Alzheimer-Früherkennung: Neue Bluttests erreichen über 90% Genauigkeit
21.06.2026 - 09:23:50 | boerse-global.de
Der Weg zur Feststellung dauert im Schnitt 3,5 Jahre. Angesichts von Prognosen, wonach die Zahl der Demenzfälle in Deutschland bis 2060 auf 2,1 Millionen steigen könnte, gewinnen neue Früherkennungsverfahren an Bedeutung.
Hochpräzise Bluttests erreichen Marktreife
Im Frühjahr 2026 erhielt Roche in Kooperation mit Eli Lilly die CE-Kennzeichnung für den Elecsys pTau217-Bluttest. Das Verfahren misst das phosphorylierte Tau-Protein 217 und weist eine Amyloid-Pathologie nach. Es gilt als minimalinvasive Alternative zu PET-Bildgebung oder Liquor-Diagnostik und ist speziell für die Primär- und Sekundärversorgung entwickelt.
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Mitte Juni 2026 folgte die HISCL-Plattform von Sysmex. Das System analysiert Biomarker wie p-Tau217 und das Amyloid-Verhältnis (A?42/40) aus einer Standard-Blutprobe – und das innerhalb von 17 Minuten. Validierungsstudien des Amsterdam UMC und des Sant Pau in Barcelona bescheinigen dem Verfahren eine Genauigkeit von über 90 Prozent. Das Amyloid-Verhältnis ist bereits CE-IVD-zertifiziert, die p-Tau217-Messung befindet sich noch in der klinischen Validierung. In Deutschland sind bis zu drei solcher Tests pro Quartal über den EBM abrechenbar.
KI und Netzhaut-Analysen als neuer Ansatz
Auch KI-gestützte Verfahren gewinnen an Fahrt. Ein im Juni 2026 vorgestellter Bluttest der Washington University erreichte eine Genauigkeit von 92,3 Prozent. Darüber hinaus bietet die Untersuchung der Netzhaut neue Möglichkeiten. Eine Studie der University of Florida nutzte die KI-Analyse von über 60.000 Retina-Fotos. Die Forscher identifizierten verengte Kapillargefäße und eine Ausdünnung der Nervenschichten als Indikatoren – Jahre vor dem Auftreten erster Symptome.
Forscher der Universität Málaga wiesen im Journal of Neuroinflammation nach, dass gealterte (seneszente) Astrozyten zentrale Treiber der Krankheit sind. Bei Trägern der Genvariante APOE4 machen diese Zellen bis zu 80 Prozent der seneszenten Zellen im Kortex aus. Eine Analyse in Nature Medicine ergab: Eine extreme Alterung dieser Zellen verdreifacht das Erkrankungsrisiko bei genetisch Vorbelasteten.
Diabetes-Medikamente und Lebensstil als Schutzfaktoren
Langzeitdaten einer NIH-Studie, publiziert im Juni 2026 in JAMA, zeigen einen Zusammenhang zwischen Diabetes-Medikamenten und Demenzrisiko. SGLT2-Inhibitoren senkten das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent. Auch eine Impfung gegen Gürtelrose könnte schützen: Das allgemeine Demenzrisiko sinkt um 24 Prozent, der Effekt tritt etwa ein Jahr nach der Immunisierung ein.
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Eine japanische Untersuchung mit rund 11.000 Senioren liefert Hinweise, dass regelmäßiges Kochen das Demenzrisiko bei Männern um 23 Prozent und bei Frauen um 27 Prozent senken kann. Andere Supplemente enttäuschten: Eine Doppelblindstudie mit 365 Teilnehmern zeigte keinen kognitiven Nutzen durch DHA-Fischöl.
Warnsignal Glucosamin
Vorsicht ist bei Glucosamin geboten. Laut einer im Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichten Beobachtungsstudie der University of Florida erhöht die regelmäßige Einnahme das Alzheimer-Risiko bei Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) um 25 Prozent. Auch das Sterberisiko bereits erkrankter Patienten korrelierte mit der Einnahme des Präparats.
