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Altes Ägypten: 18 von 46 Schädeln zeigen tödliche Gewaltspuren

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei 18 von 46 Schädeln fanden sich potenziell tödliche Verletzungen; die Befunde untermauern eine historische Annahme zu Bestattungen.

Abydos: Schädelanalyse stützt These organisierter Menschenopfer
Die trockene, sandige Wüstenlandschaft der archäologischen Stätte Umm el-Qaab bei Abydos unter einem klaren Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Eine Knochenanalyse an menschlichen Überresten aus der Frühzeit des pharaonischen Ägyptens gewährt neue Einblicke in die Bestattungsrituale der ersten Herrscher. Eine am 9. Oktober 2026 vorgestellte Untersuchung von Roselyn Campbell von der Purdue University befasst sich mit 46 Schädeln aus Gräbern der Nekropole Umm el-Qaab bei Abydos.

Die rund 5000 Jahre alten Funde aus der ersten Dynastie liefern konkrete Hinweise auf die Todesursachen der Bestatteten und stützen eine historische Hypothese. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Frontiers in Environmental Archaeology publiziert.

Spuren tödlicher Gewalt an Schädelfunden

Die Analyse ergab, dass 18 der 46 untersuchten Schädel, was einem Anteil von 39 Prozent entspricht, potenziell tödliche Knochenverletzungen aufwiesen. Bei den Beschädigungen handelt es sich überwiegend um längliche Brüche im Schädeldach.

Nach Einschätzung von Campbell deuten die Merkmale darauf hin, dass diese linearen Frakturen kurz vor dem Ableben beigebracht wurden. Ursächlich seien mit hoher Wahrscheinlichkeit Schläge mit einem flachen, leichten Gegenstand aus Stein oder Holz gewesen. Stürze oder der Einsatz einer schweren Steinkeule schloss die Forscherin hingegen als Erklärung aus.

Dass die Verletzungen exakt um die Todeszeit herum entstanden, belegen spezifische Bruchmerkmale wie unvollständige Frakturen, sogenannte Scharnierfrakturen und scharfe Kanten.

In früheren Bewertungen waren derartige Knochenschäden oft lediglich als nachträgliche Zerstörungen nach dem Tod interpretiert worden. Die festgestellten Gewalteinwirkungen dürften bei den Opfern schnell zu Bewusstlosigkeit, inwendigen Blutungen und schließlich zum Tod geführt haben.

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Ursprung der Funde und rituelle Hintergründe

Die untersuchten Knochen stammen aus den Sammlungen der Universität Cambridge. Sie wurden in den 1920er Jahren von dem britischen Ägyptologen Flinders Petrie (1853–1942) geborgen, der sie aus Nebengräbern königlicher Grabstätten der ersten Dynastie (3078–2900 v. Chr.) entnahm. Diese Grabanlagen befinden sich in Abydos in räumlicher Nähe zu den Ruhestätten von König Djer, König Djet und der Regentin Meretneith, teils auch als Merneith bezeichnet.

Mit den neuen Befunden wird Petries Annahme aus den 1920er Jahren bestätigt, wonach in der Nekropole organisierte Menschenopfer praktiziert wurden. Wie historische Zuordnungen zeigen, gehörten die Getöteten nicht zwingend einfachen Schichten an; einige der bestatteten Personen trugen Titel wie Hofbeamter oder Siegelträger.

Diese Praxis der Begleitbestattungen durch Tötung blieb jedoch eine Ausnahmeerscheinung der Frühphase: Nach Angaben von Campbell verschwand die Gewohnheit der rituellen Menschenopfer nach dem Ende der ersten Dynastie wieder.

Wissenschaftliche Einordnung und offene Fragen

Zu der Untersuchung äußerte sich Dawn McCormack von der Samford University in Alabama im Guardian. Sie wies darauf hin, dass ähnliche Opferrituale auch in anderen frühen Kulturen dokumentiert seien.

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Die Befunde legten nahe, dass keineswegs alle diese Tötungen im Rahmen von Bestattungsriten zwingend auf freiwilliger Basis stattfanden. Zugleich betonte McCormack die methodischen Grenzen des Materials, da die aktuelle Studie lediglich eine vergleichsweise kleine Schädelanzahl von 46 Objekten umfasse.

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