Alzheimer, ERBB4-Rezeptor

Alzheimer: ERBB4-Rezeptor steuert frühe Proteinablagerungen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine IBS-Studie verknüpft ERBB4 und den mTOR-Weg mit frühen Alzheimer-Veränderungen; Analysen von 446 Hirnproben stützen den Zusammenhang.

Alzheimer-Forschung: ERBB4 als früher Auslöser entdeckt
Mikroskopische Aufnahme eines neuronalen Netzwerks im Hippocampus mit leuchtenden Markierungen auf dunklem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

In der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen rücken die zellulären Mechanismen, die den ersten Gewebeschäden vorausgehen, zunehmend in den Fokus. Eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung des Institute for Basic Science (IBS) vom 26. August 2026 liefert neue Erkenntnisse über die Entstehung der Alzheimer-Krankheit.

Die Forscher identifizierten den Rezeptor ERBB4 in exzitatorischen Hippocampus-Neuronen als zentralen molekularen Schalter, der maßgeblich an der Auslösung typischer Krankheitsmerkmale beteiligt ist.

Früher Treiber multipler pathologischer Veränderungen

Die ERBB4-Expression in exzitatorischen Neuronen – in der Forschungsarbeit als ERENs bezeichnet – fungiert den Ergebnissen zufolge als ein früher Auslöser diverser Alzheimer-Pathologien. Zu den durch den Rezeptor getriebenen Prozessen zählen unter anderem neuronale Hyperaktivität, der Verlust synaptischer Verbindungen, Gliose sowie die fortschreitende Ablagerung von Amyloid-Proteinen im Gehirn.

Als zentraler biochemischer Signalweg hinter diesen zellulären Fehlsteuerungen wurde im Rahmen der IBS-Untersuchung der Signalweg mTOR identifiziert. Über diese Signalkaskade beeinflusst der Rezeptor wesentliche Stoffwechsel- und Aktivitätsmuster der betroffenen Nervenzellen und setzt eine Kette neurodegenerativer Prozesse in Gang.

Anzeige

Wer sich mit der langfristigen Gesundheit des Gehirns befasst, sollte die neuesten Erkenntnisse zur Prävention kennen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische Alltagsübungen, mit denen Sie Ihre geistige Fitness stärken und Demenz gezielt vorbeugen können. 11 Alltagsübungen für geistige Fitness jetzt kostenlos entdecken

Tiermodelle belegen Steuerungsfunktion des Rezeptors

Die funktionelle Bedeutung des Signalwegs überprüfte das Forschungsteam anhand genetischer Interventionen im Tiermodell. Ein gezielter Gen-Knockout von Erbb4 im Hippocampus von Alzheimer-Mäusen führte zu messbaren Verbesserungen: Sowohl die Gedächtnisleistung der Tiere stabilisierte sich als auch die Amyloid-Belastung ging infolge der Deaktivierung zurück.

Im umgekehrten Experiment aktivierten die Wissenschaftler den ERBB4-Rezeptor gezielt in gesunden Mäusen. Dieser Eingriff reichte aus, um typische Symptome der Alzheimer-Krankheit hervorzurufen – und zwar noch bevor sich klassische Amyloid-Plaques im Nervengewebe manifestiert hatten. Dies untermauert die Rolle des Rezeptors als vorgelagerter Treiber, der funktionelle Störungen bereits vor den sichtbaren Eiweißablagerungen auslösen kann.

Anzeige

Oft bleiben frühe Anzeichen für einen kognitiven Abbau im Alltag lange unbemerkt. Mit einem speziell entwickelten 7-Fragen-Selbsttest erhalten Sie in nur zwei Minuten eine anonyme und verständliche erste Einschätzung zur eigenen geistigen Leistungsfähigkeit. Zum kostenlosen 2-Minuten-Selbsttest

Korrelation in humanen Hirnproben

Dass diese Mechanismen auch für den Menschen von hoher Relevanz sind, unterstreicht die Analyse menschlicher Gewebeproben. Das Forschungsteam stützte sich auf Postmortem-Daten von 446 Personen. Die Auswertung zeigte eine deutliche Korrelation: Eine höhere Anzahl von exzitatorischen Neuronen, die ERBB4 exprimieren, ging mit einer größeren Amyloid-Last im Gehirngewebe sowie einer schlechteren kognitiven Leistungsfähigkeit der Betroffenen einher.

Die Identifikation von ERBB4 und des nachgeschalteten mTOR-Signalwegs verdeutlicht, wie eng zelluläre Übererregbarkeit und nachfolgende Proteinablagerungen im Hippocampus miteinander verknüpft sind. Damit liefert die Arbeit einen präzisen molekularen Ansatzpunkt, um die Entstehungsprozesse im Frühstadium der Erkrankung besser zu verstehen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70107271 |