Alzheimer-Früherkennung, Geruchstest

Alzheimer-Früherkennung: Geruchstest identifiziert Krankheit 15 Jahre früher

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher der Université Côte d'Azur validieren Geruchstest zur Alzheimer-Früherkennung. Das Verfahren identifiziert Anzeichen bis zu 15 Jahre vor Symptombeginn und zeigt hohe Trennschärfe.

Alzheimer-Früherkennung: Geruchstest erkennt Krankheit bis zu 15 Jahre vor Symptomen
Eine medizinische Fachkraft in einem Labor hält kleine Glasfläschchen für einen Geruchstest zur Alzheimer-Früherkennung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die frühzeitige Identifizierung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer stellt die Medizin vor große Herausforderungen, da pathologische Veränderungen im Gehirn oft Jahrzehnte vor den ersten kognitiven Symptomen einsetzen.

Aktuelle Forschungsansätze konzentrieren sich verstärkt auf den Geruchssinn als biologischen Indikator. Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist das sogenannte TODA-Protokoll (Test Olfactif de Dépistage d’Alzheimer), das am CobTeK-Labor der Université Côte d’Azur entwickelt wurde.

Das TODA-Protokoll und seine klinische Validierung

Das TODA-Verfahren ist als 10- bis 15-minütiger Screening-Test konzipiert, bei dem 14 spezifische Gerüche zur Anwendung kommen. Ziel des Verfahrens ist es, Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung bis zu 15 Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome zu identifizieren. Die wissenschaftliche Grundlage für dieses Protokoll bildet eine Studie, die bereits im Jahr 2022 in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht wurde.

Unter der Leitung von Magali Payne und dem Co-Autor Clair Vandersteen untersuchten die Forscher eine Kohorte von 157 Teilnehmern. Diese setzte sich aus 63 an Alzheimer erkrankten Personen und 94 gesunden Probanden der Kontrollgruppe zusammen.

Den Ergebnissen zufolge war das Testverfahren in der Lage, die beiden Gruppen präzise voneinander zu trennen. Die Untersuchung untermauert die These, dass die Beeinträchtigung des Geruchssinns ein valider Frühindikator ist, da dieser oft 10 bis 15 Jahre – in einigen Fällen sogar 10 bis 30 Jahre – vor den typischen Gedächtnisverlusten auftritt.

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Vergleichende Forschung und methodische Herausforderungen

Die Nutzung des Geruchssinns als Diagnosewerkzeug ist kein neues Feld, war jedoch in der Vergangenheit von Rückschlägen geprägt. So erwies sich der im Jahr 2013 an der University of Florida vorgestellte Erdnussbutter-Test in einer Überprüfung durch die University of Pennsylvania im Jahr 2014 als nicht reproduzierbar.

Im Gegensatz dazu zeigen aktuelle Entwicklungen in verwandten Bereichen eine höhere Stabilität. Am Weizmann Institute entwickelte die Forscherin Michal Andelman-Gur einen separaten Geruchstest für die Parkinson-Krankheit, der eine Genauigkeit von 94 % erreichte.

Da 75 % bis 90 % der Parkinson-Patienten unter Geruchsverlust leiden – oft Jahrzehnte vor motorischen Einschränkungen –, gilt dieser Ansatz als vielversprechend.

Ergänzend dazu untersuchen Wissenschaftler wie Christina Zelano und Andrew Sheriff die physiologischen Grundlagen dieser Ausfälle. Sie stellten fest, dass der Riechkolben beim Wahrnehmen von Düften spezifische Theta-Rhythmen erzeugt, während Gamma-Bursts die Gerüche kodieren. Die Messung dieser Signale mittels Elektroden in der Nasenhöhle könnte künftig eine noch präzisere Früherkennung von Alzheimer und Parkinson ermöglichen.

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Ethische Bewertung und gesellschaftliche Relevanz

Die Notwendigkeit verlässlicher Früherkennungsmethoden wird durch die demografische Entwicklung unterstrichen. Experten wie Dr. Ramassamy weisen darauf hin, dass die Gehirnveränderungen bei Alzheimer lange vor der Diagnose beginnen; allein in Frankreich werden jährlich 200.000 neue Fälle registriert.

Parallel zur technischen Entwicklung rückt die ethische Einordnung der Früherkennung bei symptomlosen Personen in den Fokus der Gesundheitsbehörden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) veröffentlichte im August 2026 einen vorläufigen Bericht, der die ethischen, sozialen, rechtlichen und organisatorischen Aspekte solcher Screenings bewertet.

Die Untersuchung erfolgt im Rahmen des „ThemenCheck Medizin“ und orientiert sich an der Public-Health-Ethik. Interessierte Fachkreise haben laut dem Institut bis zum 11. September 2026 Zeit, zu diesem Bericht Stellung zu nehmen. Diese regulatorische Begleitung unterstreicht die Komplexität, die mit der Diagnose einer bisher nicht heilbaren Krankheit in einem sehr frühen Stadium verbunden ist.

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