Alzheimer, Erstbeschreibung

Alzheimer: 120 Jahre nach der Erstbeschreibung ist keine Heilung in Sicht

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 23:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Therapien können den kognitiven Abbau bremsen; zugleich fordert die Alzheimer-Gesellschaft Verbesserungen bei der Pflegeversicherung.
Ein minimalistisches, ruhiges klinisches Labor bei Dämmerung mit leeren Labortischen und Glasgeräten im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Am 3. November 1906 hielt der Psychiater Alois Alzheimer in Frankfurt am Main einen Vortrag über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde. Er beschrieb dabei erstmals charakteristische Veränderungen im Gehirn, namentlich Plaques zwischen den Nervenzellen und Neurofibrillenbündel.

Exakt 120 Jahre nach dieser Erstbeschreibung ist nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) in der Medizin weiterhin keine Heilung für die Erkrankung in Sicht.

Zulassung neuer Wirkstoffe und der Stand der Forschung

Trotz des Ausbleibens einer vollständigen Heilung verzeichnet die medizinische Forschung Fortschritte bei der Behandlung. Wie Swen Staack, der erste Vorsitzende der DAlzG, darlegte, wurden im vergangenen Jahr erste Medikamente zugelassen, die den Krankheitsverlauf bei einem Teil der Betroffenen etwas verlangsamen können. Zudem befinden sich derzeit hunderte weitere Wirkstoffe in der wissenschaftlichen Überprüfung.

Prof. Özgür Onur von der Uniklinik Köln wies darauf hin, dass seit 2025 erstmals Antikörpertherapien zur Verfügung stehen, die den kognitiven Abbau in einem frühen Krankheitsstadium verlangsamen.

Modellrechnungen verdeutlichen das Potenzial therapeutischer und präventiver Maßnahmen: Laut Onur würde eine Verschiebung des Demenzbeginns um lediglich ein einziges Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren zu zehn Prozent weniger Erkrankungsfällen führen.

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Demografische Entwicklung und Belastung für die Pflege

In Deutschland leben derzeit nach Angaben der DAlzG rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Etwa zwei Drittel davon sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen, teils auch in Kombination mit anderen Formen von Demenz. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München bezifferte die Fachgesellschaft die Gesamtzahl auf 1,78 Millionen Menschen.

Demnach entfallen rund zwei Drittel der Fälle auf Alzheimer, während fast 5 Prozent – rund 85.000 Personen – jünger als 65 Jahre sind. Die DAlzG verzeichnete in diesem Kontext zudem rund 30.000 Alzheimer-Betroffene unter 65 Jahren sowie täglich etwa 100 Diagnosen.

Jährlich erkranken demnach etwa 360.000 Menschen ab 65 Jahren neu an einer Demenz, wovon rund 60 Prozent auf den Typ Alzheimer entfallen. Sofern kein grundlegender Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt, prognostiziert die DAlzG für Deutschland einen Anstieg der Demenzerkrankten auf bis zu 2,6 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050. Da mehr als zwei Drittel der Betroffenen häuslich von Angehörigen betreut werden, fordert die Organisation konkrete Nachbesserungen am geplanten Pflegeversicherungsgesetz.

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Präventionspotenziale und beeinflussbare Risikofaktoren

Neben medikamentösen Ansätzen rückt die Prävention verstärkt in den Fokus. Wie auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München erörtert wurde, ließen sich rein rechnerisch rund 45 Prozent der Demenzfälle vermeiden oder zeitlich verzögern.

Dafür wurden 14 beeinflussbare Risikofaktoren identifiziert. Zu den gewichtigsten Faktoren zählen unbehandelte Hörverluste, auf die rund 7 Prozent der Fälle zurückgeführt werden, sowie Defizite in der frühkindlichen Bildung mit einem Anteil von bis zu 5 Prozent.

Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen machen zusammen rund 14 Prozent des Risikos aus. Zudem wird soziale Isolation im Alter als Ursache für 5 Prozent der Demenzerkrankungen eingestuft.

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