Alzheimer-Bluttests: Halles Zwei-Schritt-Verfahren trennt ALS genauer ab
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 11:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deForschende der Universitätsmedizin Halle haben einen methodischen Ansatz vorgestellt, der die Aussagekraft von Bluttests bei der Erkennung der Alzheimer-Krankheit erhöhen soll. Wie das Team im Fachjournal Nature Communications darlegt, ermöglicht ein neu entwickeltes Zwei-Schritt-Verfahren eine trennschärfere Abgrenzung von Alzheimer gegenüber anderen neurodegenerativen Erkrankungen.
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist klinisch bedeutsam: Neue medikamentöse Therapien gegen Alzheimer entfalten ihre Wirkung vor allem in frühen Krankheitsstadien und setzen daher eine gesicherte Diagnose voraus.
Spezifische Filterung reduziert diagnostische Verwechslungen
Bislang etablierte Bluttests stützen sich häufig auf die Messung des Biomarkers pTau217. Diese Untersuchungsmethode weist jedoch diagnostische Schwächen auf, da erhöhte Werte nicht ausschließlich bei Morbus Alzheimer auftreten. In den Untersuchungen zeigte sich, dass der herkömmliche pTau217-Test sowohl bei Alzheimer- als auch bei ALS-Patienten anschlägt, was das Risiko von Fehldiagnosen birgt.
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Um diese Verwechslungen zu verhindern, entwickelten die Forschenden der Universitätsmedizin Halle ein zweistufiges Verfahren, das auf einer Antikörper-Anreicherung des gehirneigenen kleinen Tau-Proteins basiert. Durch diesen Schritt wird das relevante Eiweiß gezielt isoliert.
Nach der Filterung blieben die Messwerte ausschließlich bei Proben von Alzheimer-Patienten erhöht. Bei Proben von Personen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) sowie bei gesunden Probanden blieben die Werte hingegen unauffällig.
Validierung an 315 Probanden aus drei Zentren
Die Überprüfung des Verfahrens erfolgte an einer Kohorte von insgesamt 315 Personen. Die dafür analysierten Proben stammten aus Halle, Mannheim und Mailand. Das Teilnehmerfeld setzte sich aus 101 Personen mit Alzheimer, 139 Personen mit ALS sowie 75 Personen in einer Kontrollgruppe zusammen. Innerhalb dieser Studiengruppe arbeitete die selektive Filterung zuverlässig und ermöglichte eine präzise Trennung zwischen den Krankheitsbildern.
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Ergänzung bei unklaren Befunden und Weg zur Praxisreife
Aufgrund dieser Ergebnisse empfehlen die Forschenden das Zwei-Schritt-Verfahren gegenwärtig vor allem als Ergänzung in klinischen Situationen, in denen vorliegende Befunde unklar bleiben.
Bis zu einer regulären Einführung in die klinische Routineversorgung sind jedoch weitere Zwischenschritte notwendig. Voraussetzung für den Praxiseinsatz sind eine umfassende Standardisierung des Verfahrens sowie die Validierung der Ergebnisse in größeren, unabhängigen Patientengruppen.
