Alzheimer, Frauen

Alzheimer bei Frauen: Östrogen-Mangel zerstört Gehirn-Struktur

28.05.2026 - 21:48:20 | boerse-global.de

Forschung identifiziert Östrogenmangel als Auslöser für Gedächtnisverlust und fordert geschlechtsspezifische Medizin.

Alzheimer bei Frauen: Östrogen-Mangel zerstört Gehirn-Struktur - Foto: über boerse-global.de
Alzheimer bei Frauen: Östrogen-Mangel zerstört Gehirn-Struktur - Foto: über boerse-global.de

Lange rätselte die Forschung über die Ursachen. Jetzt liefern mehrere Studien aus dem Mai 2026 neue Erklärungen – und fordern ein Umdenken in der Medizin.

Der Östrogen-Verlust verändert das Gehirn

Eine präklinische Studie der Northwestern University, veröffentlicht am 26. Mai im Fachjournal Aging Cell, identifizierte einen entscheidenden Mechanismus im Hippocampus. Diese Gehirnregion ist zentral für das Gedächtnis.

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Der Befund: Ein Mangel an Östrogen führt zum Zerfall der extrazellulären Matrix (ECM). Diese Struktur macht rund 20 Prozent des Hirnvolumens aus und dient als stabilisierendes Gerüst zwischen den Nervenzellen.

Die Forscher um Dr. Hong Zhao und Senior-Autor Dr. Serdar Bulun untersuchten ältere weibliche Mäuse mit einem Defizit des Enzyms Aromatase. Die Tiere zeigten deutliche Gedächtnis- und Verhaltensdefizite. Männliche Mäuse blieben dagegen unbeeinträchtigt.

Bei den weiblichen Tieren war die Genexpression bestimmter ECM-assoziierter Gene im Alter hochreguliert – ein Hinweis auf eine pathologische Veränderung der Matrix. Bulun betonte: Östrogen ist fundamental für die Aufrechterhaltung der Gedächtnisfunktion.

Neue Therapieansätze jenseits von Amyloid

Die Erkenntnisse könnten die Entwicklung künftiger Alzheimer-Therapien grundlegend verändern. Bisher konzentrieren sich Behandlungen wie Lecanemab oder Donanemab auf die Entfernung von Amyloid-Plaques. Die klinische Wirkung dieser Medikamente gilt in Fachkreisen allerdings als uneinheitlich.

Der neue Ansatz der Northwestern Medicine zielt stattdessen auf den Schutz oder die Wiederherstellung der extrazellulären Matrix ab.

Parallel dazu entdeckte ein Team um Paula Sanchez-Molina von der Oregon Health and Science University eine neue Zellpopulation im Alzheimer-Gehirn. Die sogenannten HPAM-Zellen (human plaque-associated microglia) reichern sich nahe der Amyloid-beta-Plaques an. Veröffentlicht wurde die Arbeit im Mai 2026 in Nature Neuroscience. Es handelt sich noch um Grundlagenforschung – doch Experten sehen Potenzial für ergänzende Therapieformen.

„Die Medizin muss weiblicher werden“

Die wissenschaftlichen Befunde fallen mit einer gesundheitspolitischen Debatte zusammen. Am heutigen Donnerstag forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine grundlegende Neuausrichtung der Medizin. Ihre Kritik: Forschung und Medikamententests liefen über Jahrzehnte überwiegend an männlichen Probanden. Die Folge: Frauen erleiden häufiger Fehldiagnosen oder falsche Dosierungen.

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Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK untermauert die Forderung. Demnach befürworten 87 Prozent der Ärzteschaft geschlechtsspezifische Leitlinien. Doch 32 Prozent der Mediziner bekamen im Studium keine entsprechenden Inhalte vermittelt, 67 Prozent absolvierten keine Fortbildungen in diesem Bereich.

Carola Reimann vom AOK-Vorstand sowie Vertreter der BKK forderten daher eine stärkere Verankerung geschlechtsspezifischer Aspekte in Forschung, Lehre und Prävention.

Mehr als nur Hormone: Die weiteren Risikofaktoren

Neben hormonellen Ursachen spielen weitere Faktoren eine Rolle. Eine Studie der University of California, San Diego, erschienen in Biology of Sex Differences, analysierte Daten von über 17.000 Erwachsenen. Das Ergebnis: Bestimmte Risikofaktoren wie Hörverlust oder Diabetes wirken sich bei Frauen stärker auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus als bei Mengen als bei Männern.

Hinzu kommen begleitende Belastungen: Depressionen treten bei Frauen mit 17 Prozent fast doppelt so häufig auf wie bei Männern (9 Prozent). Auch körperliche Inaktivität und Schlafprobleme sind bei Frauen verbreiteter.

Dr. Itamar Ganmor vom Sheba Medical Center weist darauf hin, dass rund 45 Prozent des Demenzrisikos mit solchen modifizierbaren Faktoren zusammenhängen. Weitere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass Frauen mit Alzheimer häufig niedrigere Spiegel an Omega-3-Fettsäuren aufweisen.

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