Alzheimer, Hochdosis-Grippeimpfstoff

Alzheimer: Hochdosis-Grippeimpfstoff senkt Risiko um 55 Prozent

25.05.2026 - 22:30:49 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt: Die vierfache Antigendosis im Grippeimpfstoff könnte Alzheimer-Diagnosen bei Senioren um über die Hälfte reduzieren.

Alzheimer: Hochdosis-Grippeimpfstoff senkt Risiko um 55 Prozent - Bild: über boerse-global.de
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Besonders Frauen profitieren.

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Signifikanter Schutz fürs Gehirn

Die Universität Texas in Houston (UTHealth) hat die Gesundheitsdaten von fast 200.000 Versicherten über 65 Jahren ausgewertet. Das Ergebnis: Wer den Hochdosis-Impfstoff erhielt, hatte innerhalb von zwei Jahren ein um knapp 55 Prozent geringeres Risiko für eine Alzheimer-Diagnose.

Zum Vergleich: Die Standarddosis senkte das Risiko in einer früheren Studie um etwa 40 Prozent über vier Jahre. Im direkten Vergleich bietet die Hochdosis-Variante eine zusätzliche relative Risikominderung von rund 20 Prozent.

Besonders stark war der Effekt in den ersten 25 Monaten nach der Impfung. Statistisch gesehen müssen 185 Senioren mit dem Hochdosis-Impfstoff geimpft werden, um einen zusätzlichen Alzheimer-Fall zu verhindern.

Wie schützt eine Grippeimpfung vor Demenz?

Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Ein zentraler Ansatz: Die Impfung verhindert schwere Grippeverläufe mit massiven Entzündungsreaktionen. Chronische Entzündungen gelten als Treiber für Alzheimer-typische Ablagerungen im Gehirn.

Ein zweiter Mechanismus betrifft die Mikroglia – die Immunzellen des Gehirns. Die Impfung versetzt sie in einen Zustand, in dem sie schädliche Abfallprodukte wie Beta-Amyloid effektiver abbauen. Da der Hochdosis-Impfstoff die vierfache Antigenmenge enthält, fällt diese Aktivierung stärker aus.

Auffällig: Der Schutzeffekt war bei Frauen stärker und konsistenter als bei Männern. Während Frauen über den gesamten Zeitraum profitierten, zeigten sich bei Männern stabile Effekte erst zwischen dem 17. und 24. Monat nach der Impfung.

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Was empfiehlt die STIKO?

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlungen für die Saison 2025/2026 angepasst. Für Personen ab 60 Jahren empfiehlt sie nun entweder einen Hochdosis-Impfstoff oder einen adjuvantierten Impfstoff mit Wirkverstärker. Beide gelten als gleichwertig.

Der Grund: Mit zunehmendem Alter lässt die Immunleistung nach – die sogenannte Immunseneszenz. Standardimpfstoffe führen bei Senioren oft nicht zu ausreichender Antikörperbildung. Die Hochdosis-Vakzine enthalten 60 Mikrogramm Antigen pro Virusstamm statt der üblichen 15.

Trotz der Empfehlungen bleiben die Impfquoten niedrig. In der Saison 2021/2022 ließen sich nur etwa 43 Prozent der über 60-Jährigen gegen Grippe impfen. Dabei waren allein in der Saison 2023/2024 über 62.000 Senioren mit Grippe hospitalisiert.

Was bedeutet das fürs Gesundheitssystem?

Die potenziell demenzverzögernde Wirkung hat enorme gesundheitsökonomische Bedeutung. In Deutschland gibt es jährlich rund 330.000 Alzheimer-Neuerkrankungen. Schon eine Verzögerung der Diagnose um Monate würde Pflegekapazitäten entlasten und Lebensqualität verbessern.

Kritische Stimmen geben jedoch zu bedenken: Die kurzfristigen Effekte sprechen eher gegen eine grundlegende Veränderung des Krankheitsverlaufs. Wahrscheinlicher ist, dass die Impfung verhindert, dass schwere Infektionen eine bereits schwelende Demenz erst klinisch sichtbar machen.

Die „Number Needed to Treat“ von 185 bleibt dennoch attraktiv. Im Vergleich zu hochpreisigen Antikörper-Therapien, die nur bei wenigen Patienten anwendbar sind, ist die jährliche Grippeimpfung eine kostengünstige Präventionsmaßnahme für die breite Bevölkerung.

Impfungen als Baustein der Gehirngesundheit

Die Forschung beschränkt sich längst nicht mehr auf Grippeimpfungen. Studien deuten darauf hin, dass auch Vakzine gegen Gürtelrose, Pneumokokken und Tetanus-Diphtherie mit einem verringerten Demenzrisiko korrelieren.

Für die kommenden Jahre sind Kombinationsstudien geplant. Die Frage: Kann die kumulative Wirkung regelmäßiger Impfungen über Jahrzehnte den kognitiven Abbau noch effektiver bremsen? Daten zeigen bereits: Das Demenzrisiko war am geringsten bei jenen, die über viele Jahre lückenlos ihren Impfschutz aktualisiert hatten.

Die Integration der Grippeimpfung in Programme zur Gehirngesundheit könnte sich als zentraler Baustein der Altersmedizin etablieren.

de | wissenschaft | 69417668 |