 55 Prozent in Verbindung gebracht.

Diabetes-Medikamente wie SGLT2-Inhibitoren (-43 Prozent) und GLP-1-Agonisten (-33 Prozent) zeigen ebenfalls signifikante Effekte. Dagegen erhöhen Anticholinergika (+54 Prozent) und Protonenpumpenhemmer (+44 Prozent) das Risiko.

KI-Scans erkennen Risiken Jahre im Voraus

Die Früherkennung von Demenz wird zum Milliardenmarkt. Von 2,65 Milliarden USD im Jahr 2023 soll er bis 2033 auf 9,4 Milliarden USD anwachsen. KI-gestützte Netzhautscans können Risiken bereits bis zu 8,55 Jahre vor den ersten Symptomen identifizieren.

Moderne Bluttests von Herstellern wie Roche oder Eli Lilly erreichen eine Genauigkeit von über 90 Prozent beim Nachweis von Biomarkern wie pTau217.

Anzeige

Da viele Betroffene erste geistige Veränderungen oft erst spät bemerken, wird eine frühzeitige Abklärung immer wichtiger. Mit diesem kostenlosen 60-Sekunden-Test können Sie Ihre aktuelle Leistungsfähigkeit sofort online einschätzen und erhalten direkt eine Auswertung. Können Sie dieses kurze Gehirnjogging-Spiel fehlerfrei abschließen?

Trotzdem bleibt die diagnostische Lücke groß: In Deutschland haben rund 60 Prozent der Demenzkranken keine fachärztliche Diagnose. Angesichts jährlicher Kosten von über 80 Milliarden Euro fordern Experten eine frühzeitige Abklärung.

Forscher verjüngen Mitochondrien – im Labor

Einen neuen Ansatz für künftige Therapien lieferten Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena. In Nature Communications zeigen sie: Die Gabe von Phosphatidylcholin (PC) oder Cholin kann gealterte Mitochondrien innerhalb von zwei Tagen in einen jüngeren Zustand zurückversetzen.

Die Studie an Fadenwürmern und menschlichen Zellkulturen zeigt: Sinkende PC-Spiegel – besonders drastisch bei Frauen während der Menopause – korrelieren mit mitochondrialer Fragmentierung und nachlassender Gedächtnisleistung. Höhere PC-Werte gingen hingegen mit besserem Gedächtnis und schnellerem Gehtempo einher.

de | wissenschaft | 69666124 |