Alterung, Körper

Alterung: Körper altert in Schüben – besonders in 30ern und um 50

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 22:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung zeigt markante Alterungsschübe in den 30ern und um 50. Krafttraining, Bewegung und Kreatin können Muskeln länger erhalten.

Alterung in Schüben: Warum Krafttraining im Alter entscheidend ist
Nahaufnahme eines verwitterten Baumstamms mit deutlichen Jahresringen und organischer Textur in einem ruhigen Wald. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend, dass der menschliche Alterungsprozess nicht linear verläuft, sondern in spezifischen Lebensphasen schubweise auftritt. Parallel dazu unterstreichen medizinische Erkenntnisse die zentrale Rolle von gezieltem Krafttraining, um die körperliche Fitness und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter zu bewahren.

Die Biologie der Altersschübe und organische Veränderungen

Aktuelle Forschungsergebnisse, die in der Fachzeitschrift «Nature Aging» veröffentlicht wurden, legen nahe, dass der Körper asynchron altert. Eine Untersuchung von Sanford Burnham Prebys und den National Institutes of Health (NIH) nutzte die künstliche Intelligenz «PathStAR», um mehr als 25.000 Gewebeproben von knapp 1000 verstorbenen Personen zu analysieren. Den Ergebnissen zufolge zeigen sich deutliche Alterungsschübe insbesondere in den 30er-Jahren sowie um das 50. Lebensjahr herum.

Dabei altern verschiedene Organsysteme in unterschiedlichem Tempo. Während Blutgefäße bereits im vierten Lebensjahrzehnt einen starken Abbau verzeichnen, treten signifikante Veränderungen an Gebärmutter und Vagina erst im Zeitraum der Menopause auf. Den Studienautoren zufolge fungieren die Eierstöcke dabei als eine Arbeit Schrittmacher für den Alterungsprozess.

Ergänzend dazu untersuchte das King's College London im Rahmen der TwinsUK-Studie 335 Frauen über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren. Dabei veränderten sich mehr als 5000 Gene und 181 Metabolite. Es wurde beobachtet, dass die adaptive Immunabwehr abnahm, während die angeborene Immunabwehr zunahm. Auch Umwelteinflüsse wie PFAS sowie jahreszeitliche Schwankungen hinterließen messbare Spuren in der biologischen Signatur.

Prävention von Muskelschwund durch Krafttraining

Ein wesentlicher Risikofaktor im Alterungsprozess ist die Sarkopenie, der fortschreitende Verlust von Muskelmasse und -funktion. Dies gefährdet laut wissenschaftlichen Berichten vom September 2026 insbesondere die Mobilität, die Balance und die generelle Selbstständigkeit, wobei das Risiko bei über 70-Jährigen und Menschen mit Mehrfacherkrankungen besonders hoch liegt.

Krafttraining gilt als die wirksamste Behandlung gegen diesen Prozess. Fachleute weisen darauf hin, dass auch im Alter von 80 oder 90 Jahren noch Muskelaufbau möglich ist. Dabei können 20 bis 25 Wiederholungen mit geringerem Gewicht eine ähnliche Wirkung erzielen wie zehn Wiederholungen mit schwerem Gewicht.

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Eine Trainingseinheit pro Woche könne bereits ausreichen. Eine australische Studie mit 120 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 72 Jahren bestätigte, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) die Muskelmasse erhält, während moderates Training primär den Fettabbau fördert.

Sportwissenschaftler wie Ingo Froböse betonen, dass Muskelschwund vor allem die sogenannten weißen Muskelfasern betrifft, was hohe Belastungsreize erforderlich macht. Für Einsteiger wird eine Vorbereitungsphase von vier bis sechs Monaten empfohlen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät älteren Menschen zu 150 bis 300 Minuten moderater oder 75 bis 150 Minuten intensiver aerober Aktivität pro Woche, ergänzt durch Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen.

Einer Forsa-Umfrage zufolge bewegen sich jedoch 53 Prozent der über 55-Jährigen nicht ausreichend, obwohl ein Großteil der inaktiven Frauen (72 Prozent) und Männer (54 Prozent) den Wunsch nach mehr Aktivität äußert.

Physiologische Marker und unterstützende Supplementierung

Neben der Handgriffkraft gilt die maximale Sauerstoffaufnahme (VO?max) als entscheidender Marker für Langlebigkeit. Sportwissenschaftler Billy Sperlich erläutert, dass die Veränderung dieses Wertes wichtiger sei als der Ausgangswert. Erste Anpassungen seien nach acht bis zehn Wochen sichtbar, wobei für Trainierte intensivere Reize notwendig seien.

In einer Studie mit 64 Erwachsenen zwischen 45 und 65 Jahren wurde zudem der Effekt von Kreatinmonohydrat untersucht. Die Einnahme von 10 Gramm täglich über zwölf Wochen steigerte die fettfreie Masse sowie die Kraft und Muskelausdauer – selbst ohne begleitendes Training.

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In Kombination mit einem Trainingsprogramm und einer moderaten Kalorienreduktion sanken zusätzlich der Körperfettanteil und der HbA1c-Wert. Auch die Substanz Spermidin wird im Kontext der Langlebigkeit diskutiert.

Während eine Kohortenstudie mit 829 Teilnehmern eine geringere Gesamtmortalität bei höherer Zufuhr feststellte, konnte eine klinische Studie mit 100 älteren Probanden über zwölf Monate keine signifikante Verbesserung der Gedächtnisleistung belegen.

Pharmazeutische Ansätze und genetische Analysen

Im Bereich der medikamentösen Forschung wurde das mittels künstlicher Intelligenz entwickelte Rentosertib untersucht. In einer Phase-IIa-Analyse mit 42 Patienten, die an idiopathischer Lungenfibrose litten, wurde eine Reduktion des biologischen Alters um mehrere Jahre gegenüber der Placebogruppe gemessen. Die stärksten Effekte zeigten sich nach vier Wochen bei einer Dosierung von 30 Milligramm zweimal täglich.

Ein weiterer Trend, der therapeutische Plasmaaustausch (TPE), wird in den USA als Longevity-Maßnahme verfolgt. Eine Studie aus dem Jahr 2025 mit 42 Teilnehmern über 50 Jahren ergab bei einer Kombination aus TPE und intravenösen Immunglobulinen eine durchschnittliche Verringerung des biologischen Alters um 2,61 Jahre.

Eine zweite Humanstudie konnte diese Verjüngungseffekte jedoch nicht überzeugend bestätigen, zudem warnte die US-Gesundheitsbehörde FDA bereits vor der Verwendung von jungem Spenderplasma.

Dass ein hohes chronologisches Alter nicht zwingend mit schweren Erkrankungen einhergehen muss, zeigt das Beispiel einer im August 2024 verstorbenen 117-jährigen Frau. Trotz extrem kurzer Telomere wiesen epigenetische Uhren bei ihr ein deutlich jüngeres biologisches Alter aus.

Ihre Vitalität wurde unter anderem auf einen effizienten Fettstoffwechsel und eine vorteilhafte Zusammensetzung der Darmflora zurückgeführt. Experten weisen darauf hin, dass die Epigenetik – beeinflusst durch Ernährung, Schlaf und Stress – maßgeblich steuert, wie Gene abgelesen werden, auch wenn die Aussagekraft kommerzieller epigenetischer Uhren für Verbraucher derzeit noch als begrenzt gilt.

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