Alzheimer-Bluttests, Erkennung

Alzheimer-Bluttests: 15 Jahre frühe Erkennung vor Symptomen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bluttests können Alzheimer-Risiken früher sichtbar machen, während risikobasierte Verfahren und PSMA-PET/CT die Krebsdiagnostik präzisieren.

Früherkennung bei Alzheimer und Krebs: Chancen, Grenzen und neue Tests
Eine medizinische Laborumgebung mit einem einzelnen Röhrchen für Blutproben auf einer glatten Edelstahloberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachgesellschaften und Experten weisen anlässlich des Welt-Alzheimertags und der Nationalen Krebspräventionswoche verstärkt auf die wachsende Bedeutung, aber auch auf die methodischen Grenzen von Früherkennungstests bei neurodegenerativen und onkologischen Erkrankungen hin.

Neue diagnostische Verfahren ermöglichen zwar das Aufspüren von Krankheitsanzeichen in früheren Stadien, werfen jedoch Fragen hinsichtlich Indikation und Konsequenzen auf.

Fortschritte und Grenzen bei Alzheimer-Bluttests

In der Demenzdiagnostik haben labormedizinische Nachweisverfahren in den vergangenen Jahren spürbare Fortschritte verzeichnet. Nach Angaben des Neurologen Christian Bancher vom Rudolfinerhaus Wien können moderne Bluttests krankhafte Veränderungen bis zu 15 Jahre vor dem Auftreten erster Symptome erkennen.

Ein negatives Testergebnis bedeute zudem mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 97 Prozent, dass in den darauffolgenden Jahren kein Demenzbeginn zu erwarten sei.

In Österreich ist seit September 2024 ein erster solcher Bluttest verfügbar, ein zweiter folgte im Juli 2025 und ein dritter wurde im Mai 2026 zugelassen.

Die Tests sind privat zu bezahlen und kosten zwischen 100 und 175 Euro; empfohlen werden sie ab einem Alter von 50 bis 55 Jahren bei einem konkreten Verdacht. Nach Angaben aus Fachkreisen leben in Österreich rund 170.000 Menschen mit Demenz.

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Eng gekoppelt ist die frühe Diagnose an therapeutische Optionen. Die seit 2025 verfügbaren Antikörpertherapien Lecanemab und Donanemab richten sich gegen Plaque-Ablagerungen und kommen für etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen infrage.

Wie die Schön Klinik München Schwabing festhält, wirken diese seit wenigen Monaten in der Europäischen Union zugelassenen Präparate ausschließlich im frühen Erkrankungsstadium; an der Klinik erhält ein 78-jähriger Patient die Medikation seit vier Monaten ohne Nebenwirkungen.

Der Ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Jürgen Herzog, erklärte, die Patienten seien aktiver und nähmen besser am Alltag teil. Eine Heilung bedeute dies zwar nicht, jedoch sei damit erstmals ein direkter Eingriff in den Krankheitsverlauf und eine Verzögerung des Verlusts der Selbstständigkeit um einige Monate möglich.

Ergänzend forscht die Medizinische Universität Graz an Früherkennung und Risikofaktoren. Laut Marisa Koini aus dem Bereich Neuropsychologie und Neuroscience weisen Grazer Wissenschaftler auf einen Zusammenhang von Neurofilamenten mit Veränderungen des alternden Gehirns hin und entwickelten ein Verfahren zur genaueren Bestimmung des Hippocampus-Volumens. Zudem wird auf beeinflussbare Risikofaktoren wie Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Ernährung, Schlaf und soziale Kontakte verwiesen.

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Risikoadaptierte Ansätze in der Krebsfrüherkennung

Parallel zu den Entwicklungen bei neurodegenerativen Erkrankungen rufen Organisationen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft im Rahmen der Nationalen Krebspräventionswoche vom 21. bis 27. September 2026 unter dem Motto „Lass mal checken“ zur Vorsorge auf.

In Deutschland treten jährlich über 500.000 Krebsneuerkrankungen auf, wovon rund ein Drittel Menschen im erwerbsfähigen Alter betrifft. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann betonte in diesem Zusammenhang, dass Krebsvorsorge Leben retten könne.

In der Onkologie gewinnt die individuelle Risikostratifizierung zunehmend an Gewicht. Die Österreichische Ärztekammer und der Urologieverband fordern anlässlich des Europäischen Prostata-Tags ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Früherkennung von Prostatakrebs, das Alter, PSA-Werte sowie familiäre und genetische Faktoren berücksichtigt. Für Männer ab 50 Jahren sowie für definierte Risikogruppen steht der PSA-Test kostenfrei zur Verfügung.

Auch bildgebende Methoden werden präziser: Eine post-hoc-Analyse der Phase-3-RAPID-Studie an der Medizinischen Universität Wien mit 194 Patienten zeigte für die PSMA-PET/CT eine Sensitivität von 91 Prozent, wobei 70 von 77 klinisch signifikanten Karzinomen identifiziert wurden. Bei 91 Prozent der negativen Befunde lag kein relevantes Karzinom vor, während 23 von 24 Fällen mit später aggressivem Verlauf erkannt wurden.

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