Alzheimer, Patienten

Alzheimer: 60 Prozent der Patienten verlaufen sich während Krankheit

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 15:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Aktionen informieren über Alzheimer, während Vermisstensuchen Risiken der Orientierungslosigkeit und technische Rettungshilfen zeigen.

Alzheimer im September: Aufklärung und Vermisstensuchen im Fokus
Ein nebliger Waldweg in der Abenddämmerung, der die Atmosphäre von Orientierungslosigkeit und Verletzlichkeit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Internationale Aufklärungskampagnen und aktuelle Vermisstenfälle rücken im September 2026 die neurologische Erkrankung Alzheimer verstärkt in das öffentliche Bewusstsein. Während Organisationen weltweit Informationsveranstaltungen vorbereiten, unterstreichen laufende Suchaktionen die physischen Gefahren, denen Patienten mit Demenzerkrankungen ausgesetzt sind.

Internationale Initiativen zur Sensibilisierung

Im brasilianischen Gramado findet vom 24. bis zum 30. September 2026 die 6. Alzheimer-Aufklärungswoche statt. Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne „Setembro Roxo“ und wird am 24. September im Teatro Elisabeth Rosenfeld eröffnet.

Ziel ist die Information der Bevölkerung über eine Krankheit, von der in Brasilien laut Angaben von Mariela Oppitz Sorgetz vom Movimento Viver Sem Saber derzeit zwischen 1,5 und 2 Millionen Menschen betroffen sind. Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg dieser Zahl auf bis zu 5,5 Millionen Patienten prognostiziert.

Auch in Europa finden gezielte Informationsangebote statt. Im belgischen Asse wird am 21. September 2026 zu einem Austausch über den Umgang mit Demenzpatienten geladen, gefolgt von einer interaktiven Sitzung am 24. September, die das Verständnis für die Erlebniswelt der Betroffenen fördern soll.

In Spanien organisiert die Vereinigung AFA Faro de Chipiona am 19. September 2026 eine Benefizveranstaltung, bei der unter anderem das soziale Engagement von Francisca Díaz Martín gewürdigt wird, die der Organisation bereits vor zwei Jahren ihr Wohnhaus vermacht hatte.

Das Risiko der Orientierungslosigkeit

Ein zentraler Aspekt der Erkrankung ist die sogenannte Hinlauf- oder Weglauftendenz. Laut Daten der Alzheimer's Association wandern rund 60 Prozent der Demenzkranken mindestens einmal während ihres Krankheitsverlaufs ziellos umher.

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Statistiken der Cleveland Clinic verdeutlichen die Dringlichkeit schneller Suchmaßnahmen: Wenn Vermisste nicht innerhalb von 24 Stunden gefunden werden, liegt das Risiko für schwere Verletzungen oder tödliche Folgen bei etwa 50 Prozent.

Aktuelle Suchaktionen verdeutlichen diese Gefahr. In Sarayköy in der türkischen Provinz Denizli koordiniert die Jandarma gemeinsam mit der Katastrophenschutzbehörde AFAD und Nichtregierungsorganisationen wie AKUT die Suche nach dem 67-jährigen Hasan Caylak. Der Patient wird in schwierigem Gelände vermisst; Rettungsteams setzen Drohnen und Spürhunde ein.

Auch in Reconquista, Argentinien, läuft eine großangelegte Suche nach der 72-jährigen Alicia Isabel Galarza, die seit dem Abend des 8. September 2026 vermisst wird. Trotz des Einsatzes von Spezialeinheiten und Rettungshunden blieben die Suchmaßnahmen in der Region Arroyo El Rey bisher ohne Erfolg.

Einsatz moderner Technik bei Rettungsmaßnahmen

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Erfolgreiche Rettungen der letzten Zeit zeigen die Bedeutung technischer Hilfsmittel. Im Bregenzerwald in Österreich konnte eine 91-jährige Heimbewohnerin am 11. September 2026 nach stundenlanger Suche mithilfe einer Handyortung und einer Drohne der Bergrettung am Geißkopf lokalisiert werden.

Ähnlich verlief ein Einsatz Mitte August 2026 im US-Bundesstaat Minnesota, wo die Polizei eine vermisste Frau mittels Drohnentechnik innerhalb von zwei Minuten in einem Maisfeld aufspüren konnte.

In anderen Fällen war die Mithilfe der Bevölkerung entscheidend. So wurde eine 60-jährige Frau in Bad Goisern, die nach einem Friedhofsbesuch verschwunden war, nach umfangreichen Suchmaßnahmen durch Feuerwehren und Wasserrettung verletzt im Gelände gefunden. In der kalifornischen Stadt Santa Rosa führte die Aktivierung eines „Silver Alert“ zum Auffinden eines 89-jährigen Patienten.

Psychologische Belastung und „Uneindeutiger Verlust“

Neben den physischen Risiken rückt die psychische Belastung der Angehörigen in den Fokus der Fachwelt. Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf das bereits in den 1970er Jahren von Pauline Boss geprägte Konzept des „Ambiguous loss“ (uneindeutiger Verlust). Dabei handle es sich um eine Form des Verlusts, bei der ein Mensch physisch anwesend, aber psychisch nicht mehr erreichbar ist.

Professor Anette Kersting von der Universität Leipzig erläuterte in diesem Kontext, dass bei Alzheimer-Erkrankungen ein klassischer Abschied oft ausbleibe und Angehörige eine dauerhafte Widersprüchlichkeit aushalten müssten. Fachleute wie die Trauerexpertin Chris Paul raten Betroffenen, sich auf neue Kommunikationsebenen im Moment einzulassen und bei depressiven Symptomen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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