Alzheimer-Bluttest: Großstudie mit 15.612 Personen prüft p-tau217
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Früherkennung von Alzheimer steht vor einem grundlegenden Wandel: Blutbasierte Biomarker versprechen, aufwendige und teure bildgebende Verfahren in Zukunft ergänzen oder teils ersetzen zu können. Eine am 12. Oktober 2026 im Fachjournal JAMA Neurology erschienene Großstudie der Keck School of Medicine of USC liefert nun neue Erkenntnisse zur Zuverlässigkeit des Biomarkers p-tau217 in einer diversen weltweiten Kohorte.
Großstudie untersucht Aussagekraft von p-tau217
Das Forschungsteam unter Leitung der korrespondierenden Autorin Doris P. Molina-Henry analysierte Daten von 15.612 kognitiv unbeeinträchtigten Erwachsenen im Alter zwischen 55 und 80 Jahren, deren mittleres Alter bei 68,4 Jahren lag.
Der Frauenanteil belief sich auf 63,7 Prozent, während 36,9 Prozent Träger des Risikogens APOE-?4 waren. Die Teilnehmenden wurden an 106 Forschungsstandorten in Asien, Australien, Europa und Nordamerika zwischen Juli 2020 und Oktober 2024 im Rahmen der Voruntersuchungen für die AHEAD 3-45-Studien mit dem Wirkstoff Lecanemab gescreent.
Im Fokus stand die Frage, wie präzise der prozentuale Anteil von p-tau217 (%p-tau217) im Blut erhöhtes Hirnamyloid anzeigt, das per Positronen-Emissions-Tomographie (PET) erfasst wurde. Die Auswertung zeigte, dass die Beziehung zwischen %p-tau217 und dem PET-Nachweis von Hirnamyloid über unterschiedliche ethnische Gruppen hinweg konsistent ausfiel: Höhere Biomarker-Werte gingen durchgehend mit einer höheren Amyloid-Belastung im Gehirn einher.
Wer sich mit der Bedeutung medizinischer Messwerte für die eigene Gesundheitsvorsorge befasst, kann von einer vertieften Analyse profitieren. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind und wie man sie richtig interpretiert. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen
Gleichzeitig traten jedoch systematische Unterschiede in den absoluten Messwerten auf. So lagen die %p-tau217-Spiegel bei asiatischen und schwarzen Teilnehmenden niedriger als bei weißen Personen, und hispanische Teilnehmende wiesen geringere Werte auf als nicht-hispanische.
Träger des APOE-?4-Gens zeigten generell höhere Spiegel als Personen ohne diese genetische Variante, wenngleich die Effektstärke je nach ethnischer Gruppe variierte.
Zudem unterschied sich der Zusammenhang mit dem kognitiven Testwert PACC5 nach hispanischer Herkunft. Die Autoren weisen auf methodische Einschränkungen hin, darunter das Querschnittsdesign der Untersuchung und das Fehlen genauer Gruppengrößen im Abstract.
Neben klinischen Biomarkern gibt es einfache Möglichkeiten, die eigene geistige Leistungsfähigkeit im Alltag zu prüfen und aktiv zu fördern. Erhalten Sie Gewissheit durch sieben einfache Fragen, die mit Experten entwickelt wurden und Ihnen eine sofortige Einschätzung bieten. Kostenlosen 2-Minuten-Selbsttest hier starten
Gefördert wurde das Projekt von den National Institutes of Health, Eisai, der Alzheimer's Association sowie der GHR Foundation. Teilnehmende, welche die Kriterien für das Screening oder die Amyloid-Grenzwerte nicht erfüllten, werden im Rahmen der APEX-Studie weiter begleitet.
Neuroinflammation und Umwelteinflüsse im Frühstadium
Ergänzend zu den Fortschritten bei blutbasierten Tests rücken Entzündungsprozesse im Gehirn und modifizierbare Umweltrisiken verstärkt in den Fokus. Eine im Fachjournal Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Untersuchung des Barcelona?eta Brain Research Center und der Fundació Pasqual Maragall untersuchte 226 kognitiv gesunde Personen aus der ALFA+-Kohorte im Großraum Barcelona über einen Nachbeobachtungszeitraum von drei Jahren. Die Teilnehmenden wiesen überwiegend eine familiäre Vorbelastung für Alzheimer auf.
Die spanischen Forscher stellten fest, dass eine chronische Exposition gegenüber verkehrsbedingter Luftverschmutzung mit einem Anstieg von Biomarkern für Astrozyten-Reaktivität (GFAP) und Entzündungen (IL-6) im Nervenwasser assoiiert war.
Erfasst wurden Stickoxide sowie die Feinstaubfraktionen PM10 und PM2,5. Bei Frauen erklärte der Anstieg von GFAP je nach Schadstoff und untersuchtem Bereich etwa 5 bis 10 Prozent des Zusammenhangs zwischen höherer Schadstoffbelastung und einer Verschlechterung von Aufmerksamkeit sowie exekutiven Funktionen.
Bemerkenswert ist, dass diese Assoziationen unabhängig vom APOE-?4-Status und den klassischen Alzheimer-Biomarkern Beta-Amyloid und Tau auftraten. Neuroinflammatorische Reaktionen scheinen demnach sehr früh und unabhängig von der Amyloid-Kaskade einzusetzen.
Die Autoren der Studie schränken ein, dass nur wenige männliche Probanden teilnahmen und die Exposition über die jeweilige Wohnadresse geschätzt wurde. Die Bedeutung der Umweltfaktoren unterstrich bereits die Lancet Commission 2024, die Luftqualität zu den 14 modifizierbaren Risikofaktoren zählt und rund 3 Prozent der weltweiten Demenzfälle auf diesen Einflussfaktor zurückführt.
