Alzheimer-Diagnose, Bluttest

Alzheimer-Diagnose: Bluttest zeigt Demenz-Risiko 78% nach zehn Jahren

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 12:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

AAIC 2026 zeigt neue Ansätze für Alzheimer: Roche erhält eine FDA-Zulassung, während Biomarker, Tau-PET und KI weiterentwickelt werden.

Alzheimer-Forschung: Bluttests, Bildgebung und KI machen Fortschritte
Ein medizinisches Labor mit einem modernen Analysegerät und einer Blutprobe in einem Reagenzglas. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die internationale Forschungslandschaft zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzformen hat in den vergangenen Monaten bedeutende Fortschritte erzielt.

Im Rahmen der Fachkonferenz AAIC 2026 in London wurden zahlreiche wissenschaftliche Plattformen und klinische Studien vorgestellt, die darauf abzielen, die globale Herausforderung der steigenden Fallzahlen zu bewältigen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Früherkennung durch Biomarker, neuen bildgebenden Verfahren sowie der Identifizierung bisher unbekannter molekularer Regulatoren.

Fortschritte in der Blut-basierten Diagnostik

Ein zentraler Pfeiler der aktuellen Entwicklungen ist die Validierung von Bluttests, die als kostengünstige und minimalinvasive Alternative zu herkömmlichen Verfahren dienen können. Eine in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlichte Studie untersuchte den prädiktiven Wert von p-tau217-Blutwerten bei 2.684 kognitiv unbeeinträchtigten Erwachsenen über einen Zeitraum von bis zu 13,5 Jahren.

Die Ergebnisse zeigen, dass hohe Werte (mehr als 2,5 Standardabweichungen über dem Mittelwert) mit einem Risiko von 38 Prozent nach fünf Jahren und 78 Prozent nach zehn Jahren für eine kognitive Beeinträchtigung korrelieren.

Bei mittleren Werten lag das Risiko nach zehn Jahren bei 45 Prozent. Der p-tau217-Wert lieferte dabei zusätzliche Informationen, die über die Ergebnisse von Amyloid-PET-Scans hinausgingen.

Parallel dazu hat die US-Arzneimittelbehörde FDA im August 2026 den Elecsys pTau217-Plasmatest von Roche zugelassen. Dieser Test, der gemeinsam mit Eli Lilly entwickelt wurde, ist für Erwachsene ab 55 Jahren mit kognitivem Abbau vorgesehen. Er ist der erste zugelassene Einzel-Biomarker-Bluttest, der die Amyloid-Pathologie sowohl bestätigen als auch ausschließen kann.

Das System nutzt die bestehende Infrastruktur von rund 4.500 cobas-Analysegeräten. Schätzungen von Alzheimer's Disease International zufolge sind weltweit etwa 75 Prozent aller Demenzerkrankungen bislang nicht diagnostiziert.

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Ein Team um den chinesischen Professor Jianping Jia vom Xuanwu Hospital präsentierte zudem ein Verfahren, das mittels Echtzeit-Ultraschall-PMCA die Seeding-Aktivität von Plasma-A? nachweist. In einer Validierungskohorte mit 429 Teilnehmern erreichte dieser Test hohe Genauigkeitswerte mit einer Sensitivität bis zu einem Femtomol innerhalb von 24 Stunden. Die entsprechenden Daten wurden Mitte Juni 2026 im Chinese Medical Journal publiziert.

Neue Möglichkeiten in der Bildgebung und molekularen Forschung

Neben der Labordiagnostik erweitern neue bildgebende Mittel die klinischen Möglichkeiten. Die FDA erteilte im August 2026 die Zulassung für Tauklarify (florquinitau F18) der Firma Lantheus Holdings.

Dieses F18-markierte Tau-PET-Bildgebungsmittel dient der Alzheimer-Abklärung bei Erwachsenen mit kognitiven Einschränkungen. Die Zulassung stützt sich auf zwei Studien mit insgesamt 617 Probanden, in denen hohe Übereinstimmungsraten bei der Interpretation der Scans festgestellt wurden.

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Auf molekularer Ebene identifizierte ein koreanisches Team um Jung Won-seok das Protein ERBB4 als potenziellen Schlüsselregulator. In Untersuchungen an Alzheimer-Modellmäusen führte das Entfernen von ERBB4 in bestimmten Neuronen zu einer Reduktion der Amyloid-Plaques um mehr als 50 Prozent und einer Verbesserung der Gedächtnisleistung. Analysen von Hirngewebe von 446 Personen bestätigten, dass erhöhte ERBB4-Werte mit einer stärkeren Plaque-Akkumulation beim Menschen korrelieren.

Datenanalyse und technologische Unterstützung

Die Forschung setzt verstärkt auf großangelegte Datenprojekte. Der Pan-Neurodegeneration Atlas (PanNDA) aggregiert Proteindaten zu sechs großen Gehirnerkrankungen.

Durch die Analyse von über 10.000 Gehirnproteinen konnten Subtypen identifiziert werden, darunter drei für Alzheimer und jeweils vier für die Lewy-Körper-Demenz sowie die frontotemporale Degeneration. Etwa 80 Prozent der untersuchten Proteine waren zuvor noch nicht im Kontext von Neurodegeneration erforscht worden.

Ergänzend dazu werden digitale Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität erprobt. Ein in Kooperation mit SAP und EY entwickelter KI-Prototyp von Memory Lane Games generiert personalisierte Gedächtnisspiele für Patienten. Unter Nutzung von Persona-Profilen werden individuelle Fragen und Bilder erstellt, um soziale Isolation zu verringern.

In Südamerika konzentriert sich das REMEMVER-Projekt auf den Aufbau klinischer Netzwerke. Dr. Andrea Slachevsky und Mauricio Cerda präsentierten auf der AAIC-Konferenz Daten zur Harmonisierung von Gedächtniskliniken in Chile und den Einsatz von maschinellem Lernen zur Charakterisierung von Krankheitsverläufen. Das Projekt wird durch die Alzheimer's Association unterstützt.

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