Alzheimer-Früherkennung, Netzhaut-Scans

Alzheimer-Früherkennung: Netzhaut-Scans mit über 80% Genauigkeit

27.05.2026 - 06:08:15 | boerse-global.de

Thyra Imaging nutzt Astronomie-Technik für Netzhautscans zur frühen Alzheimer-Diagnose. KI erreicht über 80 Prozent Genauigkeit.

Alzheimer-Früherkennung: Netzhaut-Scans mit über 80% Genauigkeit - Foto: über boerse-global.de
Alzheimer-Früherkennung: Netzhaut-Scans mit über 80% Genauigkeit - Foto: über boerse-global.de

Thyra Imaging nutzt eine Technik aus der Astronomie, um Veränderungen der Netzhaut auf zellulärer Ebene sichtbar zu machen. Das Ziel: Demenz Jahre vor den ersten Symptomen erkennen.

Derzeit sind in Österreich rund 170.000 Menschen betroffen. Bis 2050 könnte die Zahl auf 300.000 steigen. Der Bedarf an kostengünstigen, nicht-invasiven Screening-Methoden wächst massiv. Bisher wird Demenz oft erst diagnostiziert, wenn die kognitiven Symptome bereits deutlich sind.

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Vom Weltraum ins Auge

Thyra Imaging ist eine Ausgründung der Medizinischen Universität Wien. Das Unternehmen wurde im März 2026 gegründet. Die Technologie basiert auf der Adaptiven Optik (AO) – ursprünglich entwickelt, um atmosphärische Störungen bei Weltraumbeobachtungen auszugleichen.

In der medizinischen Anwendung macht das Verfahren Veränderungen der Netzhaut auf zellulärer Ebene sichtbar. Eine KI analysiert die hochauflösenden Bilder und erkennt neurodegenerative Prozesse. Das Start-up erhielt bereits eine PreSeed-Förderung durch die Austria Wirtschaftsservice GmbH sowie Unterstützung der MedUni Wien.

Die Technologie soll an klinische Forschungszentren und Pharmaunternehmen vermarktet werden. Beim Connect Day wurde Thyra Imaging in der Kategorie Medtech und Life Sciences ausgezeichnet.

Netzhaut-Scans mit über 80 Prozent Genauigkeit

Internationale Studien untermauern den Ansatz. Die optische Kohärenztomografie-Angiografie (OCT-A) liefert signifikante Hinweise auf Alzheimer. Forschungsergebnisse aus dem Mai 2026 zeigen: Mikrozirkulationsstörungen in der Netzhaut sind oft sichtbar, bevor erste Symptome auftreten.

Ein KI-Modell erreichte bei der Analyse von Netzhautfotos eine Genauigkeit von über 80 Prozent. Das könnte bedeuten: Routine-Augenuntersuchungen werden künftig zum Multi-Krankheits-Screening. Auch Osteoporose ließe sich so möglicherweise erkennen.

Bluttests auf dem Vormarsch

Neben den Augenscans gewinnen neue Bluttests an Bedeutung. Ein Test namens 5ADCSI nutzt die xMAP-Technologie, um fünf verschiedene Alzheimer-Biomarker zu identifizieren – darunter Amyloid-Beta-Varianten und phosphoryliertes Tau-Protein.

Das Ziel der Forscher: ein kostengünstiges Screening, das in der Anwendung mit Cholesterintests vergleichbar ist.

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Parallel dazu werden klassische kognitive Tests digitalisiert. Der Uhrentest, bei dem Patienten eine Uhrzeit zeichnen müssen, hat bereits eine Genauigkeit von 85 Prozent. Neue digitale Versionen messen zusätzlich Stiftdruck und Bewegungsabläufe. Auch die Analyse der Handschrift auf Tablets wird als potenzieller Marker diskutiert.

KI-basierte Pflaster überwachen kontinuierlich Vitalparameter wie Herzfrequenz und Atmung. Sie liefern Daten für eine ganzheitliche Risikoanalyse.

Immunzellen und Bakterien als Schlüssel

Die Grundlagenforschung macht ebenfalls Fortschritte. Forscher der Universität Leipzig entdeckten mithilfe der CODEX-CNS-Mikroskopie eine unbekannte Population von Immunzellen. Diese HPAM genannten Zellen konzentrieren sich um die charakteristischen Amyloid-Plaques. Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler 16 verschiedene Mikroglia-Cluster – neue Ansatzpunkte für Immuntherapien.

Ein weiterer Forschungszweig untersucht den Zusammenhang zwischen Infektionen und Demenz. Das Zahnfleischerreger-Bakterium Porphyromonas gingivalis kann das Alzheimer-Risiko um das Sechsfache erhöhen. Es aktiviert Signalwege, die einen eisenabhängigen Zelltod in den Mikrogliazellen auslösen. Im Januar 2026 wurde eine spezielle Zahnpasta vorgestellt, die diesen Erreger blockieren soll.

Statine als Schutzfaktor

Eine Meta-Analyse von 55 Studien mit über sieben Millionen Patienten liefert neue Erkenntnisse zur präventiven Wirkung von Statinen. Die Einnahme der Cholesterinsenker korreliert mit einem um 14 Prozent geringeren Demenzrisiko.

Besonders Rosuvastatin zeigt Wirkung: Es senkt das Alzheimer-Risiko um 28 Prozent. Bei einer Langzeiteinnahme von mehr als drei Jahren sinkt das Risiko sogar um 63 Prozent.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die späte Diagnose belastet die Gesundheitssysteme enorm. Technologien wie die von Thyra Imaging könnten teure PET-Scans oder Liquor-Untersuchungen ersetzen. Gleichzeitig optimieren sie die Patientenrekrutierung für klinische Studien.

Die integration von KI macht die Diagnostik skalierbar. Im 23. Wiener Gemeindebezirk wird bereits an einer demenzfreundlichen Infrastruktur gearbeitet. Projekte wie die „Digitale Überweisung“ im Burgenland beschleunigen den Informationsfluss zwischen Ärzten und Kliniken.

Lebensstilfaktoren bleiben entscheidend. Bewegung, Schlaf und Ernährung beeinflussen das Risiko. Eine Langzeitstudie des Karolinska Institutet zeigt: Blutarmut in Verbindung mit dem Biomarker p-tau 217 signalisiert ein erhöhtes Demenzrisiko.

Von der Früherkennung zur Heilung?

Die Therapieforschung macht parallel Fortschritte. Forschern des IBEC Barcelona gelang es, Amyloid-Plaques bei Mäusen innerhalb kürzester Zeit zu reduzieren. Supramolekulare Nanopartikel entfernten 50 bis 60 Prozent der Plaques. Ältere Tiere zeigten danach wieder die kognitive Leistungsfähigkeit junger Mäuse.

Ob sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, müssen klinische Studien zeigen. Auf dem Milan Longevity Summit im Mai 2026 präsentierte Professor Alessio Lanna zudem Forschung zu CD4-T-Lymphozyten. Diese Zellen können Telomere auf andere Zellen übertragen und Alterungsprozesse verlangsamen.

Erste immunologische Anti-Aging-Therapien könnten in etwa f?nf Jahren verfügbar sein. Die Kombination aus hochpräziser Früherkennung und neuartigen Therapien könnte die Behandlung von Demenz in der nächsten Dekade grundlegend verändern.

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