Alzheimer-Früherkennung: KI-System DementAI erkennt zwei Jahre früher
30.05.2026 - 02:23:30 | boerse-global.deNeue Studien und Technologien aus dem ersten Halbjahr 2026 zeigen: KI, Augenscans und Online-Plattformen könnten die Diagnose verbessern und Angehörige entlasten.
Plattform gegen die Trauer vor dem Verlust
Eine US-Studie im Fachjournal JAMA Network Open hat eine digitale Plattform für gemeinsame Erinnerungsarbeit getestet. Das Ergebnis: Die Nutzung reduziert die sogenannte antizipatorische Trauer – den Trauerprozess, der schon vor dem Tod des Erkrankten einsetzt. Durch die strukturierte Aufarbeitung gemeinsamer Erinnerungen werde die psychische Widerstandsfähigkeit gestärkt, so die Forscher.
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KI erkennt Alzheimer zwei Jahre früher
Das britische Beratungsunternehmen Katalyze Data hat Ende Mai das System „DementAI“ vorgestellt. Es gewann den globalen SAS Hackathon. Die KI analysiert vorhandene Patientendaten – Arztnotizen und Gehirnscans – und soll Alzheimer bis zu zwei Jahre früher erkennen als bisherige Verfahren. Zum Datenschutz arbeitet das System auf der SAS Viya-Plattform mit synthetischen Daten.
Auch das Wiener Start-up Thyra Imaging macht Fortschritte: Ein spezieller Augenscan soll Veränderungen auf Zellebene innerhalb von zwei Sekunden sichtbar machen.
Die klassische Forschung liefert ebenfalls neue Belege. Eine Studie der University of California, San Francisco, mit 1.350 Teilnehmenden zeigte: Ein Bluttest auf Amyloid- und Tau-Proteine kann Personen mit deutlich erhöhtem Risiko für raschen kognitiven Verfall identifizieren. Die Ergebnisse erschienen in The Lancet.
Wie hoch der Bedarf an Früherkennung ist, zeigt eine Untersuchung der Universität Leipzig. Bei 19.000 Personen ab 60 Jahren aus Deutschland und Großbritannien erfüllten rund 40 Prozent die Kriterien für subjektive Gedächtnisveränderungen – ein Risikofaktor für Alzheimer.
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Digitale Spiele und Erinnerungskoffer
In der ASB-Tagespflege Eimsbüttel läuft seit dem 28. Mai der „CareTable“ der Senexis GmbH. Das Gerät hat ein 43-Zoll-Touchdisplay und bietet interaktive Bilderreisen, Spiele und Musik. Es soll Menschen mit Demenz und fitte Senioren gleichermaßen kognitiv fördern.
Einen analogen Weg geht die VfB-Stiftung in Stuttgart. Gemeinsam mit Partnern wie der Stadtbibliothek entstanden 21 Erinnerungskoffer mit Memorabilia des VfB Stuttgart. Seit Ende Mai können Angehörige die Koffer in Bibliotheken ausleihen. Über sportliche Identifikation sollen Gespräche und Erinnerungen angeregt werden.
Roboter-Hund und Hologramm als Zukunftsvision
Die Universität Siegen denkt im Projekt „Design Fiction – Pflege im Jahr 2045“ langfristig. Entwickelt wurden Prototypen wie der Roboter-Hund „Chippy“ für Demenzkranke oder das Hologramm-System „HoloCare“. Sie sollen visualisieren, wie Pflege in Zukunft aussehen könnte.
Doch die strukturelle Situation bleibt angespannt. Im Werra-Meißner-Kreis werden über 5.000 von rund 9.600 Pflegebedürftigen ausschließlich von Angehörigen betreut. Kurzzeitpflegeplätze sind knapp, Voranmeldezeiten betragen bis zu sechs Monate. Das Agaplesion Heimathaus in Darmstadt kündigte Ende Mai zudem kurzfristig 16 Plätze in einem beschützten Wohnbereich für Demenzkranke – ein weiteres Zeichen für die prekäre Lage in der stationären Versorgung.
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