Alzheimer-Früherkennung, Bluttest

Alzheimer-Früherkennung: Bluttest sagt Risiko zehn Jahre voraus

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 13:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue pTau217-Bluttests sagen Alzheimer-Risiko bis zu zehn Jahre voraus. WHO aktualisiert Präventionsempfehlungen und Diabetes-Medikamente zeigen Schutzeffekte.

Alzheimer-Bluttests: Früherkennung und neue Präventionsstrategien
Ein Blutröhrchen mit digitalen Daten-Overlays in einem Labor, symbolisiert technologische Fortschritte in der Alzheimer-Diagnostik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Medizin macht einen Sprung nach vorne: Hochpräzise Bluttests können Alzheimer-Risiken erkennen, bevor erste Symptome auftreten. Seit Juli 2026 sind in der EU Tests auf das Protein pTau217 von Herstellern wie Roche, Fujirebio und Beckman Coulter verfügbar. Die Kosten liegen zwischen 100 und 150 Euro. In der Schweiz erhielten die Tests bereits im Mai die CE-Zertifizierung.

Bluttest sagt Risiko zehn Jahre voraus

Eine Studie im Fachmagazin JAMA untermauert das Potenzial. Rund 2.700 kognitiv gesunde Erwachsene im Durchschnittsalter von 70 Jahren wurden untersucht. Der p-tau217-Wert sagte das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen über bis zu zehn Jahre voraus. Bei sehr hohen Werten lag das Risiko einer Beeinträchtigung innerhalb von fünf Jahren bei 38 Prozent – innerhalb von zehn Jahren stieg es auf 78 Prozent. Fachleute betonen: Diese Tests liefern Informationen, die über Hirnscans oder Gentests hinausgehen.

WHO aktualisiert Präventionsempfehlungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Demenz-Präventionsempfehlungen am 15. Juli aktualisiert. Bis zu 45 Prozent der weltweiten Demenzfälle gelten demnach als vermeidbar – wenn beeinflussbare Risikofaktoren angegangen werden. Neu aufgenommen wurden regelmäßige soziale Aktivitäten, die konsequente Nutzung von Hörgeräten bei Hörverlust und die Reduzierung von Luftverschmutzung.

Etablierte Risikofaktoren bleiben Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Schlafstörungen und Depressionen. Die WHO rät von Vitaminpräparaten zur Prävention ab. Langzeitstudien zeigen dagegen die Effektivität der MIND-Diät: Sie kann das Demenzrisiko um bis zu 35 Prozent senken.

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Diabetes-Medikamente senken Alzheimer-Risiko

Auch medikamentöse Strategien rücken in den Fokus – mit überraschenden Ergebnissen. Eine Studie im Juni 2026 im JAMA Network Open mit über 112.000 Teilnehmern zeigt: Diabetes-Medikamente können das Alzheimer-Risiko deutlich senken. SGLT2-Inhibitoren reduzierten das Risiko um bis zu 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent.

In der Schweiz wurde zudem der Antikörper Donanemab für frühe Alzheimer-Stadien zugelassen. Am Kantonsspital Aarau läuft die Behandlung bereits. Das Medikament beeinflusst den Krankheitsverlauf, heilt aber nicht. Biogen lieferte im Juli Daten zur Phase-2-Studie CELIA für den Wirkstoff Diranersen. Bei 60 mg alle sechs Monate verlangsamte sich der klinische Abbau um 26 bis 50 Prozent – obwohl der primäre Endpunkt nicht erreicht wurde.

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Die Diagnostik wird digitaler. Auf einem Fachkongress im Juli wurden Daten zur tabletbasierten Aufgabe „Symbol Swap“ präsentiert. Der zweiminütige Test identifizierte eine pTau-217-Pathologie mit einer Genauigkeit, die etablierte Tests wie MMSE oder MoCA erreicht oder übertrifft. Solche Instrumente könnten künftig die Ausfallraten beim Screening für klinische Studien senken.

Die Infrastruktur wächst parallel. An der LMU München nahm ein neuer PET-Scanner den Betrieb auf. In mehreren Apotheken gibt es bereits Gedächtnis-Checks für Menschen ab 60 Jahren. Das Ziel: die Diagnoserate erhöhen. In der Schweiz erhalten aktuell nur etwa die Hälfte der geschätzt 100.000 Betroffenen eine fachärztliche Diagnose.

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