Alzheimer-Bluttest: Erkennung bis zu 7 Jahre vor Symptomen
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der Alzheimer bis zu sieben Jahre vor dem Auftreten erster Symptome erkennen kann. Die Methode basiert auf der Messung von Proteinfehlfaltungen und erreicht eine Genauigkeit von bis zu 92 Prozent.
Proteinfehlfaltung schlägt etablierte Marker
Eine Analyse der Ruhr-Universität Bochum und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt: Die Fehlfaltung des Amyloid-?-Proteins ist im symptomfreien Stadium deutlich aussagekräftiger als bisherige Marker. Die Wissenschaftler untersuchten Blutproben von 779 Probanden aus der ESTHER-Kohorte über 17 Jahre.
Der Fehlfaltungsmarker erreichte eine diagnostische Güte (AUC) von 0,79. Zum Vergleich: Der etablierte Marker p-tau 217 lag bei 0,67. Kombinierten die Forscher beide Marker in einem Panel, stieg die Genauigkeit auf einen AUC-Wert von 0,87.
Fachleute sehen in der Proteinfehlfaltung einen der frühesten messbaren Marker im Blut. Allerdings steht die regulatorische Zulassung durch Behörden wie die FDA oder EMA noch aus. Ein breiter klinischer Einsatz ist daher erst in einigen Jahren zu erwarten.
Industrie bringt erste Tests auf den Markt
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Die Kommerzialisierung schreitet parallel voran. Beckman Coulter Diagnostics erhielt Anfang Juli 2026 die IVDR-CE-Kennzeichnung für einen p-Tau217-Bluttest. Das Verfahren bewertet amyloide Pathologien bei Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen und läuft auf dem DxI-9000-Analyzer.
Auch in Australien entstehen neue Strukturen. Am NeuRA in Sydney eröffnete im Juli 2026 ein spezialisiertes Zentrum für Alzheimer-Diagnostik. Dort analysiert ein Bluttest die Marker pTau181, pTau217 und ApoE4. Das Verfahren – entwickelt mit Roche und Eli Lilly – liefert Ergebnisse innerhalb von 18 Minuten und soll Veränderungen bis zu 20 Jahre vor Symptombeginn erkennen. Die Kosten liegen bei etwa 350 AUD. Derzeit ist der Einsatz auf klinische Studien und symptomatische Patienten beschränkt.
Neue Ansätze für Hochrisikogruppen
Eine Studie der USC untersuchte 39 Teilnehmer mit Down-Syndrom – einer Gruppe mit genetisch bedingt hohem Alzheimer-Risiko. Die Ergebnisse zeigen: Etablierte Bluttests wie Lumipulse G p-tau217 und PrecivityAD2 erkennen die Alzheimer-Pathologie bei diesen Menschen ähnlich genau wie in der Allgemeinbevölkerung. Das könnte den Zugang zu klinischen Studien für neue Wirkstoffe wie Donanemab erheblich erleichtern.
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Neben blutbasierten Verfahren erkunden Forscher alternative Wege. Die internationale VOCAL-Initiative definierte im Frühjahr 2026 einen Rahmen für stimmbasierte Biomarker. Ziel ist es, durch Sprachanalyse Anzeichen für Alzheimer, Parkinson oder Depressionen zu identifizieren. Ein Expertengremium aus Europa und Nordamerika arbeitet an einer gemeinsamen Terminologie, um die digitale Diagnostik zu standardisieren.
Das King’s College London identifizierte zudem einen Prozess namens Karyoptose als relevanten Mechanismus im Krankheitsgeschehen. Solche Entdeckungen könnten langfristig die Basis für neue Biomarker oder Therapien bilden.
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