Alzheimer-Bluttest: Früherkennung bis zu 20 Jahre vor Symptomen
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die australische Arzneimittelbehörde TGA hat am 30. Juli 2026 einen Bluttest zugelassen, der Alzheimer bereits Jahre vor den ersten Symptomen erkennen soll. Der Test weist den Biomarker pTau217 im Blutplasma nach und erreicht laut Experten eine Genauigkeit von über 90 Prozent.
Bluttest erkennt Alzheimer bis zu 20 Jahre früher
Der Test basiert auf dem Nachweis von phosphoryliertem Tau-Protein 217 – einem Indikator für die Bildung von Amyloid-Plaques im Gehirn. Diese Ablagerungen gelten als charakteristisches Merkmal der Alzheimer-Erkrankung.
Gegenüber bisherigen Verfahren wie PET-Scans oder Lumbalpunktionen punktet der neue Ansatz vor allem mit Geschwindigkeit: Die Laborergebnisse liegen bereits nach 18 Minuten vor. Studien zufolge lassen sich krankhafte Veränderungen bis zu 20 Jahre vor den ersten kognitiven Beeinträchtigungen nachweisen. Eine Analyse im Fachjournal JAMA zeigt zudem: Hohe pTau217-Werte sagen ein signifikantes Risiko für künftige kognitive Einschränkungen voraus.
Exzellenzzentrum in Sydney eröffnet
Für die Umsetzung hat die Forschungsorganisation Neuroscience Research Australia (NeuRA) gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche in Sydney das „Asia-Pacific Centre of Excellence for Alzheimer’s Disease Diagnosis“ eröffnet. Das Zentrum dient als Drehkreuz für Testauswertungen und klinische Studien.
Parallel dazu gibt es eine Absichtserklärung mit dem Unternehmen Lilly, um das Gesundheitssystem auf neue Diagnose- und Therapieformen vorzubereiten. Der Hintergrund: Neue Behandlungsansätze wie das Medikament Kisunla (Donanemab), das 2025 die TGA-Zulassung erhielt, setzen eine präzise und frühe Diagnose voraus. In die staatliche Erstattungsliste wurde Kisunla bislang allerdings nicht aufgenommen.
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Drei Jahre bis zur Diagnose – zu lang
Die Notwendigkeit schnellerer Diagnosewege belegen eindrucksvolle Zahlen: 2024 war Demenz mit rund 17.500 Todesfällen eine der führenden Todesursachen in Australien. Für 2026 schätzt man die Zahl der Betroffenen auf etwa 446.500 – Tendenz steigend. Prognosen zufolge könnten es bis 2065 über eine Million sein.
Bisher vergehen im Schnitt drei Jahre bis zu einer gesicherten Diagnose. „Eine frühere Diagnose verschafft Betroffenen wertvolle Zeit für medizinische und persönliche Vorkehrungen“, betont Dr. Anand Vairavan. Auch wirtschaftlich ist die Erkrankung ein schwerer Brocken: Die jährlichen Kosten werden auf 4,7 bis 18 Milliarden Euro geschätzt.
Verantwortungsvoller Start statt Massenscreening
Trotz der Fortschritte mahnen Mediziner zur Vorsicht. Professorin Emma Devenney fordert einen verantwortungsvollen Rollout – der Test soll zunächst bei Patienten mit bestehenden Symptomen eingesetzt werden. Von einem flächendeckenden Screening symptomfreier Menschen raten Experten derzeit ab.
Die Integration in den Praxisalltag nimmt schrittweise Form an:
- Klinische Überweisungen: Fachärzte können voraussichtlich in sechs bis neun Monaten Patienten an das Exzellenzzentrum überweisen.
- Breitere Verfügbarkeit: Ein Zugang über spezialisierte Überweisungen in ganz Australien könnte bis Jahresende stehen.
- Finanzierung: Die Aufnahme in das staatliche System Medicare wird angestrebt, dürfte aber wegen regulatorischer Prozesse dauern.
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Gesundheitsminister Mark Butler spricht von einem „entscheidenden Fortschritt in der Demenzforschung“. Das Ziel: Diagnosezeiten von Jahren auf wenige Wochen verkürzen und damit frühzeitige Therapien ermöglichen. Ob der Test dieses Versprechen hält, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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