Alzheimer-Bluttest: Biomarker erkennt Risiko bis 20 Jahre früher
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 22:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Medizin macht Sprünge bei der Früherkennung von Alzheimer und Nierenerkrankungen – doch die Versorgung hinkt hinterher.
Bluttest erkennt Alzheimer-Risiko Jahre im Voraus
Ein einziger Bluttest könnte die Alzheimer-Diagnostik revolutionieren. Forscher des Mass General Brigham Neuroscience Institute haben bei über 2.600 kognitiv gesunden Senioren den Biomarker p-Tau217 im Blut untersucht. Das Ergebnis: Personen mit sehr hohen Werten entwickeln mit 38-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb von fünf Jahren Symptome. Nach zehn Jahren steigt das Risiko auf 78 Prozent.
Roche Diagnostics hat bereits die Zulassung für einen ähnlichen Test erhalten. Er nutzt die Biomarker pTau217 und pTau181 und soll Alzheimer-Pathologien bis zu 20 Jahre vor den ersten Symptomen erkennen. Der große Vorteil: Bluttests sind deutlich günstiger und einfacher als PET-Scans oder Lumbalpunktionen.
Doch Experten warnen vor zu viel Euphorie. Eine Sprecherin der Alzheimer Forschung Initiative weist darauf hin, dass die Früherkennung ohne therapeutische Optionen psychisch belastend sein kann. Ein positiver Testbefund bedeutet schließlich: Man weiß Bescheid – behandeln kann man die Krankheit aber noch nicht.
Nierenerkrankungen: Hohe Dunkelziffer in Deutschland
Ein Bluttest könnte Alzheimer-Risiken bis zu 20 Jahre im Voraus erkennen – doch was bedeutet das für Sie? Unser kostenloser Leitfaden erklärt die wichtigsten Biomarker und wie Sie mit den Ergebnissen umgehen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Während die Alzheimer-Forschung auf präzise Biomarker setzt, offenbart die NAKO-Gesundheitsstudie gravierende Lücken bei chronischen Nierenerkrankungen. Die Universität Freiburg analysierte Urinproben von 35.000 und Blutproben von 195.000 Erwachsenen. Bei 18,4 Prozent der Urinproben zeigten sich auffällige Werte – diagnostiziert war die Erkrankung aber nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen.
Das Problem: Chronische Nierenerkrankungen verlaufen oft symptomlos. Viele Patienten erfahren erst in einem fortgeschrittenen Stadium von ihrer Krankheit, wenn Dialyse oder Transplantation drohen. Die Kosten sind enorm: 2020 verursachten Nierenerkrankungen in Deutschland Ausgaben von über 24 Milliarden Euro – rund fünf Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben. Fachleute fordern deshalb eine konsequentere Nachverfolgung auffälliger Laborwerte.
3D-Hirnmodell und neue Therapieansätze
Die Forschung sucht auch nach besseren Methoden, um Alzheimer im Labor zu untersuchen. Das LMU Klinikum hat in Nature Neuroscience ein 3D-Hirngewebemodell vorgestellt, das aus menschlichen Stammzellen gezüchtet wird. Es bildet die komplexen Interaktionen zwischen Nervenzellen, Astrozyten und Mikroglia ab. Erstmals lässt sich so die Bildung und Auflösung von Amyloid-Ablagerungen unter Laborbedingungen beobachten – ein möglicher Turbo für die Wirkstoffentwicklung.
Die Diagnose Alzheimer ist eine Belastung – besonders, wenn sie früh gestellt wird. Doch wer die neuen Therapieansätze kennt, kann besser planen. Unser Ratgeber zeigt, welche Entwicklungen es gibt und wie Sie sich informiert auf den Weg machen. Ratgeber zu neuen Therapieansätzen sichern
Auch klinisch gibt es Fortschritte. Die TRAILBLAZER-ALZ-2-Studie zum Antikörper Donanemab von Lilly zeigt über 36 Monate eine wachsende Wirkung. Der kognitive Abbau verlangsamte sich nach 18 Monaten um 0,7 Punkte auf der CDR-SB-Skala, nach drei Jahren sogar um 1,1 Punkte.
Einen anderen Weg geht der Antikörper IBC-Ab002: Statt Amyloid direkt anzugreifen, soll er das Immunsystem verjüngen. Erste Ergebnisse einer Phase-1b-Studie mit 40 Patienten deuten darauf hin, dass der Ansatz sicher ist und Biomarker für neuronale Schäden reduziert. Die Forschung steht also vor einem Umbruch – doch bis die neuen Verfahren in der Praxis ankommen, bleibt die Früherkennung eine Herausforderung.
