Alzheimer-Gentherapie, Bristol

Alzheimer-Gentherapie: Bristol wandelt Risikogen APOE4 in APOE3 um

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bristoler Forscher änderten APOE4 in menschlichen Immunzellen zu APOE3; Sicherheit und Wirkung beim Menschen sind noch ungeklärt.
Laborausstattung mit Petrischalen und Laborgeräten in einer sterilen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der Alzheimer-Forschung eröffnet die gezielte Veränderung von Risikogenen neue Perspektiven. An der Universität Bristol ist es einem Forschungsteam gelungen, in menschlichen Zellen im Labor das bekannte Risikogen APOE4 in die risikoärmere Variante APOE3 umzuwandeln.

Wie Studienleiter Dr. Kevin Kemp darlegte, unterscheidet sich die Variante im genetischen Code lediglich um einen einzigen Buchstaben. Diese Laborarbeit markiert einen neuen Ansatzpunkt für präventive und therapeutische Strategien.

Molekularer Eingriff in menschlichen Immunzellen

Die erfolgreiche Umwandlung gelang den Wissenschaftlern in Immunzellen, die aus dem Blut von Alzheimer-Patienten mit der Genvariante APOE4 isoliert wurden. Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass die übrigen Gene durch den molekularen Eingriff kaum beeinflusst wurden, was auf eine mögliche Sicherheit des Verfahrens hindeutet. Allerdings sind die Ergebnisse bislang noch nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht worden.

Die Relevanz des Ziels ergibt sich aus der epidemiologischen Verbreitung des Gens: Etwa jeder vierte Mensch trägt mindestens eine Kopie von APOE4, während etwa jede fünfzigste Person zwei Kopien besitzt. Das Vorhandensein einer einzelnen Kopie verdoppelt das Alzheimer-Risiko im Vergleich zum Durchschnitt in etwa, während zwei Kopien mit einem rund zehnfachen Risiko einhergehen.

In Großbritannien macht die Alzheimer-Krankheit circa 60 Prozent der rund eine Million erfassten Demenzfälle aus. Ein entsprechender Gentest auf APOE4 ist im staatlichen Gesundheitssystem NHS derzeit jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen verfügbar, etwa bei einer familiären Vorbelastung.

Klinische Perspektiven und methodische Grenzen

Als langfristiges Ziel der Forschungsarbeiten formuliert das Team der Universität Bristol eine einmalige Injektion direkt in den Blutkreislauf. Nach Angaben der Universität könnte eine künftige klinische Anwendung über eine solche Blutgabe erfolgen, um die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen und das gesamte Gehirn zu erreichen.

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Bis zu einer möglichen Erprobung liegt jedoch noch ein weiter Weg vor der Methodik: Klinische Studien an Menschen sind erst in 5 bis 10 Jahren geplant.

Fachleute mahnen deshalb zur Zurückhaltung bei der Bewertung der unmittelbaren Tragweite. Dr. Richard Oakley von der Alzheimer's Society wies darauf hin, dass es sich bislang um eine reine Laborstudie handele. Sowohl die Sicherheit als auch die tatsächliche Wirksamkeit des Ansatzes am Menschen seien gegenwärtig noch völlig unbekannt.

Erweiterte Erkenntnisse über die genetische Architektur

Die Entwicklungen in Bristol stehen im Kontext intensivierter Bemühungen, das genetische Fundament neurodegenerativer Erkrankungen besser zu verstehen. Prognosen zufolge könnte die Zahl der Demenzfälle weltweit bis zum Jahr 2050 auf mehr als 150 Millionen ansteigen.

In einer groß angelegten internationalen Assoziationsstudie unter Leitung von Danielle Posthuma an der Vrije Universiteit Amsterdam wurden Daten von rund 2,8 Millionen Personen analysiert, darunter 109.479 diagnostizierte Fälle sowie 74.141 sogenannte Proxy-Fälle. Diese Multi-Ancestry-Analyse identifizierte 118 Loci sowie neun weitere in herkunftsspezifischen Analysen, von denen 48 zuvor unbekannt waren.

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Neue Risikogene wie SYK und KEAP1 wurden als potenzielle therapeutische Zielstrukturen priorisiert. Das entwickelte Modell erklärt etwa 17 bis 18 Prozent der individuellen Risikounterschiede, wobei die Forscher betonen, dass statistische Assoziationen zwar Ansatzpunkte für pharmazeutische Partner wie Regeneron bieten, aber noch keinen direkten Kausalitätsnachweis darstellen.

Für bereits erkrankte Patienten bedeuten diese genetischen Ansätze zwar keinen sofortigen Nutzen, sie bilden jedoch das Fundament für künftige risikobasierte Vorhersagen und zielgerichtete Interventionen.

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