Alzheimer-Forschung, Nasenspray

Alzheimer-Forschung: Nasenspray mit Plazenta-Zellen reduziert Beta-Amyloid um 53%

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie untersucht Plazenta-Vesikel gegen Alzheimer: Im Mausmodell sanken Amyloidwerte und Entzündungszeichen, doch Humandaten fehlen noch.

Alzheimer-Forschung: Nasale Vesikel zeigen Wirkung im Mausmodell
Eine Nahaufnahme einer sterilen Laborumgebung mit einer Glasschale, die eine biologische Lösung auf einem Metalltisch enthält. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Forschung werden neue Wege zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung untersucht, wobei die intranasale Verabreichung biologischer Wirkstoffe zunehmend in den Fokus rückt.

Eine am 9. September 2026 in der Fachzeitschrift Translational Neurodegeneration (Nature-Gruppe) veröffentlichte Studie der Università Cattolica del Sacro Cuore, der Fondazione Policlinico Universitario A. Gemelli IRCCS und des Centro di Ricerca E. Menni liefert neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit extrazellulärer Vesikel. Die Untersuchung konzentrierte sich auf Vesikel, die aus mesenchymalen Stromazellen der menschlichen Amnionmembran (Plazenta) gewonnen wurden.

Wirkmechanismen und Ergebnisse im präklinischen Modell

Die untersuchten Vesikel wiesen eine Größe von 50 bis 200 Nanometern auf und wurden in der Studie über die Nasenschleimhaut verabreicht. Dieser Weg ermöglicht es Wirkstoffen, die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen.

In einem genetisch veränderten Mausmodell für Alzheimer (3xTg-AD) erhielten weibliche Tiere das Präparat über einen Zeitraum von sechs Monaten, beginnend im Alter von drei Monaten bis zum neunten Lebensmonat. Die Verabreichung erfolgte dabei zweimal pro Woche.

Die Analysen zeigten, dass die Vesikel den Hippocampus erreichten und dort von Neuronen sowie Mikroglia aufgenommen wurden. In der Folge konnten signifikante Verbesserungen der kognitiven Leistungen dokumentiert werden. Die behandelten Tiere schnitten in drei verschiedenen Gedächtnistests deutlich besser ab, insbesondere in den Bereichen Objekt-Wiedererkennung sowie beim räumlichen Gedächtnis und dem Arbeitsgedächtnis.

Auf physiologischer Ebene beobachteten die Forscher der Università Cattolica del Sacro Cuore eine Reduktion der Beta-Amyloid-Belastung im Hippocampus um etwa 53 Prozent. Interessanterweise blieb die Tau-Phosphorylierung, ein weiterer Marker für Alzheimer-Erkrankungen, durch die Behandlung unverändert.

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Untersuchungen an humanen Zellkulturen und neuroinflammatorische Effekte

Neben den Tierversuchen umfasste die Forschungsarbeit Untersuchungen an humanen Zellkulturen. Hierfür wurden Hautbiopsien von drei Alzheimer-Patienten sowie drei gesunden Probanden der Clinica della Memoria am Policlinico Gemelli verwendet.

Aus diesen Hautzellen gewonnene menschliche Nervenzellen zeigten unter dem Einfluss der Vesikel einen schützenden Effekt auf die Neuronenstruktur und die synaptischen Proteine. Dies deutet darauf hin, dass der Ansatz auch bei Zellen von Patienten mit sporadischer Alzheimer-Erkrankung wirksam sein könnte.

Die Studie belegt zudem einen Einfluss auf entzündliche Prozesse im Gehirn. Die Neuroinflammation wurde reduziert, was sich in einer verringerten Aktivierung von Mikroglia und Astrozyten äußerte. Gleichzeitig stiegen die Werte für neurotrophische Faktoren und Proteine wie BDNF, GluA1 und ARC an. Laut den Forschungsergebnissen zeigte sich die Wirkung sowohl in einem präventiven Stadium als auch bei bereits manifesten kognitiven Defiziten.

Einordnung in die globale Forschungslandschaft

Trotz der positiven Ergebnisse betonten Prof. Salvatore Fusco und Prof. Claudio Grassi von der Università Cattolica, dass es sich um präklinische Daten handelt. Aktuell stehe noch keine verfügbare Therapie für den breiten Einsatz bereit, und eine weitere Validierung am Menschen sei zwingend erforderlich.

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Prof. Grassi verwies in diesem Zusammenhang auf frühere Arbeiten der Universität Texas, die sich ebenfalls mit extrazellulären Vesikeln und MicroRNA gegen chronische Entzündungen befassten.

Die Relevanz solcher Forschungsansätze wird durch aktuelle Marktdaten unterstrichen. Laut dem Rapporto Mondiale Alzheimer 2026 befinden sich weltweit 158 mögliche Therapien in insgesamt 192 klinischen Studien in der Prüfung. Davon werden acht Wirkstoffe in einer fortgeschrittenen Phase bis Ende 2026 erwartet.

In Italien leben nach Angaben des Istituto Superiore di Sanità etwa 1,2 Millionen Menschen über 65 Jahren mit Demenz, wovon mindestens 600.000 von einer Alzheimer-Erkrankung betroffen sind. Die Entwicklung minimalinvasiver Applikationsformen wie Nasensprays gilt daher als wichtiger Baustein für künftige Behandlungsstrategien.

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