Alzheimer-Früherkennung: KI erkennt Demenz mit 68% Genauigkeit
17.06.2026 - 17:30:42 | boerse-global.de
Von KI-gestützter Früherkennung über umfunktionierte Herzmedikamente bis hin zu Psychedelika – die Ansätze könnten die Behandlung von Alzheimer, Schizophrenie und Depression grundlegend verändern.
Herzmedikament zeigt Potenzial bei Schizophrenie
Kognitive Einschränkungen bei Schizophrenie sind bislang kaum behandelbar. Eine im Juni veröffentlichte Studie in Communications Medicine bringt nun ein altes Herzmedikament ins Spiel: Spironolacton.
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Forscher aus Augsburg und München untersuchten den Wirkstoff an 90 Patienten in vier bayerischen Unikliniken. Drei Wochen lang erhielten die Probanden entweder 100 mg oder 200 mg des Medikaments – oder ein Placebo. Die primären Endpunkte erreichten zwar keine statistische Signifikanz. Doch nachträgliche Analysen deuteten auf Vorteile für das Arbeitsgedächtnis hin.
Die Experten vom LMU Klinikum und der Universität Augsburg betonen: Die Ergebnisse sind vorläufig, aber die gute Verträglichkeit macht Mut für weitere Studien mit längerer Behandlungsdauer.
Alzheimer: Früherkennung wird präziser
Im Kampf gegen Demenz setzen Forscher auf immer feinere Diagnoseverfahren. Seit Juni nutzt das belgische UZ Leuven den NeuroExplorer-PET-Scanner im Routinebetrieb. Das Gerät bietet eine zwanzigmal höhere Auflösung als herkömmliche Scanner.
Die Technologie erkennt pathologische Veränderungen im Gehirnstamm und in kleinen Hirnkernen – Jahre bevor erste Symptome von Alzheimer, Parkinson oder ALS auftreten.
Parallel dazu treibt die Industrie Bluttests voran. Sysmex Europe SE hat im Juni eine Plattform für Alzheimer-Biomarker eingeführt. Die Tests messen die Proteine A?42/40 und p-Tau217 und liefern innerhalb von 17 Minuten Ergebnisse. Unabhängige Institute in Amsterdam und Barcelona bestätigten die hohe Genauigkeit.
Künstliche Intelligenz könnte den klinischen Alltag ebenfalls revolutionieren. Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai analysierten mit einer KI 30-sekündige Audio-Ausschnitte aus Arztgesprächen. Bei knapp 1.000 Patienten über 55 Jahren erkannte das System mit 68,2 Prozent Sensitivität etwa zwei Drittel der kognitiv Beeinträchtigten.
Psilocybin: Langzeitwirkung bei Depressionen
Die EPIsoDE-Studie des ZI Mannheim und der Charité liefert neue Langzeitdaten zur psychedelisch unterstützten Therapie. Bei 126 Patienten mit therapieresistenter Depression stabilisierte eine einmalige Gabe von 25 mg Psilocybin in Kombination mit Psychotherapie die antidepressive Wirkung über zwölf Monate.
Der HAMD17-Score – ein Maß für den Schweregrad der Depression – sank nach einem Jahr um durchschnittlich acht Punkte.
Einzelfallberichte in Frontiers in Neuroscience untersuchten zudem den Einsatz von Psilocybin bei einer über 80-jährigen Alzheimer-Patientin im Spätstadium. Nach der Gabe einer spezifischen Pilzsorte zeigten sich vorübergehende kognitive und motorische Verbesserungen. Die beteiligten Forscher aus São Paulo warnen jedoch: Es handelt sich um einen Einzelfall, eine Heilung wurde nicht erzielt.
Neue Wirkstoffe und digitale Helfer
AlzeCure Pharma hat im Juni den planmäßigen Abschluss einer Phase-1b-Studie für den Wirkstoff ACD856 gemeldet. Das Präparat aus der NeuroRestore-Plattform erwies sich als gut verträglich und erreichte die angestrebten Konzentrationswerte in Blut und Liquor. Phase-II-Studien sind noch für dieses Jahr geplant.
Auch die Präventionsforschung liefert neue Erkenntnisse. Eine Studie mit 800.000 Teilnehmern wies auf ein erhöhtes Alzheimer-Risiko bei niedrigem Blutdruck hin. Chinesische Präventionsdaten zeigen dagegen: Gezielte Blutdrucksenkung kann das Demenzrisiko um 15 Prozent reduzieren.
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Im digitalen Bereich erhielt ein Berliner Startup im Juni die Zertifizierung für eine App gegen Einsamkeit als präventive Regelleistung. Die auf kognitiver Verhaltenstherapie basierende Anwendung entstand in Zusammenarbeit mit der HU Berlin. Eine Pilotstudie ergab: Drei Viertel der Nutzer gaben nach vierwöchiger Anwendung eine Verringerung ihres Einsamkeitsgefühls an.
Warum Pausen beim Lernen so wichtig sind
Die Grundlagenforschung liefert eine einfache Erklärung für ein bekanntes Phänomen: In Ruhephasen wiederholt das Gehirn Lerninhalte in vielfach beschleunigter Form – den sogenannten Replay-Mechanismus. Dieser Prozess unterstützt die Verfestigung von Wissen und die Planung künftiger Handlungen.
