Altersvorsorgedepot: Trade Republic plant gebührenfreien Start ab 2027
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die anstehende Reform der privaten Altersvorsorge verändert die Rahmenbedingungen für Anleger in Deutschland grundlegend. Ab dem 1. Januar 2027 löst das neue Altersvorsorgedepot (AVD) die bisherige Riester-Rente schrittweise ab.
Während ab diesem Stichtag keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden können, eröffnet der Neobroker Trade Republic den Markt mit einer Nulltarif-Strategie. Das Berliner Institut plant ein vollständig gebührenfreies Vorsorgedepot, das Kunden nach dem 1. Januar 2027 eröffnen können.
Nulltarif-Strategie und freiwillige Zusagen
Trade Republic verzichtet bei seinem Modell auf Depotführungs- sowie Ausführungskosten. Zudem sollen bei mehr als 50 ausgewählten Indexfonds der Anbieter BlackRock, DWS und Vanguard die laufenden Produktkosten dauerhaft entfallen, indem anfallende Fondskosten monatlich reinvestiert werden.
Unternehmenschef Christian Hecker erklärte dazu, dass das Institut mit dem Altersvorsorgedepot kein Geld verdiene, aber auch keines verliere. Das kostenlose Angebot verstehe sich als langfristiges Versprechen ohne Provisionen oder Rückvergütungen.
Die Kostenfreiheit beruht allerdings auf einer freiwilligen Zusage und ist nicht vertraglich garantiert. Bei anderen börsengehandelten Indexfonds sowie aktiv gemanagten Fonds tragen Anleger die regulären Produktkosten weiterhin selbst.
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Trade Republic, das offiziell 5 Mio. Kunden in Deutschland und 10 Mio. Kunden europaweit bei mehr als 150 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen zählt und rund 30 Mio. Sparpläne pro Quartal ausführt, bewirbt das Angebot über eine großangelegte Kampagne.
Das Institut bietet das AVD sowohl als Standarddepot mit dem gesetzlichen Kostendeckel von 1% Effektivkosten pro Jahr als auch als freies Depot ohne Deckel an.
Staatliche Förderungen und Verbraucherschutz
Das geförderte Altersvorsorgedepot bindet staatliche Zulagen an feste Vorgaben. Der Staat gewährt bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr: Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag fließen 50 Cent je Euro, danach 25 Cent je Euro bis zu einer Gesamtsumme von 1.800 Euro. Hinzu kommen bis zu 300 Euro je kindergeldberechtigtem Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro bei einem Abschluss vor dem 25. Geburtstag. Die Mindesteinzahlung liegt bei 120 Euro, während Kapitalerträge in der Ansparphase steuerfrei bleiben.
Verbraucherschützer mahnen dennoch zur genauen Prüfung. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weist darauf hin, dass im Zweifelsfall stets die Effektivkosten im Produktinformationsblatt maßgeblich sind. Kostenerhöhungen müssen Anbietern zufolge vier Monate im Voraus zum Quartalsende mitgeteilt werden und bedürfen einer vertraglichen Grundlage. Tritt eine Preiserhöhung ein, steht Kunden ein kostenfreies Wechselrecht zu.
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Reaktionen der Wettbewerber und Branchenstimmung
Die Konkurrenz reagiert mit differenzierten Preismodellen auf den Vorstoß. Scalable Capital kündigte für sein Standarddepot jährliche Produktkosten von bis zu 0,15% an, verzichtet im ersten Jahr vollständig darauf und bietet 16 kostenfreie Indexfonds an. Smartbroker wiederum plant die Erstattung von ETF-Kosten in den ersten drei Jahren, Flatex für fünf Jahre.
Im traditionellen Bankensektor setzt die Deutsche Bank für das DWS-Standarddepot auf 0,1% Kosten in den ersten zwei Jahren und danach 0,28%, während ein beratungsgestütztes Depot 0,99% pro Jahr kostet. Die DekaBank plant ihr Standarddepot ebenfalls mit 0,1% Gebühren pro Jahr.
Das Interesse im Finanzsektor ist hoch: Laut einer Befragung von dwpbank und Lemon Markets unter 88 Instituten planen 90% der Banken, Sparkassen und Broker ein eigenes Angebot, 82% peilen den Start zum 1. Januar an. Eine Erhebung von Sirius Campus und Aeiforia von Anfang September 2026 beziffert das Abschlusspotenzial zum Start auf 2,9 Mio. Verträge bei einem jährlichen Beitragsvolumen von 6 Mrd. Euro.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Altersvorsorgedepot 2027: Trade Republic mit kostenlosem Angebot - Wirtschaft“
